Galileo WM CopyCreated with Sketch.
Aufkleber auf einer Bio-Tonne in München

"Ökologisch abbaubar"? Wie nachhaltig Öko-Müllbeutel wirklich sind

Öko steht drauf, Kunststoff steckt drin. "Kompostierbare" Müllbeutel sind nicht so nachhaltig, wie ihr Name verspricht. Wir zeigen Alternativen und was eigentlich hinter Bio-Plastiktüten steckt.
12

Das Wichtigste zum Thema Müllbeutel

  • Im [Supermarkt] (https://www.galileo.tv/life/kiste-lecker-die-neuen-plastikfreien-verpackungen-kannst-du-essen/) oder Drogeriemarkt gibt es neben normalen Plastik- und Papierbeuteln für unseren Abfall auch Müllbeutel aus Bio-Kunststoffen zu kaufen.

  • Sie sehen aus wie gewöhnliche Plastikbeutel, aber wirken dank Aufdrucken wie "biologisch abbaubar", "kompostierbar" oder "Öko-Müllbeutel" besonders umweltfreundlich.

  • Aber Vorsicht! Auch Müllbeutel aus Biokunststoffen können zu einem gewissen Anteil aus erdölbasierten [Kunststoffen] (https://www.galileo.tv/life/plastik-verbot-europa-gesetz-alternativen/) bestehen. Dass sie biologisch abbaubar sind, bedeutet nicht, dass sie gut für die Umwelt sind.

  • In der Natur brauchen solche Plastiktüten Monate oder Jahre, um sich zu zersetzen. Und diese Biomüllbeutel gehören auch nicht in den Biomüll.

  • Denn in den Anlagen der meisten Abfallunternehmen können sich die Tüten nicht vollständig zersetzen. Es bleiben Plastik-Stückchen zurück.

  • Branchenvertreter geben an, dass Plastik im Biomüll ein immer größeres Problem wird. Wie groß es ist, lässt sich schwer beziffern. Der Fachverband BVSE geht von bis zu 15 Prozent Fremdstoffen im Biomüll aus.

Warum darf der Öko-Müllbeutel nicht in den Biomüll? Günther Langer, Abfallexperte beim Abfallwirtschaftsbetrieb München, klärt auf

  • 💬

    Wenn auf Verpackungen oder Müllbeuteln "kompostierbar" steht, dann heißt das, diese Produkte waren im Labor kompostierbar. In der kurzen Zeit, die der Müllbeutel in unserer Kompostier-Anlage liegt, ist er nicht vollständig kompostierbar. Er zerfällt in den wenigen Wochen nur in einzelne kleine Stücke.

  • 💬

    Diese kleinen Stücke sind der Beginn von [Mikroplastik] (https://www.galileo.tv/life/mikroplastik/), und das bekommen wir aus dem Kompost nicht mehr heraus. So gelangt Mikroplastik in die Umwelt. Deshalb ist es so wichtig, keine Plastikbeutel, auch keine Öko-Plastikbeutel, in den Biomüll zu werfen.

  • 💬

    Biomüll zu sammeln ist sehr wichtig, denn daraus kann guter Kompost entstehen. Zum Sammeln eignen sich zum Beispiel Papierbeutel oder auch kleine Eimer in der Küche, die man direkt in die Biomülltonne entleert.

  • 💬

    Mein Tipp: Wenn man sich bei einem Produkt unsicher ist, ob es wirklich in den Biomüll gehört, dann wirft man es am besten in den [Restmüll] (https://www.galileo.tv/life/warum-die-corona-krise-auch-eine-muell-krise-ist-und-was-du-dagegen-tun-kannst/).

  • 💬

    Keine Verpackungen sind am besten. Verpackungen mit Pfand sind viel besser für die Umwelt als kompostierbare Verpackungen. Denn auch Öko-Verpackungen enthalten oft noch Teile von [Mineralöl] (https://www.galileo.tv/life/erdoel-ohne-ende-das-passiert-wenn-das-schwarze-gold-ausgeht/).

Haben biologisch abbaubare Verpackungen Vorteile?

Nein, haben sie nicht. Auch sie erzeugen unnötigen Abfall. Das Umweltbundesamt warnt, dass Verbraucher sorgloser mit dem Abfall umgehen, wenn sie denken, dass die Verpackung biologisch abbaubar ist. Die Folge: Mikroplastik in der Natur. Auch Verpackungen aus biologisch abbaubarem Kunststoff gehören in die gelbe Tonne oder den gelben Sack und nicht in den Biomüll.

Besser ist es, Produkte zu nutzen, die gesäubert und wieder verwendet werden können. Man kann sein To-Go-Essen oder seinen Kaffee zum Beispiel gegen Pfand in einem Behälter kaufen, den man später zurückgibt. Die Box wird gesäubert und wieder verwendet. So muss gar nichts weggeworfen werden.

So hart ist der Job der Müllabfuhr in Corona-Zeiten

Lockdown, Homeoffice und Lieferdienst-Wahnsinn machen sich auch beim Hausmüll bemerkbar. Damit wir nicht unter Müllbergen versinken, leisten die Mitarbeiter der Müllabfuhr einen Knochenjob.

Das passiert mit deinem Biomüll

Wie fit bist du in Sachen Mülltrennung?

So kannst du im Alltag Müll vermeiden

  • ☕️

    Brühe deinen Kaffee auf, statt Maschinen mit Kaffeekapseln zu verwenden. Wenn du so eine Kapselmaschine zuhause hast, nutze Kapseln, die du selbst befüllen und wiederverwenden kannst.

  • 🛍

    Auch wenn die kleinen Packungen im Supermarkt und im Drogeriemarkt praktisch sind - für die Umwelt ist es besser, große Packungen zu kaufen. Das verbraucht [weniger Kunststoff] (https://www.galileo.tv/life/so-ein-muell-das-kannst-du-gegen-den-verpackungs-wahnsinn-tun/) für die gleiche Menge an Inhalt.

  • 🚰

    Am umweltfreundlichsten ist es immer, Dinge mehrmals zu verwenden. Mehrwegflaschen sind besser als Einwegflaschen. Oder du kaufst gleich einen Wassersprudler und bereitest damit dein Leitungswasser auf. Dann sparst du dir auch das Kisten schleppen.

  • 💻

    Statt immer wieder neue Dinge zu kaufen, lohnt es sich über eine Reparatur deines alten Gerätes nachzudenken. Das gilt für [Elektrogeräte] (https://www.galileo.tv/life/was-du-morgen-wissen-musst-neue-eu-regeln-retten-deine-elektrogeraete-und-du-sparst-geld/), aber auch für [Kleidung] (https://www.galileo.tv/life/altkleider-kollaps-in-corona-zeiten-wohin-jetzt-mit-den-gebrauchten-klamotten/). Hilfe gibt's zum Beispiel in Repair-Cafés.

  • 🚿

    Für viele Produkte in Plastikflaschen gibt es plastikfreie Alternativen, zum Beispiel Shampoo-Seife oder festes Duschgel. Auch Haarspülung und sogar Handcreme gibt es am Stück.

Das steckt hinter den neuen Lebensmittel-Etiketten

Viele Lebensmittel-Etiketten versprechen, dass Produkte biologisch abbaubar oder klimaneutral sind oder dem Tierwohl dienen. Doch was steckt hinter diesen Aussagen wirklich?

Veröffentlicht: 29.04.2021 / Autor: Kathrin Aldenhoff