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Warum können wir uns nicht selbst kitzeln?

Wenn uns jemand über die Fußsohlen streicht oder unter den Achseln berührt, krümmen wir uns oft vor Lachen. Warum sind wir kitzelig und warum funktioniert das nicht bei uns selbst? Wir sind dem Rätsel nachgegangen.

Das Wichtigste zum Thema Kitzeln

  • Wir kreischen und kichern, gleichzeitig winden und wehren wir uns: Kitzeln kann Spaß machen, aber auch zur Qual werden. Denn es zwingt uns zum Lachen, ob wir wollen oder nicht.

  • Noch ist unklar, warum wir kitzlig sind. Viele Forscher vermuten, dass der Reflex eine Schutzfunktion hat. Nähert sich jemand sensiblen Körperbereichen, verteidigen wir uns - und lachen, wenn wir merken, dass der Angriff harmlos ist.

  • Andere Wissenschaftler glauben, dass Kitzeln sozialen Bindungen dient. Das Lachen sei ein Ausdruck der Zuneigung. In Hirn-Scans zeigte sich allerdings auch, dass beim Kitzeln andere Bereiche im Gehirn aktiv sind als in Momenten, in denen wir uns freuen.

  • Psychologen unterscheiden 2 Arten von Kitzeln: leichtes Kitzeln ("Knismesis"), ausgelöst durch feine Berührungen wie zum Beispiel Insekten auf der Haut. Und stärkeres Kitzeln ("Gargalesis"), das durch wiederkehrenden Druck entsteht.

  • Ein Zuviel an "Gargalesis" kann sehr unangenehm und schmerzhaft sein. Noch im Mittelalter kam Kitzeln deshalb als Foltermethode zum Einsatz.

Darum kannst du dich nicht selbst kitzeln

Schon Aristoteles und Charles Darwin grübelten, warum wir uns nicht selbst kitzeln können.

Heute glauben Forscher, dass unser Körper unterschiedlich auf Reize reagiert, die von anderen Menschen ausgehen. So zeigen Hirn-Scans, die Wissenschaftler an der Universität Linköping in Schweden durchgeführt haben: Bestimmte Bereiche im Gehirn sind nur aktiv, wenn uns andere berühren. Das trifft vermutlich auch auf das Kitzeln zu.

Zudem ahnt unser Körper, dass von Selbst-Berührungen keine Gefahr ausgeht. Wenn wir versuchen, uns selbst zu kitzeln, ist unser Gehirn auf den "Angriff" vorbereitet und sieht keinen Handlungsbedarf

Forscher von der Humboldt-Universität Berlin vermuten sogar, dass der Mechanismus noch einfacher ist und bestimmte Reaktionsmuster im Gehirn bei Selbst-Berührung einfach abgeschaltet sind.

Einige Menschen mit Schizophrenie können sich allerdings selbst kitzeln.

Wieso sind manche Menschen kitzliger als andere?

  • 👪

    Wahrscheinlich spielt Vererbung eine Rolle: Sehr kitzlige Eltern haben auch ziemlich kitzlige Kinder.

  • 🧒

    Kinder sind allgemein noch kitzliger als Menschen im fortgeschrittenen Alter.

  • 🎉

    Überraschung: Je weniger du auf die Attacke vorbereitet bist, desto kitzliger bist du.

  • 😀

    Du musst gute Laune haben. Viele Menschen sind weniger kitzlig, wenn sie traurig oder wütend sind.

  • 😨

    Versuche zeigten: Angst macht Ratten weniger kitzlig. Das könnte auch auf Menschen zutreffen.

  • 👩‍❤️‍💋‍👩

    Bei vertrauten Menschen reagieren wir stärker, als wenn uns Fremde kitzeln.

  • 🦶

    Warum allerdings manche Körperstellen kitzliger sind als andere, ist noch unklar.

Kichernde Pinguine: Ja, auch Tiere sind kitzlig

Sehr niedlich reagiert dieser Pinguin, der gekitzelt wird …

… und auch dieser Bonobo genießt das Kitzeln offensichtlich

Werden beim Nervenkitzel eigentlich Nerven gekitzelt?

In gefährlichen Situationen wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Er schüttet Stress-Hormone aus - und Glückshormone, wenn alles gut gegangen ist.

Ähnlich wie beim Kitzeln genießen manche Menschen dieses Wechselbad der Gefühle. Deshalb sprechen wir auch vom Nervenkitzel. Ansonsten handelt es sich allerdings um 2 unterschiedliche Vorgänge im Körper.

Veröffentlicht: 07.08.2020 / Autor: Chris Tomas

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