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Erschöpft nach dem Zoom-Meeting? Dieses Phänomen steckt dahinter

Nach einem Tag auf Skype oder Zoom bist du fix und fertig? Da bist du nicht allein! Warum Video-Calls so anstrengend sind und was du dagegen tun kannst.

Das Wichtigste zum Thema Video-Konferenzen

  • Seit der Corona-Pandemie werden nicht nur Meetings, sondern auch Cocktail-Partys oder Uni-Vorlesungen als Videokonferenzen abgehalten. Bekannte Apps sind Skype, Zoom oder Houseparty.

  • Ein besonderer Krisen-Gewinner war die Software "Zoom": Ihre Zahlen sind von 10 Millionen Nutzern im Dezember 2019 auf aktuell über 300 Millionen gestiegen

  • Video-Konferenzen sind praktisch, jedoch gibt es auch immer wieder Bedenken über Sicherheitslücken und Probleme mit der Privatsphäre.

  • Jetzt bemerken zudem immer mehr Nutzer, wie anstrengend die virtuellen Meetings sind. Dafür wurde der Begriff "Zoom-Fatigue" (engl. Müdigkeit, Erschöpfung) geprägt. Wir erklären dir, was dahinter steckt.

Wie geht es dir nach langen Video-Calls?

Darum machen uns Videokonferenzen so müde

  • 😵

    Technische Probleme. Wort und Bild sind nicht synchron, das Bild friert ein - das Gehirn versucht, diese Störungen und Verzögerungen auszugleichen. Das bedeutet extra Arbeit.

  • 😑

    Ständige Konzentration: In Videokonferenzen brauchst du mehr Energie, um nonverbale Signale wie Mimik, Körpersprache oder Stimmlage zu deuten und zu verarbeiten.

  • 🤔

    Fehlende Pausen: In echten Meetings nimmt es dir niemand übel, wenn du mal aus dem Fenster guckst - in Video-Calls wirkt das unhöflich. Um zu zeigen, dass wir aufmerksam sind, sehen wir ständig auf den Bildschirm. Das strengt an. Außerdem kannst du keinen Tischnachbarn fragen, wenn du etwas verpasst hast.

  • 😬

    Angst vor Störung: Wer im Home-Office mit dem Partner, Kindern oder Tieren arbeitet, ist zudem vielleicht noch nervös, ob die plötzlich peinlich ins Bild laufen oder zu hören sind.

  • 🤐

    Kommunikations-Tücken: In "echten" Gesprächen sind wir es gewohnt, nicht zu lange Pausen zwischen Wortbeiträgen zu machen und einander nicht zu unterbrechen - die Technik erschwert das. Es dauert zum Beispiel länger, bis du merkst, dass du gerade jemanden unterbrichst. Das stresst.

  • 🙄

    Selbstzweifel: Durch das eingeblendete Bild ist dir ständig bewusst, dass du angesehen wirst. Dadurch fühlst du dich ähnlich wie bei einem Bewerbungsgespräch. Das aktiviert die Amygdala, die Angstzentrale im Gehirn.

  • 😴

    Körperliche Anstrengung: Trockene, ermüdete und gerötete Augen, das so genannte "Office Eye Syndrom", tritt bei Bildschirmarbeit häufig auf. Tipp: Blinzeln nicht vergessen, das hilft.

Warum Bildschirm-Gespräche anders sind als "echte"

Junger Mann im Videocall auf dem Sofa


Ständig in Video-Calls zu hängen kann ganz schön ermüdend sein.
© Getty Images

 

Wir Menschen sind darauf getrimmt, kleinste Muskelbewegungen im Gesicht unseres Gegenübers wahrzunehmen und die Gefühle zu deuten, die sie ausdrücken. Über Video mit schlechter Bildqualität ist das kaum möglich.

Zudem fehlt uns der Blickkontakt. Im Video-Call wendest du meist den Blick vom Gegenüber ab, weil du nicht direkt in die Kamera guckst. Damit fehlt ein wichtiges Vertrauens-Signal. Nach Video-Anrufen zeigen Menschen weniger Mitgefühl für ihre Gesprächspartner, so eine Untersuchung der University of California in Berkeley.

Dein Gehirn macht zudem ständig Prognosen, wie dein Gegenüber sich verhalten wird. Friert plötzlich das Call ein, bekommt das Gehirn eine Art Fehlermeldung.

Das hilft gegen "Zoom-Fatigue"

  • 👋

    In der Kürze liegt die Würze: Wenn möglich, begrenze das Meeting auf 35 Minuten - oder baue Pausen ein.

  • 👤

    Bei einem Vortrag bist du weniger abgelenkt, wenn alle Teilnehmer, die gerade nicht sprechen, ihre Bildschirme abschalten.

  • 👩‍💻

    Auch die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmer bedeuten Arbeit fürs Gehirn. Wenn alle möglichst eintönige digitale Bildschirme runterladen, gibt es eine Ablenkungs-Quelle weniger.

  • 💬

    Wenn keine Präsentationen nötig sind: Vereinbare ein Telefonat, das minimiert Ablenkungen.

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Und was ist "Zoom-Bombing"?

Ein kranker Trend: Wenn Trolle sich in Meetings einwählen und stören. Manchmal werden nur harmlose Memes gezeigt oder Songs abgespielt. Aber es gibt auch Berichte, dass Trolle Aufnahmen sexualisierter Gewalt oder rechtsradikales Material teilen, um zu schocken.

Um sich zu vernetzen, nutzen die Zoom-Bomber Online-Plattformen wie Twitter, Telegram und die soziale Plattform Discord. Tipp: keine Meeting-Links auf Twitter teilen, denn dort können sie abgegriffen werden.

Veröffentlicht: 03.07.2020 / Autor: Ischta Lehmann

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