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Keinen Bock auf Kartenzahlung? Darum regiert in Deutschland das Bargeld

Bei uns wird immer noch lieber mit Bargeld bezahlt als mit Karte. Welche Vorteile bringt Kartenzahlung mit sich? Das und wie weit bargeldloses Bezahlen in anderen Ländern schon ist, erklären wir hier.

Das Wichtigste zum Thema Kartenzahlungen

  • Mehr als die Hälfte der Verbraucher kann sich laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom nicht vorstellen, auf Bargeld zu verzichten, 44 Prozent schon.

  • 2018 wurde in Deutschland erstmals mehr mit Karte bezahlt als in bar. Trotzdem ist in anderen europäischen Ländern die Kartenzahlung weit verbreiteter.

  • 2018 hat jeder Deutsche im Schnitt 63,9 Mal per Karte gezahlt. Zum Vergleich: In Dänemark hat jeder Einwohner im gleichen Zeitraum durchschnittlich 364,1 Mal die Karte gezückt - also fast einmal am Tag.

  • Vor allem bei kleineren Beträgen wird in Deutschland noch sehr häufig in bar gezahlt, erst bei größeren Summen nutzen die Verbraucher die Kartenzahlung.

  • Anders als in Ländern wie Norwegen bieten die Banken in Deutschland keine gemeinsame App zum Geldtransfer an. Verschiedene Apps stehen in Konkurrenz zueinander - zum Nachteil der Kunden.

Was für Kartenzahlung spricht

  • Kartenzahlung spart Zeit - zumindest wenn man das immer beliebter werdende kontaktlose Bezahlen betrachtet. Das geht schneller als Kleinbeträge passend im Geldbeutel zusammenzusuchen; laut einer Studie braucht das 15 Sekunden, die Barzahlung im Schnitt 22 Sekunden.

  • 🏧

    Bargeld muss man bei einer Bank holen, das Geld auf der Karte nicht. Gerade wenn der Einkauf größer ausgefallen ist, ist Kartenzahlung praktisch. Bei höheren Beträgen dauert es aber auch länger: Mit PIN-Eingabe 29 Sekunden, mit Unterschrift sogar 38 Sekunden.

  • 🏦

    Bargeldzahlung verursacht für Geschäftsinhaber Kosten: Die Münzen und Scheine müssen gezählt und zur Bank gebracht werden. Zahlungen bis 50 Euro sind mit Schein und Münzen der Studie zufolge aber dennoch günstiger, erst danach spart die Kartenzahlung Geld.

  • 💳

    Aber: Desto häufiger mit Karte gezahlt wird, desto günstiger werden die Gebühren.

  • 🚨

    Geldwäsche, Schwarzmarkt und Korruption: all das verbinden viele Menschen mit Bargeld. Selbst kleine Betrügereien wie Manipulation der Tageseinnahmen bei Kiosken, Restaurants oder Taxen sind mit Kartenzahlung schwerer möglich - schließlich wird jeder Umsatz digital erfasst.

Was gegen Kartenzahlung spricht

  • 💸

    Wer mit Karte bezahlt, offenbart wo und was er gekauft hat. Viele Menschen schätzen daher Bargeld als anonymes Zahlungsmittel.

  • 🏬

    Die Händler müssen einen Teil des per Karte bezahlten Betrags an den Netzbetreiber abgeben: bei EC-Karten beträgt der Umsatzanteil maximal 0,2 Prozent, bei Kreditkarten hingegen kann er auf ein Prozent und mehr steigen.

  • 📱

    Es gibt viele unterschiedliche Karten-Terminals - für Einzelhändler ist es schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Zudem muss das Personal für das jeweilige Kassensystem geschult werden. Gerade durch die verschiedenen Bezahlmöglichkeiten wie kontaktlosem Bezahlen, Google Pay oder Apple Pay wird das schnell komplex.

  • 🛒

    An der Supermarktkasse stehen, den Einkaufswagen voller Artikel und dann funktioniert das Terminal nicht - was ist, wenn die Technik nicht mitspielt? Das schreckt sowohl Händler als auch Verbraucher ab.

  • 👨‍🍳

    Wer im Restaurant mit Karte zahlt, stößt immer auf eine Frage: Trinkgeld per Karte oder bar? Wenn das Trinkgeld per Karte bezahlt wird, fallen auch hierauf Gebühren an. Zudem gibt es Gastronomen, die den Trinkgeld-Anteil nicht nachträglich an das Personal verteilen wollen.

So verbreitet ist Kartenzahlung in anderen Ländern

  • 🇳🇴

    In Skandinavien können Gottesdienstbesucher in Kirchen bargeldlos Geld spenden, selbst Straßenkünstler sind auf Kartenzahlung vorbereitet. Wer Arbeitskollegen oder Freunden Geld geben will, zückt in Norwegen das Handy - und überweist per Swish-App. Der Clou: Das Bankkonto ist mit der Handynummer verknüpft, niemand muss den Kollegen um dessen Kontonummer bitten.

  • 🇨🇳

    In China ist die Zahlung mit dem Smartphone weit verbreitet. Selbst Bettler haben auf der Papptafel oft einen QR-Code. Wer spenden will, scannt den Code und gibt den gewünschten Betrag ein. Alipay und WeChat bieten in China an, per Gesichtserkennung zu bezahlen. Das geht so weit, dass U-Bahn-Tickets über das gescannte Gesicht und das damit verknüpfte Kundenkonto abgerechnet werden.

  • 🇺🇸

    In den USA und Großbritannien wächst die Zahl der Amazon-Go-Supermärkte. Wer ein Amazon-Konto besitzt, scannt die gewünschten Waren selbst - abgerechnet wird automatisch beim Verlassen des Supermarkts. Auch bei uns gibt es immer mehr Supermarkt-Konzepte, bei denen das Schlangestehen an der Kasse Vergangenheit ist.

Veröffentlicht: 10.02.2020 / Autor: Johannes Huyer