Nobelpreis 2020 Verleihung

Nobelpreis: Die Goldmedaille für Wissenschaftler

Es ist es wieder so weit: Der Nobelpreis wurde verliehen. Wir erklären dir, warum es ihn gibt - und wer entscheidet, an wen er geht.
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Das Wichtigste zum Thema Nobelpreise

  • Der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel, stiftete den Preis in seinem Testament. Die Verleihung findet seit 1901 jedes Jahr an seinem Todestag, dem 10. Dezember, in Stockholm und Oslo statt.

  • Aufgrund der Corona-Pandemie bekamen die Auserwählten 2020 ihre Preise allerdings an unterschiedlichen Tagen ab dem 5. Dezember und an ihrem Wohnort verliehen, zum Beispiel in der schwedischen Botschaft oder der bayerischen Staatskanzlei!

  • Der Preis gilt als höchste Auszeichnung der Wissenschaft. Er wird in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden verliehen. Seit 1969 gibt es auch einen Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

  • Bisher gingen 603 Preise an 962 Personen, 57 davon an Frauen. Die Verleihung fiel während der Weltkriege aus. Auch wurde der Preis manchmal nicht vergeben, wenn das Komitee keinen Kandidaten für würdig hielt.

  • 2020 ist jeder Preis mit rund 981.000 Euro dotiert. In einem Jahr können sich mehrere Personen den Preis und somit auch die Summe teilen. Außerdem erhalten die Preisträger eine Urkunde und eine Medaille.

Ein preiswürdiges Testament

1867 erfand der Schwede Alfred Nobel das Dynamit, indem er sensibles Nitroglyzerin kontrollierbar binden konnten. Mit dieser Erfindung und insgesamt 355 Patenten, verdiente er für die damalige Zeit ein unglaubliches Vermögen.

In seinem Testament verfügte er, dass sein Erbe in eine Stiftung fließt und, dass die Zinsen des angelegten Geldes die Preissumme bilden. Bei seinem Tod, 1896, waren das nach heutigem Wert rund 300 Millionen Euro. Der Preis soll jedes Jahr an die Personen verliehen werden, die der Menschheit auf ihrem Gebiet von größtem Nutzen gewesen seien.

Nobelpreis Medaille


Alfred Nobels Profil ziert auch die Medaille, die jeder Nobelpreis-Gewinner bekommt.
© imago images/Kyodo News

Nobel bestimmte auch, dass der schwedische König den Preis jährlich an seinem Todestag überreichen sollte. Da Norwegen damals noch zum schwedischen Königreich gehörte, entschied Nobel, dass der Friedensnobelpreis als einziger nicht in Stockholm, sondern in Oslo verliehen wird.

Frühere Preisträger können Nominierungen einreichen. Das gilt auch für Professoren spezieller Universitäten und Mitgliedern von Akademien. Kandidaten für den Friedenspreis können die Mitglieder von Parlamenten, Regierungen, internationalen Gerichten und Instituten vorschlagen.

Wer in den Nobelkomitees sitzt, die die Preisträger wählen, erklären wir dir unten in der Emoji-Liste.

Die Jurys und ihre diesjährigen Preisträger

  • 🌌

    Physik: Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften vergibt den Preis. Für Ihre Entdeckungen auf dem Gebiet der Schwarzen Löcher teilen sich 2020 3 Wissenschaftler die Ehre: die US-Amerikanerin Andrea Ghez, der Brite Roger Penrose und der Deutsche Reinhard Genzel.

  • 🧪

    Chemie: Auch hier entscheidet die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. 2020 erkor sie die Französin Emanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer Doudna aus. Sie entdeckten eine Methode, mit der das Erbgut von Lebewesen verändert werden kann.

  • 🩺

    Medizin: Die beste Medizin-Universität Schwedens, das Karolinska Institut, bestimmt die Preisträger. 2020 teilen sich die US-Amerikaner Harvey J. Alter, Charles M. Rice und der Brite Michael Houghton den Preis. Sie werden für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus' geehrt.

  • 📚

    Literatur: Die Schwedische Akademie für Sprache und Literatur sucht den Gewinner aus. 2020 erhält die US-amerikanische Lyrikerin Louise Glück die Auszeichnung. Ihre Gedichtbände "Wilde Iris" und "Averno" gibt es auch auf Deutsch. Für Ersteren erhielt sie 1993 bereits den Pulitzer-Preis.

  • 🕊

    Frieden: 5 Vertreter des norwegischen Parlamentes "Storting" wählen den Preisträger. Dieser Preis kann nicht nur an Personen, sondern auch an ganze Organisationen verliehen werden. In diesem Jahr geht er an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

  • 💰

    Wirtschaft: Dieser Gedächtnispreis stammt nicht von Nobel. Die schwedische Reichsbank stiftete ihn 1969 zu ihrem 300-jährigen Bestehen. Auch ihn vergibt die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften. Die US-Ökonomen Robert B. Wilson und Paul R. Milgrom siegten 2020. Sie befassen sich mit Theorien zum Ablauf von Auktionen.

Diese Länder sammelten die meisten Nobelpreise

Kuriose Fakten zum Nobelpreis

Kuriose Fakten zum Nobelpreis

Wer den Nobelpreis gewinnt, der hat wirklich Herausragendes geleistet. Allerdings können nicht alle Wissenschaftler auf die renommierte Auszeichnung hoffen, und einige Preisträger haben sie nur bedingt verdient.

Besondere Preisträger

  • 🎓

    Jüngste Gewinnerin: Die Friedensnobelpreisträgerin 2014, Malala Yousafzai, war erst 17 Jahre alt. Die Pakistanerin erhielt die Auszeichnung für ihren Einsatz für die Rechte von Kindern und speziell für den Kampf für gleiche Bildungschancen.

  • 👨‍🦳

    Ältester Gewinner: 2019 erhielt John B. Goodenough mit 97 Jahren den Nobelpreis für Chemie. Der US-Amerikaner wurde 1922 in Deutschland geboren und erhielt die Auszeichnung für seinen Beitrag zur Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie.

  • 🏅🏅

    Doppeltes Glück: Marie Curie erhielt 1903 den Preis für Physik und 1911 den für Chemie. John Bardeen bekam 1956 und 1972 den Physikpreis. 1958 und 1980 erhielt Frederick Sanger jeweils den Preis für Chemie. Linus Pauling erhielt 1954 den Chemienobelpreis für seine Forschung zu chemischen Bindungen und 1963 den Friedensnobelpreis für seinen Einsatz gegen Atomwaffentests.

  • 🕯

    Posthum: Der Schwede Dag Hammarskjöld erhielt 1961 nach seinem Tod den Friedensnobelpreis für den Aufbau der UN. Auch der schwedische Lyriker Erik Axel Karlfeldt erlebte die Verleihung seines Literaturnobelpreises 1931 nicht. 2011 erhielt der Kanadier Ralph Steinman den Medizin-Preis posthum für seine Entdeckungen in der Immunbiologie.

  • 🛑

    Verweigerer: Der französische Literaturnobelpreisträger Jean-Paul Sartre lehnte die Auszeichnung 1964 ab. Er hatte Preise stets zurückgewiesen. 1973 schlug der Vietnamese Le Duc Tho den Friedensnobelpreis aus. Er sollte ihn für das Verhandeln eines Endes des Vietnamkriegs erhalten, wollte dies aber wegen der schwierigen Situation in Vietnam nicht.

  • 🕊

    In Abwesenheit: 3 Friedensnobelpreisträger konnten ihre Medaillen nicht entgegennehmen, da sie im Gefängnis saßen: 1935, der deutsche Journalist Carl von Ossietzky für seinen Kampf gegen die Nazis. 1991, Politikerin Aung San Suu Kyi für ihren Demokratie-Einsatz in Myanmar. 2010, der chinesische Menschenrechtsaktivist Liu Xiaobo.

Berühmt und genial! Wie gut kennst du diese Nobelpreisträger?

Das steckt hinter dem alternativen Nobelpreis

Der Schwede Jakob von Uexküll bat die Nobelstiftung Ender der 70er-Jahre 2 neue Kategorien zu schaffen. Sie sollten Verdienste um den Kampf für Ökologie und  bessere Lebensbedingungen für die Menschheit ehren. Er wollte sich finanziell beteiligen.

Da die Nobelstiftung ablehnte, verkaufte er seine Briefmarkensammlung für eine Millionen Dollar und gründete die Right-Livelihood-Stiftung. Seit 1980 gibt es daher den Right-Livelihood-Award. Oft wird er als "alternativer Nobelpreis" bezeichnet.

Jeder Mensch darf eine Nominierung einsenden. Der Preis wird aus Spenden generiert. Bisher erhielten ihn 182 Menschen aus 72 Ländern.

2020 sind die 4 Preisträger: Ales Bjaljazki für den Kampf für die Demokratie in Weißrussland, Nasrin Sotudeh für den Einsatz für Frauenrechte im Iran, Lottie Cunningham Wren für ihren Einsatz für die indigenen Völker Nicaraguas und Bryan Stevenson, der in den USA für eine Justizreform kämpft, damit Schwarze und Weiße gleichbehandelt werden. Jeder erhält umgerechnet rund 95.000 Euro.

Veröffentlicht: 10.12.2020 / Autor: Sven Hasselberg