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Warum soll man sich etwas "hinter die Ohren schreiben"?

Wenn sich jemand etwas hinter die Ohren schreiben soll, soll er sich etwas ganz genau merken. Doch woher kommt die Redewendung? Aus der Tätowier-Kunst? Oder aus dem Mittelalter? Wir machen dich schlau.
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Hinter die Ohren schreiben: Schlaumeier-Wissen

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    "Schreib dir das hinter die Ohren!" Mit diesem Satz machen zum Beispiel Eltern ihren Sprößlingen klar, dass sie etwas nicht mehr vergessen sollen.

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    Oft folgt die Aufforderung nach einer Rüge oder einer Standpauke.

  • 👨🏻‍⚖️

    Man kann sich zwar auch hinter den Ohren tätowieren lassen, aber das hat mit der Redensart nichts zu tun. Sie geht auf einen mittelalterlichen Rechtsbrauch zurück.

  • 👧

    Bei wichtigen Regelungen wie der Festlegung einer Grenze oder einem Vertragsabschluss holten die Verhandlungspartner einst ihre Kinder dazu. So wurde sichergestellt, dass sie noch Jahre später bei Bedarf als Zeugen aussagen konnten.

  • Um der Sache Nachdruck zu verleihen, wurden die Knaben an den Ohren gezogen oder geohrfeigt.

  • ⚔️

    Sogenannte mnemotechnische Ohrfeigen waren im Mittelalter weit verbreitet. Auch Ritter erhielten sie während der Zeremonie des Ritterschlags, damit ihnen ihre abgelegten Gelübde gut in Erinnerung blieben.

Weitere Redewendungen zu unserem Hörorgan

👂Es faustdick hinter den Ohren haben = raffiniert/gerissen/durchtrieben sein
Früher glaubte man, dass die Verschlagenheit hinter den Ohren "sitzt" und sich dort in Form von dicken Wülsten zeigt.

👂Jemanden übers Ohr hauen = jemanden betrügen/übervorteilen
Stammt aus der Fechter-Sprache und bedeutete: Seinen Gegenüber mit der Waffe am Kopf (oberhalb der Ohren) treffen.

👂Viel um die Ohren haben = viel Arbeit/Stress haben, sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern müssen
Die Redensart bezog sich ursprünglich wohl auf Arbeitslärm oder Stimmengewirr. Ein Beleg dafür findet sich in einem deutsch-schwedischen Wörterbuch von 1814.

👂Die Ohren steif halten = sich nicht unterkriegen lassen, nicht den Mut verlieren
Dahinter steckt eine tierische Beobachtung: Wenn Pferde, Esel oder Hunde aufmerksam sind, stellen sie ihre Lauscher auf. Lassen sie sie runterhängen, sind die Tiere unachtsam oder müde.

👂Die Wände haben Ohren = man wird belauscht
Katharina von Medici (durch die Heirat mit Heinrich II. ab 1547 Königin von Frankreich) ließ angeblich in die Wände des Louvre in Paris Horchkanäle einbauen. Und zwar, um ihre protestantischen Widersacher abhören zu können.

👂Ohren haben wie ein Luchs = sehr gut hören
Der Luchs hat besonders gute Ohren. Die Haarpinsel an der Ohrenspitze funktionieren wie Antennen. Mit ihnen kann er orten, woher ein Geräusch kommt - selbst wenn es sich um eine Maus handelt. Rehhören Luchse bis zu einer Entfernung von 500 Metern.

Teste dich im Sprach-Quiz: Kennst du diese Redewendungen?

Veröffentlicht: 05.10.2020 / Autor: Heike Predikant