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Mohammed bin Salman: Der mächtigste Herrscher im Nahen Osten

Er ist jung, charismatisch, ehrgeizig, aber auch umstritten – und hat so viel Macht wie kaum ein anderer Mensch in seinem Alter. Wer ist Mohammed bin Salman?

Wer ist Mohammed bin Salman - und warum ist er so bedeutend?

  • Mohammed bin Salman gilt als charismatischer und ehrgeiziger Reformer im Nahen Osten. Der 34-Jährige ist Verteidigungsminister, stellvertretende Premierminister - und als junger Kronprinz der zukünftige König Saudi-Arabiens.

  • MBS - wie er oft genannt wird - gilt als Lieblingssohn von König Salman. Als der 2015 im Alter von 79 Jahren König wurde, gab er dem damals erst 29-jährigen MBS den Posten des Verteidigungsministers.

  • Saudi-Arabien ist durch Ölexporte zu einem der reichsten Länder der Welt geworden. Gleichzeitig pflegt es enge Beziehungen vor allem zu den USA und gilt damit als wichtiger Partner des Westens im Nahen Osten.

Jung und mächtig: Das ist Mohammed bin Salman, Verteidigungsminister und stellvertretender Premierminister in Saudi-Arabien.

Seine Ziele

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    Nach seiner Ernennung zum Kronprinzen im Jahr 2017 versuchte Mohammed bin Salman, vor allem die junge saudische Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen. 2018 erlaubte er die Eröffnung von Kinos und die Auftritte von Künstlerinnen. Außerdem bekamen Frauen Zutritt zu Sportstätten wie Fußballstadien.

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    Seit Juni 2018 ist es Frauen in Saudi-Arabien erlaubt, Auto zu fahren - eine Entscheidung von Mohammed bin Salman, die vor allem international für viel Aufsehen sorgte. Nur wenige Wochen zuvor waren allerdings zahlreiche Frauenrechtlerinnen verhaftet worden. Eine der bekanntesten, Loujain al-Hathloul, sitzt immer noch in Untersuchungshaft.

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    Mohammed bin Salman will sein Land zu einem moderaten Islam zurückführen, wie er selbst betont. So hat er die Religionspolizei entmachtet und auch gegen religiöse Hardliner Reformen durchgesetzt.

Seine Skandale

  • Bereits kurz nach seiner Ernennung mischte sich Mohammed bin Salman in den Krieg im Jemen ein. Sein Ziel: Den Einfluss des Erzfeindes Iran im Nachbarland zurückzudrängen. Die vorläufige Bilanz 5 Jahre später: laut UN-Angaben 230.000 Tote und eine der weltweit größten humanitären Katastrophen.

  • Unter dem Vorwand, die Korruption in Saudi-Arabien zu bekämpfen, setzte MBS im November 2017 im Nobelhotel Ritz-Charlton in Riad zahlreiche Mitglieder der Königsfamilie und Prinzen fest. Kritiker vermuten, Mohammed bin Salman wollte so seine Macht sichern. Anfang März 2020 wurden weitere Mitglieder der Königsfamilie verhaftet.

  • Für großes internationales Aufsehen sorgte der Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Der regierungskritische Kolumnist der Washington Post war im saudischen Konsulat in der Türkei ermordet worden. Mohammed bin Salman übernahm zwar die Verantwortung, allerdings habe er den Mord nicht in Auftrag gegeben.

  • Bin Salmans Leute sollen laut UN-Ermittlern das Smartphone von Amazon-Gründer Jeff Bezos gehackt haben. Die heruntergeladenen privaten Daten seien später der US-Boulevardzeitung "National Enquirer" zugespielt worden. Bezos ist Besitzer der Washington Post, für die Jamal Khashoggi gearbeitet hat.

So groß ist der Einfluss von MBS auf Europa und die USA

Saudi-Arabien ist einer der größten Erdölproduzenten - und hat damit maßgeblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. So kündigte das Land Anfang März an, seine Ölproduktion zu steigern. Daraufhin sank der Ölpreis deutlich. Teurere Fördermethoden wie vor allem das in den USA betriebene Fracking wurden unrentabel.

Vor allem aber brachen anderen Erdöl-Förderländern wie Russland, Iran oder Irak wichtige Einnahmen weg - und die Gefahr der politischen Destabilisierung dieser Länder steigt.

Erdölförderung

© Galileo

 

MBS ist Vorsitzender des Public Investment Fund (PIF), einem etwa 320 Milliarden US-Dollar reichen saudischen Staatsfond. Der PIF hält unter anderem Beteiligungen an Uber, Slack, WeWork und war zeitweise auch an Tesla besteiligt.

Auch in Zukunft will der Fonds in Technologie-Unternehmen investieren. Ziel ist es, PIF zum größten Staatsfonds der Welt aufzubauen - mit 2 Billionen US-Dollar Vermögen.

Wie MBS Saudi-Arabien verändern will

  • Mohammed bin Salman will Saudi-Arabien langfristig unabhängig vom Öl machen, dafür hat er das Projekt "Vision 2030" gestartet.

  • Neben dem Abbau der Abhängigkeit vom Erdöl soll Saudi-Arabien auch gesellschaftlich verändert werden - erste Schritte waren die Aufhebung des Fahrverbots und die Öffnung bestimmter Berufe für Frauen. Auch wurden neue Freizeiteinrichtungen genehmigt.

  • Als wichtigem Bestandteil der "Vision 2030" plant Saudi-Arabien den Bau von Neom, einer Stadt am Roten Meer. Für 500 Milliarden US-Dollar soll im Nordwesten des Landes eine digitale Industriezone entstehen, in der alle Dienstleistungen automatisiert ablaufen. Ziel ist "der lebenswerteste Ort der Welt".

  • Um Geldgeber aus aller Welt anzulocken, wird seit 2017 jährlich die "Future Investment Initiative" abgehalten. Die Investoren-Konferenz ist nach dem Vorbild des Weltwirtschafts-Forums in Davos aufgebaut und wird deshalb auch "Davos in the Desert" genannt.

So reich ist MBS und die saudische Königsfamilie

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    Mohammed bin Salman stammt aus der saudischen Königsfamilie, die durch das Öl reich wurde. Schätzungen zufolge liegt das Vermögen des Königshauses bei etwa 1,2 Billionen Euro.

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    MBS soll über einen Mittelsmann 2017 das Gemälde "Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci gekauft haben - für 338 Millionen Euro. Wo das teuerste Bild der Welt jetzt hängt, ist unklar. Medienberichten zufolge war es ein Geschenk für Mohammed bin Zayed, Kronprinz von Abu Dhabi und enger Partner von MBS. Anderen Berichten zufolge befindet sich "Salvator Mundi" auf der Luxus-Yacht "Serene".

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    Die 134 Meter lange "Serene" verfügt unter anderem über einen Hubschrauber-Hangar, 2 Landeplätze und ein U-Boot. 450 Millionen Euro soll MBS für die Mega-Yacht bezahlt haben.

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    Gerüchten zufolge hat sich der mit seiner Cousine Sara bint Mashoor verheiratete Kronprinz 2015 ein Schloss westlich von Paris gekauft - für 260 Millionen Euro. Die Fakten zum Château Louis XIV: 5.000 Quadratmeter Wohnfläche, Springbrunnen mit Blattgold-Überzug, Deckengemälde und Unterwasser-Lounge unterhalb des Schlossgrabens.

Veröffentlicht: 10.08.2020 / Autor: Johannes Huyer

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