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Wearables: Das kann smarte Kleidung schon jetzt

Telefonieren, Musik hören, Puls messen und navigieren. Kleidung ist heutzutage nicht nur einfach modisch - das steckt in den smarten Klamotten.

Das Wichtigste zum Thema smarte Kleidung

  • Wearables - das sind interaktive Accessoires wie Fitnessarmbänder, Datenbrillen und intelligente Kleidungsstücke-

  • Genutzt wird diese smarte Kleidung nicht nur im Alltag, sondern auch in der Medizin oder beim Sport - Herzfrequenz, Temperatur oder das Stress-Level messen? Kein Problem!

  • Meist sind die Sensoren in die Kleidung eingearbeitet, die Forschung arbeitet jedoch auch an ganz neuen Materialien, die Zusatz-Technik komplett überflüssig machen soll.

  • Intelligente Kleidung setzt das perfekte Zusammenspiel von Material und Technik voraus, deshalb arbeiten Menschen aus den verschiedensten Bereichen hier Hand in Hand: Textiltechnologie, Informatik, Materialforschung und Interface-Design zum Beispiel.

Intelligente Kleidung: Hier kommt sie zum Einsatz

💕 Vitalfunktionen messen

Smart Watches und Fitnessarmbänder sind bereit weit verbreitet. Nun geben Shirts, Hosen und Co. Auskunft über unsere medizinischen Daten wie Puls, Atmung oder Blutdruck überwachen. Das ist vor allem in der Medizin und beim Sport relevant.

  • Der Baby-Schlafanzug der chinesischen Firma Exmovere misst Herzschlag und Sauerstoffgehalt im Blut während des Schlafs und schlägt Alarm, wenn etwas nicht stimmt.
  • Socken für Diabetiker registrieren sich entwickelnde Fußentzündungen, ein smartes Wundpflaster trackt den Status der Wundheilung.
  • Die Mannschaft des TSG 1899 Hoffenheim nutzt High-Tech-Sportkleidung wie Schienbeinschoner und Trainingsbälle, die Trainingsdaten über Sprints, Tempo und Ballkontakte liefern.
  • Smart Pants von Xenoma: 7 Sensoreinheiten registrieren Bewegungsabläufe und -intensität. Dies hilft zum Beispiel bei der Bewertung von ergonomischen Arbeitsplätzen.
  • T-Shirts der französischen Firma OMsignal: Biometrische Sensoren messen ständig die Vitalwerte und schicken diese an das Smartphone des Trägers - die Technik soll vor allem älteren Menschen dienen.
  • Im Polo-Tech-Shirt von Ralph Lauren steckt die gleiche Technologie. Sie misst bei Sportlern die zurückgelegte Distanz, verbrauchte Kalorien, Bewegungsintensität oder das Stress-Level.

💪 Smarte Körperoptimierung

Ob im Beauty- oder Fitnessbereich - auch hier gibt es intelligente Kleidung, die uns Arbeit abnimmt.

  • Shirts und Hosen stimulieren die Muskeln mit Stromimpulsen und lassen sie so wachsen - interessant für Sportler, aber auch bei Reha-Patienten.
  • In Japan werden Textilien entwickelt, die beim Tragen wie eine Hautcreme wirken.
  • In Österreich arbeitet man an einem Stoff, der bei Bewegung einen angenehmen Duft produziert.
  • Climachill-Kollektion von Adidas: Das spezielle Material aus Aluminium und Titan kühlt den Körper und ermöglicht Sportlern so längere und intensivere Trainingseinheiten.
  • Der Pullover der Zukunft entsteht an der Technischen Universität Eindhoven: 3 spezielle Schichten passen sich der Situation an und regulieren Temperatur und Feuchtigkeit automatisch.
  • Skibekleidung von Kjus: Eine Membran transportiert Schweiß mithilfe von Elektro-Osmose aktiv von der Innenbekleidung weg und aus der Kleidung hinaus.
  • Halstücher von Scough: Integrierte Aktivkohlefilter reinigen die Atemluft von Pollen, Viren und Verschmutzungen.
  • Haute-Couture-Kleid des Londoner Modehauses Cutecircuit: Das leitfähige Kohlenstoffmaterial registriert das Atmungsmuster - je nach der Tiefe der Atemzüge verändert sich die Farbe des Kleides durch integrierte Ioden.

📲 Praktische Alltagsfunktionen

Hier heißt es: Smartphone wegstecken.

  • Das smarte hitoe T-Shirt von NTT erkennt Stürze und setzt selbstständig den Notruf ab. Dies ist besonders hilfreich für ältere Menschen, die alleine Leben.
  • Die niederländische Designerin Pauline Van Dongen verbaut Solarpanels: Smartphone oder Tablet können so bei einem Spaziergang ganz nebenbei aufgeladen werden.
  • Die Fauna Audio-Brille mit MEMS-Lautsprecher-Technologie lässt sich über jeden Voice-Assistant steuern - egal ob Anrufe entgegennehmen oder Musik hören.
  • Die KI-Brille der Leipziger AiServe Technologies  lotst Blinde via Sprachausgabe durch die Stadt.

Ein weiteres Beispiel: Die smarte Jeans-Jacke von Levi’s und Google

Dadurch funktionieren Wearables

Intelligente Kleidungsstücke erkennen deine Befehle zumeist dank Metallfasern - bereits bekannt aus Touch-Handschuhen für die Bedienung von Smartphones im Winter.

  • Die smarten Fasern werden mit konventionellen Garnen kombiniert und in die Kleidung eingearbeitet.
  • Durch Siebdruck können auch sogenannte thermochrome Pigmente, die auf Wärme reagieren, auf Kleidung aufgebracht werden. Textile Displays sind so denkbar.
  • LEDs oder Vibrationsmotoren werden per Pick-and-Place-Verfahren angebracht.

Smarte Kleidung Nachteile: Hier hapert’s noch

  • 🌫

    Die meisten smarten Klamotten sind waschbar - aber nur mit großer Vorsicht.

  • 💦

    Feuchtigkeit gibt’s nicht nur in der Waschmaschine. Auch Regen und Schweiß führen oft noch zu Schäden.

  • 👨‍💻

    Datenschützer gehen auf die Barrikaden: Die gesammelten Informationen wie Aufenthaltsort, Krankheiten oder Fitnesslevel sind nötig, aber eben auch sehr privat.

  • 🔋

    Wenn der Saft fehlt: Aktuell sind für die Energieversorgung noch Batterien und Akkus nötig - nicht gerade modisch.

Zukunftsmusik Photovoltaik-Kleidung

Nervige Batterien oder globige Akkus sollen bald der Vergangenheit angehören: Wasserfeste und flexible Solarzellen könnten die Lösung sein. Die ultradünnen Module könnten bald auf Textilien aufgedruckt werden.

Ebenfalls denkbar: Die durch unsere eigene Bewegung entstehende Energie für die Stromversorgung von smarter Kleidung zu nutzen.

Veröffentlicht: 20.12.2019 / Autor: Gerda Naumann

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