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Luftaufnahme der katarischen Hauptstadt Doha

Katar: Wie das Emirat mit Öl-Milliarden seine Zukunft plant

In Katar findet 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Nicht zur Freude aller. Denn seit Jahren gibt es Kritik an dem Land- unter anderem wegen Menschenrechts-Verletzungen. Wie es wirklich um das Emirat bestellt ist und woher sein ganzes Geld kommt. Wir haben die Antworten. Im Clip: Birgt die WM neue Chancen für Katar?
Katar: Wie das Emirat mit Öl-Milliarden seine Zukunft plant
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Das ist Katar - und darum rückt es immer mehr in den Fokus

  • Der Staat Katar liegt im überwiegend von Wüsten dominierten Osten der arabischen Halbinsel und ist 11.600 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Das Bundesland Schleswig-Holstein verfügt über 15.800 Quadratkilometer.

  • Dank des ertragreiches Öl- und Gas-Exports verfügt Katar über sehr viel Geld. Im Staatsfonds "Qatar Investment Authority" liegen mehrere Hundert Milliarden US-Dollar.

  • Die Stärke der Wirtschaft zeigt sich auch, wenn das Bruttoinlandsprodukt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gemessen wird. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt Katar weltweit auf Rang 9. Deutschland belegt hier nur Platz 17.

  • Etwa 2,7 Millionen Menschen leben in Katar - aber nur ungefähr 300.000 davon sind Kataris. Den Rest machen vor allem Arbeitsmigrant:innen aus Asien aus. Der Wohlstand ist dabei ungleich verteilt: Die Gastarbeiter:innen verdienen oft nur wenig.

  • Der Staatsfonds investiert weltweit. Über die Qatar Holding hält das Land Beteiligungen unter anderem an der Deutschen Bank, Volkswagen, Siemens und der Londoner Börse.

  • Bis 2030 will Katar sich wirtschaftlich, politisch und kulturell weiterentwickeln. Ziel der "Qatar Vision 2030" ist es, den gesamten Staat um die Hauptstadt Doha zu erneuern und sich letztlich unabhängig von Öl- und Gaseinnahmen zu machen.

So ist Katar politisch aufgebaut

Katar wird als Emirat von einem Emir regiert, seit 2013 ist das Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Zwar verweist die Verfassung auf ein demokratisches System - der Emir ist allerdings der entscheidende Machthaber. Es gibt weder ein Parlament noch Parteien, selbst Kritik am Emir ist nicht erlaubt. Der Islam ist die Staatsreligion Katars, das katarische Recht geht auf die Scharia zurück.

Katars Emir, Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, beim Deutschland-Besuch im Mai 2022 mit Bundeskanzler Olaf Scholz (rechts).

Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, der Emir von Katar, versucht gute Beziehungen zum Westen aufzubauen - wie hier zu Bundeskanzler Olaf Scholz (rechts).

Warum Katar in der Kritik steht

  • Internationale Kritik gibt es vor allem an den Arbeitsbedingungen auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Hier arbeiten Menschen unter anderem aus Indien und Pakistan.

  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prangert vor allem Menschenrechtsverletzungen an. Pässe der Arbeiter:innen seien eingezogen worden, ihr Lohn liege unterhalb des Mindestlohns, teilweise werden Löhne gar nicht gezahlt.

  • Expert:innen zufolge sollen seit der Vergabe der Weltmeisterschaft im Jahr 2010 mehrere Tausend Arbeitsmigrant:innen ums Leben gekommen sein, vor allem auf Baustellen.

  • Auch bei den Frauenrechten steht Katar in der Kritik. So dürfen Frauen zahlreiche Aktivitäten nur mit der Erlaubnis eines Vormundes durchführen. Sex außerhalb der Ehe wird bestraft, auch bei einer Vergewaltigung. In Nachbarländern wie Iran oder Saudi-Arabien sind die Rechte von Frauen noch stärker eingeschränkt.

  • Ebenfalls im Fokus: LGBTQ+-Rechte. Homosexualität wird in Katar mit Gefängnis oder Auspeitschen bestraft, theoretisch ist sogar die Todesstrafe möglich. Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft sollten sich LGBTQ+-Touristen beim Zeigen von Zuneigung in der Öffentlichkeit zurückhalten, so der Geschäftsführer des WM-Organisations-Komitees, Nasser Al-Khater.

  • Katar wird unter anderem von seinen Nachbarländern immer wieder seine finanzielle Unterstützung der radikal-islamischen Muslimbrüderschaft vorgeworfen. Außerdem werden die Beziehungen Katars zum Iran kritisch gesehen.

Diese Verbindungen hat Katar mit viel Geld bereits zu Europa geknüpft

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    Über den Staatsfonds "Qatar Investment Authority" hat sich Katar bei zahlreichen großen Unternehmen eingekauft: unter anderem Credite Suisse, die Londoner Börse, Deutsche Bank, Siemens, Hapag-Lloyd und Volkswagen.

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    Die staatliche Fluggesellschaft Qatar Airways tritt als Sponsor bei zahlreichen Sportvereinen in Europa auf, unter anderem auch beim FC Bayern. Vor allem aus Fan-Kreisen werden die Münchner Verantwortlichen dafür stark kritisiert.

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    Das große Prestige-Projekt im Fußball gerade im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2022 ist für Katar Paris St. Germain. In den französischen Fußballverein haben die katarischen Investoren schon Milliarden Euro gesteckt: Unter anderem in die Superstars Neymar und Kylian Mbappé.

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    Im Herbst 2021 fand auch erstmals ein Formel-1-Rennen in Katar statt. Zwischen 50 und 70 Millionen Euro pro Rennen sollen Experten-Schätzungen zufolge als Antrittsgebühr in Richtung Formel 1 fließen.

So funktioniert Sportswashing

Politische Verantwortliche versuchten schon in der Antike, der Bevölkerung mit Sportveranstaltungen ein positives Bild zu vermitteln. Heutzutage spielt beim Sportswashing eines eine entscheidende Rolle: Geld. Egal ob die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Olympia 2022 in China oder die bevorstehende Fußball-WM 2022 in Katar: Immer versuchen Machthaber mit hohem finanziellem Aufwand, vor allem im Ausland ein möglichst positives Bild des eigenen Landes zu zeichnen - und dabei Problemfelder zu vertuschen.

Ähnlich dem Sportswashing ist auch das Greenwashing, mit dem Unternehmen versuchen, sich mit symbolträchtigen Aktionen ein umweltbewusstes Image zu verpassen.

Darum war Katar mit seinen Nachbarn zerstritten

  • 2017 hatten Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten versucht, Katar mit einer Blockade weitgehend von der Außenwelt abzuschließen.

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    Die Nachbarländer warfen Katar vor, dem Iran zu nahe zu stehen und die radikal-islamische Muslimbruderschaft finanziell zu unterstützen.

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    Katar musste während der Blockade teilweise mit Lebensmitteln aus dem Iran und der Türkei versorgt werden.

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    Im Zuge des Streits hatte der saudi-arabische Piratensender BeoutQ die Inhalte des katarischen TV-Sportsenders beIN Sports illegal übernommen und ausgestrahlt.

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    Die Golfstaaten unterzeichneten 2021 ein Abkommen, um die Blockade zu beenden und die Beziehungen wieder zu verbessern.

Veröffentlicht: 08.07.2022 / Autor: Johannes Huyer