Galileo WM CopyCreated with Sketch.
Grenze Deutschland

Stopp, den Pass bitte! So entstanden politische Grenzen

Durch Heirat, mit dem Lineal oder der Kanonenkugel: Wir erklären dir, wie Staatsgrenzen gezogen wurden und welche kuriosen Geschichten dahinterstecken.
0

Das Wichtigste zum Thema Grenzen

  • Schon frühe Menschen sicherten Lagerplätze und Siedlungen mit Zäunen, Wällen oder Gräben, um Tiere und Feinde abzuhalten. Später lösten Stadtmauern oder Verteidigungsanlagen diese ab.

  • Natürliche Grenzen wie Flüsse, Wüsten oder Gebirge dienten als Grenzen für Stämme oder Völker. Sie waren schwer zu überwinden, und entsprachen oft Sprach- und Kulturgrenzen der Völker auf beiden Seiten.

  • Das Wort Grenze stammt vom altpolnischen/westslawischen "Granica". Es bedeutete Trennlinie. Das mittelhochdeutsche "grenice" löste dann das Wort Mark ab. Es bezeichnete ein Grenzgebiet und ist noch in "Markgraf" oder "Uckermark" enthalten.

  • Willst du wissen, warum Landkarten auch schnurgerade Grenzverläufe zwischen Staaten verzeichnen und einige kuriose, spektakuläre, traurige und lustige Grenzgeschichten kennenlernen? Dann lies weiter.

Aktuelles: Auch heute wird über Staatsgrenzen gestritten

Grenzstreitigkeiten gibt's auch heute noch. Im Januar kam es wieder zu einer Eskalation mit verletzten Soldaten zwischen China und Indien.

Selbst die EU-Staaten Kroatien und Slowenien streiten sich seit dem Zerfall von Jugoslawien, Anfang der 1990er-Jahre über die Grenze in der Bucht von Piran in der Adria.

Flüsse, Schranken oder Lineal - So entstanden Grenzen

Meere und Flüsse gelten als "blaue Grenze", eine Besonderheit der "grünen Grenze". Damit wurden alle natürlichen Grenzen bezeichnet, also Flüsse, Wälder, Gebirge. Heute wird der Begriff oft für unbewachte Grenzen gebraucht.

Während des Kolonialismus teilten europäische Mächte zum Beispiel Afrika nach Längen- und Breitengraden auf. Deshalb haben viele Staaten dort noch heute schnurgerade Grenzen - mit dem Lineal auf der Karte gezogen. Dies ist auch bei den Bundesstaaten von Australien, Kanada oder den USA zu erkennen.

Markiert wurden Grenzen mit Steinen und Schranken, den Schlagbäumen. Sie waren im 18. und 19. Jahrhundert zur Zeit der Kleinstaaterei in Deutschland wichtig, um Zölle zu kassieren. Deutschland war ein Flickenteppich kleiner Fürstentümer. Heirat, Tausch oder Erbstreitigkeit zwischen Fürstenhäusern ließen neue Staaten entstehen, Kriege verschoben die Grenzen abermals. So bildeten sich auch viele "Exklaven". Das ist ein Teil eines Staates, der geografisch vom Staatsgebiet abgetrennt und vollkommen von einem anderen Staat umgeben ist. Der Staat, der das Gebiet umgibt, bezeichnet es als "Enklave".

Ein kurioses Beispiel ist die Gemeinde Baarle-Hertog. 22 belgische Exklaven, liegen in der niederländischen Gemeinde Baarle-Nassau und darum herum. In diesen liegen wiederum 7 niederländische Enklaven. Unsere Karte unten zeigt das Wirrwarr, das im Mittelalter begann und noch heute Straßen und Wohnhäuser teilt.

Belgien und die Niederlande in einer Gemeinde

Grenzen in Baarle zwischen Belgien und Niederlande

Deutschlands Grenzen: Unsere Reporter haben sie besucht

Galileo Reporter Elena Bruhn und Matthias Fiedler waren als Grenzgänger in Deutschland unterwegs. Sie haben herausgefunden, was an unseren Grenzen und Nachbarländern so los ist.

Kuriose Grenzgeschichten

  • 🚂

    Exterritoriale Bahn: Nach dem Ersten Weltkrieg verschob sich die deutsch-belgische Grenze. Die Schienen der Vennbahn verliefen durch beide Staaten. Dann wurde die Strecke zum belgischen Hoheitsgebiet erklärt, auch die Schienen, die durch Deutschland führten. Das gilt noch heute - auch wenn die Trasse nun ein Fahrradweg ist.

  • 🏖

    Binationale Insel: Die unbewohnte Fasanen-Insel im baskischen Fluss Bidasoa teilen sich Frankreich und Spanien. Sie wird seit 1901 im Wechsel ein halbes Jahr vom einen Land, dann vom anderen verwaltet. Die Insel ist rund 200 Meter lang und 40 Meter breit.

  • Kanonenkugeln: Die Briten sollen vom Gambia-Fluss aus mit Kanonenkugeln in den Senegal geschossen haben. Das verschaffte ihnen Klarheit, wie weit sie entfernt sein müssen, um nicht von den Franzosen getroffen zu werden. So zogen sie wohl die Grenzen ihrer Kolonie Gambia.

  • 🔓

    Strengste Überwachung: Seit 1953 wird die Grenze zwischen Nord- und Südkorea von einer rund 4 Kilometer breiten Demilitarisierten Zone abgepuffert. Diese wird streng von internationalen Soldaten einer neutralen Überwachungskommission gesichert. Danach kommen die nationalen Wachen auf jeder Seite.

  • 🧱

    Geteilte Hauptstadt: Es gibt weltweit Orte, die über eine Staatsgrenze lappen. Doch nach der Wiedervereinigung von Berlin sind die israelische Hauptstadt Jerusalem und Nikosia auf Zypern, die einzigen Hauptstädte, die von Sperranlagen getrennt werden.

  • 🌐

    Niemandsland: Das Bir-Tawil-Dreieck zwischen Ägypten und Sudan wird von keinem der Länder beansprucht. Mit 2.060 Quadratkilometern ist es das einzige Niemandsland der Welt, abgesehen von einem Teil der Antarktis, dem Mary-Bird-Land.

Spektakuläre Flaggenparade

Externer Inhalt

Dieses Element stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram und Youtube.

Um diese Inhalte anzuzeigen, aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards in den

Grenzen in Zahlen

  • 🇨🇳

    Längste Landesgrenze: Mit 22.457 Kilometern hat China die längste Landesgrenze aller Staaten. Zum Vergleich: Das ist fast 6-mal so lang wie die deutsche Landesgrenze mit 3.876 Kilometern.

  • 🇪🇸🇲🇦

    Kürzeste Einzelgrenze: Die Halbinsel Penón de Vélez de la Gomera ist mit Marokkos Küste verbunden, gehört aber zu Spanien. 85 Meter Landgrenze trennen die Staaten an dieser Stelle. Damit gelten sie als das wohl kürzeste Einzelstück Grenze.

  • 🇧🇼🇿🇲

    Kürzeste Gesamtgrenze: Es gibt auch hier Streitigkeiten zum genauen Grenzverlauf im Fluss Sambesi. Doch die Grenze zwischen Botswana und Sambia gilt mit 155 Metern als die kürzeste zwischen 2 Staaten.

  • 🇨🇦🇺🇸

    Längste Gesamtgrenze: Die USA und Kanada trennt mit 8.891 Kilometer und 120 Übergängen die längste Grenze zwischen 2 Staaten. Dank guter Nachbarschaft wird sie als längste "nicht verteidigte Grenze" bezeichnet.

  • 🇲🇽🇺🇸

    Häufigste Überquerung: Die Grenze von den USA und Mexiko wird am meisten passiert - legal wie illegal. Mit 70.000 Autos und 20.000 Fußgängern täglich gilt der Übergang Tijuana als der meist frequentierte.

  • 🇨🇳🇷🇺

    Nachbarstaaten: China und Russland besitzen jeweils 14 Nachbarstaaten. Je nach Zählweise kann sich das auf 16 erhöhen, wenn die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau oder die nicht anerkannten Staaten Abchasien und Südossetien mitgerechnet werden.

Unter dem Meer - Der Verlauf der Seegrenzen

Die meisten Staaten beanspruchen ein Territorium innerhalb von 12 Seemeilen vor ihrer Küste als Hoheitsgebiet. Das sind rund 19 Kilometer.

Nachdem die Vereinten Nationen dies schon Jahre lang regeln wollten, beschlossen sie das internationale Seerechtsübereinkommen endgültig erst 1982. Gemessen wird der Abstand von der Basislinie. Das ist die Küstenlinie bei Niedrigwasser, auch bezogen auf vorgelagerte Inseln. Sie gilt auch als Seezollgrenze.

Darüber hinaus existiert eine 200-Meilenzone, die "Ausschließliche Wirtschaftszone". Das sind rund 321 Kilometer Entfernung von der Küste. Sie regelt spezielle Fischereirechte und die Ausbeutung von Rohstoffen wie Öl, die innerhalb der Zone gefunden werden. 167 Staaten haben das Übereinkommen unterschrieben.

🌹 Die Komödie "Die unglaubliche Geschichte der Roseninsel" (2020) erzählt die wahre Story des Italieners Giorgio Rosa. 1967 baute er, gut 11 Kilometer vor Rimini, eine künstliche Plattform ins Meer. Damals galt dies noch als internationales Gewässer. Seine "Roseninsel" rief er zur selbständigen Republik aus, um dort ungestört von italienischen Gesetzen einen Party-Hotspot samt Glücksspiel zu etablieren. Italien duldete die Verletzung seiner Souveränität nicht. Es sprengte die Plattform 1969. Im Abspann des Filmes wird behauptet, dass dieser Streit die UN beeinflusst haben soll, das Hoheitsgebiet auf 12 Meilen auszuweiten.

Veröffentlicht: 02.04.2021 / Autor: Sven Hasselberg