Themenseiten-Hintergrund

Müller, Meier, Schneider: Das steckt hinter deinem Familiennamen

Woher kommen unsere Familiennamen und wie sind sie entstanden? Und was kannst du tun, wenn du ihn ändern willst.
Du heißt Müller oder Meier? Wir verraten dir woher unsere Nachnamen kommen.

Das Wichtigste zum Thema Familiennamen

  • In Deutschland gibt es über 800.000 Familiennamen.

  • Der Häufigste lautet Müller, gefolgt von Schmidt und Schneider.

  • Unsere Familiennamen stammen nahezu alle aus dem Mittelalter, genauer aus der Zeit zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert.

  • Seit der Einführung von Standesämtern im 19. Jahrhundert kommen keine neuen Familiennamen mehr dazu.

Wovon Familiennamen abgeleitet wurden

  • 👨‍🌾

    Berufe: Müller, Schmidt, Schuster, Schneider, Bauer

  • 👨‍👩‍👦

    Vorname eines Elternteils: Hubert, Werner, Friedrich, Petersen, Walter

  • 🦊

    Übername/Spitzname: Fuchs (schlau oder rothaarig), Schilling (reich oder geizig)

  • 🌍

    Herkunftsname: Frank (aus Franken), Hess (aus Hessen), Basler (aus Basel)

  • Wohnort: Ilmberger (am Berg an der Ilm), Grünwald (aus dem grünen Wald)

Wie Familiennamen einst entstanden

Im deutschsprachigen Raum gab es seit dem 12. Jahrhundert erste Familiennamen. Die Tradition der Namensvergabe und Weitervererbung entstand im 9. Jahrhundert in Venedig.

Die Einführung von Nachnamen hatte vor allem pragmatische Gründe. Durch die steigende Bevölkerung wurden Vornamen alleine zu unübersichtlich, ein Familienname erleichterte die Identifikation.

Im 15. Jahrhundert besaß bereits jeder Mensch im deutschsprachigen Raum einen Familiennamen. Durch Umzüge, Aus- und Zuwanderung sowie der stetigen Veränderung von Schrift und Schreibweisen veränderten sich auch manche Namen bis zur Unkenntlichkeit.

1875 führte das Deutschen Reich Standesämter ein, diese schrieben alle bis dato bestehenden Namen fest. Seitdem kommen keine neuen deutschen Namen mehr hinzu. Deshalb gibt es Namen wie Schneider und Schuster, aber eben nicht Programmierer, Mechaniker oder Unternehmensberater.

Herr Fuchs, sind Sie's?

Ein schlauer und rothaariger Fuchs: Familiennamen entstanden auch in Anlehnung an die Eigenschaften der Träger.

Von Schneekönigen und Schweinefüßen

Namen wie Müller oder Schneider erklären sich von selbst. Bei anderen Namen muss man etwas um die Ecke denken. So steht etwa "Funk" für den Funkenflug, der bei einem Schmied entsteht. Den Namen Fuchs bekam, wer entweder besonders schlau oder rothaarig war.

Namen wie Schweinefuß bekamen mitunter Menschen mit einem Klumpfuß, aber auch Metzger konnten in dieser Hinsicht Pech haben. Und der Schneekönig? Hier handelte es sich wohl um einen Ornithologen (Vogelkundler), spezialisiert auf die Gattung der Zaunkönige, die auch Schneekönige genannt werden.

Wie kann ich meinen Familiennamen ändern?

Wenn dir dein Familienname nicht gefällt, denk dir einfach einen neuen aus. Der Haken: Das klappt nur, wenn du Schwede bist. Die deutsche Bürokratie erlaubt das nicht.

Willst du in Deutschland deinen Namen ändern, musst du heiraten oder dich adoptieren lassen. Ansonsten bleibt der bestehende Name unantastbar. Aber: Es steht dir frei, ein Pseudonym oder einen Künstlernamen zu haben. An dem, was in deinem Ausweis steht, ändert das jedoch nichts.

Eine Chance auf einen neuen (adeligen) Namen: Die Hochzeit von Mariae Gloria und Johannes von Thurn und Taxis.

Die Entstehung des deutschen Adelsprädikats

Ein "von" im Namen deutet auf eine alte deutsche Adelsabstammung hin. An das Adelsprädikat waren früher Privilegien gekoppelt, die 1919 mit der Weimarer Verfassung endeten. Seitdem ist es nur ein Namenszusatz.

Das "von" war im Mittelalter nur ein Hinweis auf die Herkunft, wie bei Walther von der Vogelweide. Ab 1630 begannen die Adligen, das "von" für sich zu vereinnahmen.

Spätestens nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verloren Adelstitel weitgehend ihre Bedeutung. In Deutschland durften Adelige zumindest ihren Namen und ihre Besitztümer behalten. In England, Spanien oder Schweden hat der Adel noch eine gesellschaftliche Bedeutung, aber keine politische Befugnisse.

Veröffentlicht: 26.07.2020 / Autor: Andreas Ilmberger