Greenwashing

Greenwashing: Wie manche Unternehmen ihre Kunden täuschen

Nachhaltigkeit und Umweltschutz werden für Verbraucher immer wichtiger - viele Firmen setzen also auf Bio-Produkte. Doch sind die wirklich nachhaltig? Oder wollen die Unternehmen nur noch mehr Geld verdienen?

Das Wichtigste zum Thema Greenwashing

  • "Gesund", "bio" und immer öfter auch "nachhaltig": diese Schlüsselwörter fallen immer öfter bei Instagram und Facebook. Wenn Influencer ein Klamotten-Label mit dem Hinweis auf deren Nachhaltigkeit bewerben - steckt dahinter vielleicht Greenwashing?

  • Studien zeigen, dass inzwischen die Mehrheit der Konsumenten Wert auf nachhaltige Produkte legt, insbesondere im Textilbereich steigt das Interesse. Vor allem aber sind die Verbraucher bereit, für nachhaltige Produkte mehr auszugeben.

  • Daher versuchen immer mehr Unternehmen, sich ein ökologisches Image zu verpassen. Grundsätzlich ist es schon dann positiv, wenn Unternehmen im ersten Schritt nur einen Teil ihrer Produkte ökologisch produzieren lassen. Allerdings versuchen manche Firmen, die Verbraucher mit geschickter Kommunikation von etwas zu überzeugen, das sie eigentlich nicht sind.

Wie funktioniert Greenwashing?

  • Ein Unternehmen versucht sich in der Öffentlichkeit über einzelne Aktionen mit einer hohen Aufmerksamkeit ein umweltbewussteres Image zu geben - ohne aber die gesamte Produktion nachhaltiger zu gestalten. Das ist Greenwashing.

  • Besonders beliebt ist die Strategie, einzelne, scheinbar besonders ökologische Eigenschaften eines Produkts hervorzuheben. Beispielsweise eine Packung Walnüsse mit dem Zusatz "vegan" zu bewerben. Das sagt nichts aus über einen nachhaltigen Anbau der Walnüsse - vegan sind Nüsse von Natur aus.

  • Auch mit Bildern auf der Verpackung versuchen Unternehmen die Kunden zu beeinflussen. Selbst wenn auf dem eingeschweißten Schweinefilet Tiere auf grünen Wiesen abgebildet sind: Das Tier in der Kühltheke hat nicht automatisch auch Auslauf gehabt.

  • Manche Unternehmen versuchen auch, mit Aktionen ihren Namen mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit in Verbindung zu bringen. Beispiele hierfür sind Mineralöl- und Energiekonzerne.

  • Greenwashing bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone. Eine wirkliche Kundentäuschung dem Gesetz nach liegt allerdings erst vor, wenn ein Unternehmen mit Aussagen wirbt, die nicht der Wahrheit entsprechen.

In diesen Branchen wird vermehrt Greenwashing betrieben

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    In der Lebensmittelindustrie wird der Zusatz "Regional" oft genutzt. Dabei ist der Begriff nicht klar definiert und garantiert nicht, dass die Produkte in einem Umkreis von 10 Kilometern produziert wurden. Ebenso verhält es sich mit den Werbewörtern "bio" und "gesund".

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    Kleidung wie T-Shirts wird oft mit dem Hinweis "Aus Bio-Baumwolle" beworben. Allerdings sagt das noch nichts darüber aus, ob die Bio-Baumwolle auch unter menschenwürdigen Bedingungen verarbeitet wurde. Modekonzerne und Bekleidungsunternehmen zeigten sich in der Vergangenheit oft wenig transparent oder warben mit nachhaltigen Maßnahmen, die aber noch nicht umgesetzt waren.

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    Bei Kosmetika und Drogerie-Produkten wie Shampoos oder Duschgels versuchen Unternehmen, eine besonders natürliche oder biologische Wirkung hervorzuheben. Umweltschonend sind diese Produkte aber nicht gleich.

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    Auch in vielen anderen Branchen versuchen Unternehmen, sich ein besonders umweltfreundliches Image zu geben. Autohersteller preisen den vermeintlich niedrigen Kraftstoff-Verbrauch an, Elektronikkonzerne wollen über Trade-In oder Recycling-Programme Umweltbewusstsein demonstrieren. Beides kann ehrlich gemeint sein, aber auch nur als Feigenblatt dienen.

Wie erkenne ich Greenwashing?

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    Recherche deckt Greenwashing auf. Wenn Unternehmen mit dem Begriff "umweltfreundlich" werben, sieh dir die Firmen-Webseite an. Wirklich nachhaltig eingestellte Unternehmen geben hier oft konkret an, wie die umweltfreundliche Produktion im Detail aussieht und welche nachhaltigen Ziele sie sich setzen. Daran lässt sich erkennen, ob Firmen ihre gesamte Produktion nachhaltig gestalten oder nur einzelne "Leuchtturm-Produkte".

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    Wichtig ist nicht nur, was verarbeitet wird, sondern wie und von wem Produkte hergestellt werden. Fashion Revolution bietet mit dem "Transparency Index" die Möglichkeit, etwas über die Lieferketten und Produktionslinien großer Marken zu erfahren.

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    Auch hilfreich: Werbebotschaften kritisch zu hinterfragen. Natürliche Zutaten beispielsweise können auch unter umweltschädlichen Bedingungen weiterverarbeitet werden.

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    Einen guten Überblick geben Zertifikate und Siegel. Hier haben verschiedene Organisationen die Recherche übernommen und kategorisieren Unternehmen und Marken nach diversen Kriterien. Die Zertifikate setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Von Nachhaltigkeit und ökologischer Produktion über natürliche Produkte bis hin zu den Produktionsbedingungen und die soziale Lage der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Diese Textil-Siegel stehen für ökologische Standards

Das zeigt der Grüne Knopf

Seit September 2019 ziert der Grüne Knopf Kleidungsstücke, die du ohne schlechtes Gewissen kaufen kannst. Das Siegel garantiert, dass das entsprechende Teil unter sozialen und ökologisch nachhaltigen Bedingungen produziert wurde.

Veröffentlicht: 02.09.2020 / Autor: Johannes Huyer