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Haltung annehmen! Wie sich Körper und Psyche beeinflussen

Dein Körper beeinflusst deine Stimmung! Erfahre, welche Power-Posen dein Selbstbewusstsein pushen, was bei Stress entspannt und warum dir immer erst nach einem Streit der beste Satz der Welt einfällt.
Die Verbindung zwischen Psyche und Körper nennt man auch "Embodiment".

Das Wichtigste zum Thema Körper und Psyche

  • Du bist gestresst, und schon ist dein Nacken verspannt. Wie sich die Psyche direkt auf den Körper auswirkt, spüren viele Menschen. Aber wusstest du, dass es auch umgekehrt funktioniert?

  • Der Körper beeinflusst auch die Gefühle. Eine aufrechte Körperhaltung hebt die Stimmung und stärkt das Selbstbewusstsein. Sacken wir in uns zusammen, fühlen wir uns traurig und depressiv.

  • Ein moderner Begriff für dieses Wechselspiel von Körper und Psyche lautet Embodiment. Körperorientierte Therapien bei Depressionen und Angst setzen hier an.

  • Persönlichkeitsmerkmale spiegeln sich sogar in unserer Laufgeschwindigkeit, zeigt eine US-Langzeitstudie. Extrovertierte Typen gehen schneller als Neurotiker.

Unter Stress setzt das Denken aus – Interview mit Mindfulness-Coach und Personalentwickler Dr. Florian Besch

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    Starten wir mit einem Beispiel: Dein Chef kritisiert dich oder hat einen Wutausbruch – und du bist wie eingefroren. Kurz nach dem Gespräch fällt dir dann der tollste Satz ein, den du hättest entgegnen können. Du ärgerst dich natürlich. Warum ist dir das nicht eher eingefallen?

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    Ein kleiner Trost - solche Gedankenaussetzer kennt fast jeder. Sei es beim Streit mit dem Chef, dem Partner oder kurz vor einer Deadline. Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Unter Stress setzt das Denken aus. Wir können uns schlechter konzentrieren.

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    Deine Reaktion bei extremem Stress kannst du nicht wählen. Das Alarmzentrum im Gehirn, die Amygdala, entscheidet blitzschnell. Evolutionär erklärt: Steht ein Säbelzahntiger vor dir, entscheidet sich die Amygdala schon für Flucht und reagiert entsprechend, bevor das Bild des Tigers überhaupt bei dir angekommen ist.

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    Die Alarmzentrale des Körpers unterscheidet nicht zwischen heftigem Stress mit dem Chef und Angst vorm Tiger. Ist der Alarmknopf erst gedrückt, konzentriert sich der Körper aufs Wesentliche.

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    Er schüttet Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus. Wir atmen schneller, unser Herz rast und pumpt Sauerstoff in die Muskeln, damit diese leistungsfähig sind.

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    Denken hingegen ist bei Gefahr uninteressant. Wir schalten den Kopf erst wieder ein, wenn die Gefahr gebannt ist. Um beim Beispiel zu bleiben: Ist der Boss aus dem Büro verschwunden, sinkt der Pegel an Stresshormonen schnell und uns fällt der beste Satz der Welt ein.

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    Die gute Nachricht: Man kann üben, auch bei bei starkem Stress cooler zu bleiben. Auf körperlicher Ebene wirken Power-Posen, Kampfkunst und Entspannungs-Techniken wie Qigong. Das löst Spannungen, was wiederum positiv auf die Psyche wirkt. Langfristig kann man so die Entscheidungen der Amygdala umtrainieren.

Dr. Florian Besch leitet ein Unternehmen für Personalentwicklung in Göttingen. Info: www.nevoteam.de

Yoga, Kampfkunst und Co.: Bewegung, die Körper und Psyche gut tut!

Ehemalige Harvard-Professorin erforscht die Macht der Körperhaltung

Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy entwickelte verschiedene Power-Posen. Sie fand heraus: Die Körperhaltung beeinflussen unseren Hormonhaushalt. Bestimmte Posen erhöhen den Testosteronspiegel und machen selbstsicher (siehe Bildergalerie unten).

Menschen können über ihre Haltung ihre Selbstsicherheit stärken und Angst lösen - wie ihre Harvard-Studien belegen. Schon 2 Minuten in einer Power Pose reichen, damit die Wirkung über Stunden anhält. Tipp: Übe die Haltungen rechtzeitig vor einem wichtigen Meeting und sieh selbst, welchen Effekt sie haben. Die Körperhaltungen kannst du leicht in deinen Alltag integrieren.

Power-Posing für mehr Selbstbewusstsein

Veröffentlicht: 10.05.2020 / Autor: Alena Brandt