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Inlandsflüge verbieten: Was dafür und was dagegen spricht

Inlandsflüge in Deutschland waren schon vor Corona ein heiß diskutiertes Thema - und sind es jetzt erst recht. Sollten sie verboten werden, um unsere CO2-Emissionen zu begrenzen? Oder ist das der falsche Weg? Alle Argumente im Überblick.
Teaserbild: Inlandsflüge verbieten: Was dafür und was dagegen spricht

Das Wichtigste zum Thema Inlandsflüge

  • Flugzeuge gelten laut Umweltbundesamt als das klimaschädlichste Fortbewegungsmittel überhaupt. Ein Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück (2 mal 8.000 km) verursacht pro Person eine Klimawirkung von über 5 Tonnen CO2. Mit einem Mittelklassewagen kannst du dafür rund 25.000 km fahren.

  • Monatelang hoben wegen Corona kaum Flugzeuge ab - jetzt starten wieder mehr. Doch Aktivisten und Grüne fordern, Inlandsflüge komplett zu verbieten - um die Umwelt zu schützen.

  • Gegner des Verbots behaupten: Bringt nichts und kostet nur Jobs. Was spricht für - und was gegen Inlandsflüge? Wir haben alle Argumente für dich im Überblick!

Dafür oder Dagegen: Das ist das Voting-Ergebnis

Die Zuschauer haben in der Galileo-App abgestimmt!

Sollte man Inlandsflüge verbieten? 61 Prozent der Galileo-Zuschauer sind dagegen.


Sollte man Inlandsflüge verbieten? 61 Prozent der Galileo-Zuschauer sind dagegen.
© Galileo

Oben kannst du dir den ganzen Beitrag aus der TV-Sendung nochmal anschauen.

Inlandsflugverbot - das sagen die Gegner:

  • 👨‍✈️

    Ein Verbot vernichtet Jobs. Kleine Airports würden stillgelegt werden, wodurch Arbeitsplätze wegfallen, etwa bei Piloten, Bord- und Bodenpersonal, Ingenieuren und Fluglotsen. Aber auch in Bereichen, die indirekt mit der Flugwirtschaft zusammenhängen: Taxifahrer, Gastronomie, Shops, Zulieferer von Nahrungsmitteln oder Baubranche.

  • Flugzeuge werden immer effizienter. Die Flugzeug-Technologie entwickle sich fortschreitend in Richtung Energie-Einsparung, meint Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Die Investition der deutschen Fluggesellschaften in moderne Flotten habe die CO2-Emissionen von 1990 bis 2010 um rund 44 Prozent reduziert.

  • 💶

    Klimakompensation statt Flugverbot. Grün fliegen mit einer verpflichtenden CO2-Ausgleichszahlung - einige Flugunternehmen bieten diese Option an. Man zahlt dann einen festgelegten Betrag, um die CO2-Emissionen auszugleichen. Verschiedene Anbieter wie "myclimate" oder "Atmosfair" nutzen diese Mittel und forsten Wälder auf oder investieren in regenerative Energien.

  • 🛫

    Beim innerdeutschen Flugverbot springen ausländische Airports ein. Sogenannte Zubringerflüge sorgen dafür, schnell an die Drehkreuze wie München und Frankfurt zu kommen. Gerade in der Geschäftswelt ist dies die Regel. Der Weg von Stuttgart nach Hong-Kong geht dann beispielsweise nicht mehr über Frankfurt, sondern Paris.

  • 👨‍💼

    Viele Politiker, Manager und Fachkräfte sind auf schnelle Flugverbindungen angewiesen. Es gibt Termine, die erfordern eine persönliche Anwesenheit.

  • 🚄

    Als Ersatz müsste die Deutsche Bahn erst ihr Schienennetz ausbauen. Für Passagiere bedeutet das: Baustellen, Verspätungen und Ausfälle.

Inlandsflugverbot - das sagen die Befürworter:

  • 🛬

    Klimaschutz: Start und Landung der Maschinen verbrauchen knapp ein Viertel des Treibstoffs. Gerade bei Kurzstreckenflügen ist das eine enorme Menge im Verhältnis zur geflogenen Strecke.

  • 🤷‍♂️

    Es gibt keine Treibstoff-Alternativen zu Kerosin, meint Prof. Dr. Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin. Die letzten Technologie-Sprünge in der Flugbranche seien schon zwanzig Jahre her.

  • 💶

    Eine Klimakompensation durch die CO2-Ausgleichszahlung bringt nichts, weil die Flugmengen und damit die Emissionen weiterhin bleiben würden. Außerdem könnte die ""Flug-Scham" sinken und sogar mehr geflogen werden.

  • 👩‍💻

    Virtuelle Business-Termine haben sich längst als Alternative zur Geschäftsreise bewährt - gerade in Corona-Zeiten.

  • 🚅

    Die Bahn ist eine sichere Alternative - sofern Anschluss-Sicherheit und schnelle Verbindungen vorhanden sind.

Veröffentlicht: 01.09.2020 / Autor: Viviane Osswald