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Home-Office: Brauchen wir wirklich ein Recht darauf?

Bundes-Arbeitsminister Heil will das Recht auf Home-Office gesetzlich verankern. Das hat viele Vorteile, birgt aber auch Gefahren. Wie du die vermeidest.

Das Wichtigste zum Thema Home-Office per Gesetz

  • "Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Home-Office. Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Home-Office arbeiten können", sagt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD.

  • Das würde bedeuten: Man darf entweder komplett auf Home-Office umsteigen oder nur ein bis zwei Tage zu Hause bleiben.

  • Ersten Schätzungen zufolge sind wegen Corona etwa 25 Prozent aller Beschäftigten im Home-Office. Heil fordert, dass dies auch nach der Krise noch möglich ist.

  • Die Arbeitgeber sind davon nicht begeistert. Sie fürchten, dass die Produktivität sinkt und die Zusammenarbeit leidet.

Wie könnte so ein Gesetz aussehen? Holland macht's vor

Linda Voortman, Parlamentsabegordnete in den Niederlanden


Linda Voortman, Parlamentsabegordnete in den Niederlanden
© utrecht.nl

 

Dank einer Initiative der grünen Parlamentsabgeordneten Linda Voortman haben Angestellte in den Niederlanden ab 1. Juli das Recht auf einen Arbeitsplatz zu Hause.

Kern des Gesetzes: Arbeitnehmer müssen weiterhin einen Antrag bei ihrem Chef stellen, von zu Hause arbeiten zu dürfen. Wird dieser Antrag abgelehnt, liegt die Beweislast beim Arbeitgeber.

"Arbeitgeber müssen eine Absage begründen und dafür schwerwiegende Dienst- oder Betriebs-Interessen anführen", erklärt Voortman. Das Gesetz erlaubt dafür 3 Gründe: unlösbare Probleme in der Dienstplanung, Sicherheitsrisiken oder finanzielle Schäden. Liefert ein Arbeitgeber keinen glaubhaften Grund, kann der Arbeitnehmer rechtlich gegen ihn vorgehen.

Wie viele Menschen von dieser Neu-Regelung profitieren, ist noch unklar.

Das sind die Vorteile der Heimarbeit

  • 💯

    Produktivität: Viele Chefs befürchten, dass ihre Mitarbeiter im Home-Office weniger arbeiten. Laut einer Studie sind Heimarbeiter aber 13 % effizienter.

  • Mehr Freiheit & Flexibilität: Eine Stunde früher aufstehen, um den Tag besser zu nutzen, oder die Pause vorziehen. Alles kein Problem, solange man das mit dem Chef abspricht.

  • 💰

    Geld sparen: Ob das Mittagessen in der Kantine, Benzin fürs Auto oder das Monatsticket für den Nachverkehr: Wer zu Hause bleibt, spart sich das.

  • 🏚

    Zeit sparen: Wo wir gerade beim Weg zur Arbeit sind: Deutsche brauchen im Schnitt 44 Minuten zur Arbeit. Im Home-Office fällt dieser Weg gleich doppelt weg.

  • 👶

    Work-Life-Balance: Viele Eltern können auch während der Arbeitszeit auf ihre Kinder aufpassen - und manche so auch früher aus der Elternzeit zurückkehren.

Die Nachteile von Heimarbeit - und was wir dagegen tun können

Das Home-Office bietet nicht nur Vorteile. Heimarbeit birgt auch Gefahren, die sich negativ auf die Arbeit und das private Leben auswirken können. Damit das nicht passiert, sollte es klare Regeln geben.

1. Fehlende Soziale Kontakte

Wer nicht mehr auf der Arbeit ist, hat weniger Kontakt zu Kollegen. Das wirkt sich negativ auf den Informationsfluss aus und kann einsam machen. Experten fordern daher eine Regulierung der Heimarbeit auf ein bis zwei Tage pro Woche.

2. Keine Grenze zwischen Freizeit und Arbeit

Partner, Playstation, Privatsphäre - überall lauert Ablenkung. Wer im Home-Office arbeitet, braucht klare Regeln. Deshalb hilft es, sich an feste Bürozeiten zu halten. Auch wichtig: genaue Zeiterfassung und eine klare Absprache mit dem Chef. Außerdem sollte man seine Arbeit nicht ständig am Küchentisch erledigen. Wer kann, richtet sich ein kleines Büro ein - oder zumindest eine Arbeitsecke.

3. Keine Motivation

Im Home-Office neigt man dazu, Dinge aufzuschieben. Sieht ja keiner, dass das gerade schon die dritte Kaffeepause war. Da hilft nur eins: Kontrolle durch Kollegen. Klingt zwar nervig, kann aber beflügeln. Regelmäßiges Feedback pusht uns, Deadlines einzuhalten und kontrolliert weiterzuarbeiten.

Welche Rechte habe ich jetzt schon? Das sagt Rechtsanwalt Arndt Kempgens

  • 💬

    Es gibt in Deutschland noch keinen gesetzlichen Anspruch auf Home-Office. Aber eventuell steht der im Arbeitsvertrag, im geltenden Tarifvertrag oder in Betriebsvereinbarungen. Und wenn alle anderen im Betrieb Home-Office machen, dann darf ich das auch. Es sei denn, bei der speziellen Tätigkeit ist das gar nicht möglich.

  • 💬

    Ein Arbeitgeber hat außerdem eine Fürsorgepflicht und muss immer prüfen, ob er die Wünsche seiner Mitarbeiter erfüllen kann - eben auch, wenn jemand zu Hause arbeiten will.

  • 💬

    Ein Chef kann seine Mitarbeiter zwingen, im Home-Office zu arbeiten. Zum Beispiel wenn ein Betrieb geschlossen wird. Dann muss der Chef allerdings zu Hause auch für die Logistik sorgen, also für den richtigen Monitor, eine gute Beleuchtungssituation und so weiter.

  • 💬

    Wenn Home-Office nicht möglich ist, dann muss der Arbeitgeber trotzdem alles tun, um den Arbeitnehmer zu schützen. Für Arbeiten im Büro muss der Betrieb keine Schutzkleidung zur Verfügung stellen, aber die im Moment vorgeschriebenen Maßnahmen erfüllen.

  • 💬

    Jemand braucht für seine berufliche Tätigkeit eine Schutzkleidung. Wenn die aber gerade nicht verfügbar ist, kann er seine Leistung verweigern und aufhören zu arbeiten. Das Gehalt bekommt er trotzdem weitergezahlt.

  • 💬

    Auch wenn ein Betrieb geschlossen wird, erhalten die Arbeitnehmer weiter ihr Geld. Denn das Risiko der Betriebsstörung liegt ja beim Betrieb.

  • 💬

    Wer im Home-Office arbeitet, sollte seine Arbeitszeit genau dokumentieren. Wichtig ist, dass die vertragliche Arbeitszeit erbracht wird. Aber auch, dass ich nicht mehr arbeite, als gesetzlich erlaubt ist.

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Veröffentlicht: 28.04.2020 / Autor: Alexander Chouzanas

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