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Mikroplastik ist überall! Im Wasser, in der Luft - und in unserem Essen

Wir essen sie, wir trinken sie, wir atmen sie ein: Die winzigen Partikel lauern überall. Forscher haben herausgefunden, dass mehr Mikroplastik als Plankton in den Weltmeeren schwimmt. Woher es kommt erfährst du im Clip.
Teaserbild: Mikroplastik ist überall! Im Wasser, in der Luft - und in unserem Essen

Das Wichtigste zum Thema Mikroplastik

  • Als Mikroplastik werden Plastikpartikel bezeichnet, die kleiner als 5 Millimeter sind. Sie sind unlöslich, synthetisch hergestellt und nicht biologisch abbaubar.

  • Das Fraunhofer Institut fand heraus: Hierzulande gelangen jährlich rund 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Weltweit sind es gar 12 Millionen Tonnen.

  • Der Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik führt etwa 80.000 Tonnen Plastikmüll mit sich und umfasst inzwischen die 4-fache Fläche Deutschlands. Salzwasser, Sonne und Organismen zerreiben nach und nach das, was der Mensch wegwirft.

  • Vom Winde verweht: Kunststoffteilchen, die Forscher in abgelegenen Regionen der Pyrenäen gefunden haben, flogen offenbar bis zu 100 Kilometer weit.

Was gilt als Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden Plastikpartikel bezeichnet, die 5 Millimeter und kleiner sind. Circa 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik geraten laut Schätzungen der Weltnaturschutzunion jedes Jahr in die Meere.

Mikroplastik 1 Cent-Stück


So winzig ist Mikroplastik
© picture alliance/chromorange

Vermüllte Ozeane mit weniger Plankton

Britische Forscher haben herausgefunden, dass es viel mehr Mikroplastik in den Ozeanen geben könnte, als bisher angenommen. Um das herauszufinden, fischten sie mit Spezialnetzen vor den Küsten Großbritanniens und der USA.

Das Wissenschaftler-Team benutzte dabei Netze mit Filtern von 100 Mikrometer Größe. Dadurch gingen ihnen weitaus mehr Partikel ins Netz als bei früheren Versuchen.

"Die Mikroplastikverschmutzung in den Weltmeeren ist bisher deutlich unterschätzt worden", erklärte die Forscherin Pennie Lindeque gegenüber dem britischen "Guardian". "Wenn wir die Filternetze noch dichter machen, könnten wir sicher auf noch mehr Partikel stoßen."

Die Studie sei ein weiterer Beweis dafür, dass Mikroplastik-Partikel schon jetzt Teil der Nahrungskette von Fischen oder Vögeln und somit auch des Menschen seien, sagte die Forscherin.

Großmaul-Makrelen


Ein Schwarm Großmaul-Makrelen. Diese Fischart frisst vor allem Plankton.
© picture alliance/imageBROKER

 

Ein weiteres Problem: Die winzigen Mikroplastik-Teilchen seien ähnlich groß wie Plankton - und das ist das Hauptnahrungsmittel von vielen Fischen. Die Ergebnisse der Forscher: An manchen Orten der Meere schwimmt sogar mehr Mikroplastik als Plankton.

Plastik im Meer - Weißt du woher der Müll kommt? Finde es in unserem Quiz heraus!

Seit 1950 wurden weltweit rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Das entspricht einem Gewicht von ...

  • 🐘

    1,4 Milliarden afrikanischen Elefantenbullen

  • 🗼

    830.000 Eiffeltürmen

  • 🛫

    30.000 Airbussen A380

Wo kommt Mikroplastik eigentlich her?

  • 🚗

    Ups, was verloren ... Rund ein Drittel der Mikroplastik-Menge stammt von Autoreifen. Sie lassen durch den Abrieb auf der Straße Gummi.

  • 👟

    (K)ein ökologischer Fußabdruck: Jeder von uns tritt im Jahr etwa 100 Gramm Mikroplastik über seine Schuhsohlen an die Umwelt ab.

  • 💄

    Die sind hautnah! Auch in Lippenstiften verstecken sich Plastikpartikel. Im Peeling wirken sie als Schleifmittel, im Shampoo sorgen sie für leicht kämmbares Haar.

  • 👕

    Von der Waschmaschine in die Weltmeere: Ein Großteil der Kleidung besteht aus Synthetik - bei jedem Waschgang lösen sich Fasern, die dann ins Abwasser geraten.

  • Kleine Körnchen, massives Problem: Sportplätze sondern reichlich Mikroplastik ab, vor allem Fußballplätze mit Kunstrasen und Gummi-Granulat.

Die Plastikteilchen sind auch in uns: Ist das gefährlich?

Mikroplastik Weeltmeere

© Getty Images

 

In den Ozeanen, in Flüssen, im Boden, in der Luft, in Lebensmitteln - Mikroplastik ist überall. Auch in uns. Täglich essen, trinken und atmen wir die winzigen Teilchen (ein).

Laut einer Studie des WWF sind es im globalen Durchschnitt pro Woche bis zu 5 Gramm Mikroplastik - so viel wiegt eine Bankkarte.

Kanadische Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass jeder Mensch - je nach Alter und Geschlecht - zwischen 74.000 und 121.000 Plastikpartikel im Jahr aufnimmt. Bei denjenigen, die Wasser ausschließlich aus Kunststoffflaschen trinken, kommen nochmal 90.000 Partikel dazu.

Auch Fische und Meeresfrüchte sind reichlich belastet.

Wie Mikroplastik im menschlichen Körper wirkt, wo es sich ansammelt und welchen Effekt es auf die Gesundheit hat, muss noch geklärt werden. Experten  befürchten jedoch, dass es ins Gewebe eindringen könnte. Dann müsste man mit Immunreaktionen rechnen und damit, dass giftige Substanzen freigesetzt werden.

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Laut WWF landen jede Woche 5 Gramm Mikroplastik in unserem Körper - also so viel, wie eine Kreditkarte wiegt. Doch wie schädlich ist das für uns und was können wir dagegen tun?

6 Tipps, wie man Plastik im Alltag vermeiden kann

1️⃣ Jute ist jut. Und auch Bienenwachstücher, Holzdosen oder Zahnbürsten aus Bambus machen den Haushalt umweltfreundlich.

2️⃣ Kommt nicht in die Tüte! Beim Einkaufen immer eigene Taschen dabei haben.

3️⃣ In vielen Städten gibt es Unverpackt-Läden. Behälter zum Abfüllen nicht vergessen - sonst muss man sie vor Ort kaufen.

4️⃣ Weg mit den Einweg-, her mit den Mehrwegflaschen. Noch besser fürs grüne Gewissen: Leitungswasser trinken.

5️⃣ Ob ein Kaffee to go oder ein Mittagsgericht zum Mitnehmen: Mit Becher, Besteck & Co. in der Tasche ist man nachhaltig gerüstet.

6️⃣ Saubere Sache! Körper und Haare mit einem Stück Seife waschen, dann landet nichts im Müll.

Veröffentlicht: 24.09.2020 / Autor: Galileo