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Minuszinsen: Muss ich fürs Sparen jetzt sogar Geld zahlen?

Negative Zinsen lassen dein Geld schrumpfen. Warum es sie gibt, wann Banken sie erheben dürfen - und was du dagegen tun kannst.
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Das Wichtigste zum Thema Minuszinsen

  • Immer mehr Banken in Deutschland verlangen Minuszinsen. Heißt: Wenn du dein Geld bei einer dieser Banken angelegt hast, bekommst du keine Zinsen, sondern muss welche bezahlen.

  • Betroffen sind vor allem Giro-, Tagesgeld und Festgeldkonten sowie Sparbücher. Die meisten Banken verlangen Minuszinsen aber erst, wenn sich über 100.000 Euro auf einem Konto befinden.

  • Wenige Banken erheben sie auch schon ab dem ersten Euro. Betroffen sind hier zunächst nur Neukunden.

Wie war das nochmal mit den Zinsen?

  • 🏦

    Wenn die Wirtschaft nicht so läuft, kann die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen. Das geht, indem sie günstig Geld an die Geschäftsbanken verleiht - also den Leitzins senkt.

  • 🏦

    Bei Geschäftsbanken haben Unternehmen und Privatpersonen ihre Konten. Zahlen diese Banken weniger Zinsen, zahlen sowohl Unternehmen als auch du weniger.

  • 🏦

    Heißt: Kreditnehmer profitieren. Sparer bekommen aber ebenfalls weniger Zinsen, Die Idee dahinter: Wenn sich Sparen nicht so lohnt, wird mehr Geld ausgegeben, die Wirtschaft damit angekurbelt.

  • 🏦

    Wegen der schlechten Wirtschaftslage in der Euro-Zone hat die EZB den Leitzins 2016 auf 0 Prozent gesenkt - es gibt seitdem also überhaupt keine Zinsen mehr für Geschäftsbanken.

  • 🏦

    Der Einlagenzinssatz ist sogar negativ. Der besagt, zu welchen Konditionen Banken Geld, das sie gerade nicht brauchen, bei der EZB anlegen können.

  • 🏦

    Heißt: Banken müssen Geld bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Diese Gebühren geben einige mittlerweile an ihre Kunden weiter: Wenn diese zu viel Geld auf ihren Konten liegen haben, müssen sie mit Minuszinsen leben.

Was kannst du gegen Minuszinsen tun?

  • Die gute Nachricht: Keine Bank kann von dir einfach so Minuszinsen verlangen. Vorher muss eine individuelle Vereinbarung abgeschlossen werden.

  • Eine solche Vereinbarung musst du nicht akzeptieren. Ein Ausweg könnte ein Bankwechsel sein.

  • Zudem ist es Banken nicht erlaubt, negative Zinsen zu erheben, wenn du bereits Kontoführungsgebühren bezahlt.

  • Manche Banken erhöhen aber auch einfach die Kontoführungsgebühren, um so ihre Kosten für die Strafzinsen bei der EZB auszugleichen.

Welche Anlagen bieten sich als Alternative an?

  • 📈

    Die bekannteste Alternative zu Tages- und Festgeldkonto sowie Sparbuch sind Aktien. Sie können aber starken Wert-Schwankungen ausgesetzt sein. Als weniger risikoreich gelten Fonds, weil diese verschiedene Aktien oder Anlageformen umfassen.

  • 🏢

    Wer über ausreichend Kapital verfügt, kann es auch in Immobilien anlegen. Auch mit geringen Einstiegssummen können Anleger mit Immobilienfonds davon profitieren.

  • 💰

    Eine sichere Rendite bieten Sparpläne oder Sparbriefe. Bereits geringe Geldbeträge lassen sich hier anlegen, es gibt jedoch Unterschiede bei Laufzeiten und Zinshöhen.

Wieso Minuszinsen auch Vorteile bringen können

Die staatliche Förderbank KfW könnte im Laufe des nächsten Jahres erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Heißt: Wer - beispielsweise für einen Hausbau - einen KfW-Kredit annimmt, muss dafür keine Zinsen zahlen, sondern bekommt Zinsen. Er zahlt also weniger ab als die Kreditsumme beträgt.

Experten rechnen mit negativen Kreditzinsen ab Sommer 2020 - vorher müssen noch die Computersysteme für negative Zinsen umgestellt werden.

Veröffentlicht: 12.12.2019 / Autor: Johannes Huyer