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Ökostrom auf Platz 1 in Europa - und 4 weitere Good-News

Bei der Stromerzeugung überholen erneuerbare Energien die Kohle, Wien will klimafreundliches Verhalten belohnen. Eine Raubkatze erholt sich, Apple wird klimaneutral - und Nachhaltigkeit könnte sich buchstäblich auszahlen.

#1 Erneuerbare Energien überholen fossile Brennstoffe in der EU

Im ersten Halbjahr 2020 war der Anteil erneuerbarer Energien am europäischen Strommarkt erstmals größer als der fossiler Brennstoffe. Wie der britische Think Tank Ember berichtet, haben Solar-, Wind-, und Bioenergie und Wasserkraft mit 40 Prozent mehr zur EU-Stromerzeugung beigetragen als fossile Kraftwerke mit nur noch 34 Prozent - ein Minus von 18 Prozent.

Vor 9 Jahren erzeugten fossile Brennstoffe noch doppelt so viel Strom wie die Erneuerbaren.

Grund für die positive Entwicklung: neue Solar- und Windkraftanlagen im Stromnetz und top Wind- und Sonnen-Bedingungen in den ersten 6 Monaten pushten den Ertrag auf 21 Prozent. In Deutschland waren es sogar 42 Prozent.

Hinzu kommt: Stromerzeugung mit Kohle ist längst nicht mehr die günstigste. Weltweit produzieren neue Solar- und Windkraftanlagen vielerorts viel preiswerter.


Solarpanele und Windkraftanlagen werden immer wichtiger bei der Stromversorgung.
© Getty Images

#2 Es gibt wieder mehr Tiger in freier Wildbahn

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    Der Tiger-Bestand in Asien erholt sich weiter. Eine Studie der indischen Regierung zum Welt-Tiger-Tag (29. Juli) zeigt: in Indien leben aktuell 3.000 Tiger in freier Wildbahn - doppelt so viele wie noch 2006.

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    Die Zahl wurde im Rahmen einer der größten Tierzählungen weltweit ermittelt. Insgesamt halfen 44.000 Menschen dabei mit.

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    Trotzdem warnt die Tierschutzorganisation WWF vor wachsender Wilderei in Südostasien. Grund für die illegale Jagd nach den Raubkatzen: Ihre Körperteile werden in China und anderen asiatischen Regionen in der traditionellen Medizin genutzt.

#3 Apple verspricht klimaneutrale Produkte ab 2030

In 10 Jahren sollen alle Apple-Produkte klimaneutral sein und an keiner Stelle der Lieferkette mehr CO2 verursachen. Das hat der wertvollste Technologie-Konzern der Welt groß angekündigt.

So soll der Strom für die Produktion in Zukunft vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen. Schon jetzt hat Apple die CO2-Emissionen bei Büros, Läden und Datenzentren seit 2015 um 35 Prozent reduziert.

Mehr als drei Viertel des CO2-Austoßes verursacht aber die Produktion seiner Geräte. Also macht Apple Druck auf seine Zulieferer: 70 von ihnen haben sich inzwischen verpflichtet, das 2030er-Ziel einzuhalten. Weitere sollen folgen.


Bei der Umsetzung von Apples Ziel soll auch ein Roboter-System für das Recycling ausgemusterter iPhones helfen. Das neue Modell "Daisy" kann bis zu 200 iPhones pro Stunde zerlegen.
© picture alliance / Apple/dpa

#4 Wien will klimafreundliches Verhalten mit Kultur-Tokens belohnen

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    Wien arbeitet als weltweit erste Stadt an der Einführung eines Kultur-Tokens.

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    So funktioniert's: Eine App misst mittels Motion-Tracking deine zurückgelegten Wege und erkennt automatisch, ob du zu Fuß gegangen oder mit dem Fahrrad gefahren bist oder ein öffentliches Verkehrsmittel genutzt hast.

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    Anhand der Daten wird deine individuelle CO2-Bilanz im Vergleich zu einer Autofahrt berechnet. Bei einer Einsparung von rund 20 Kilogramm CO2 bekommst du einen Token. Für die 20 Kilo muss man ungefähr 2 Wochen lang beim täglichen Arbeitsweg aufs Auto verzichten.

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    Der Token ist eine Art digitaler Gutschein, der in Kultureinrichtungen wie dem Wiener Volkstheater eingelöst werden kann.

  • Ein erster 3-wöchiger Test mit mehr als 4.000 Usern lief sehr gut an. Nach der Corona-Pause soll es weitergehen.

#5 Nachhaltigkeit könnte 400 Millionen Jobs schaffen.

Laut einer neuen Studie der Stiftung Weltwirtschaftorum (WEF) könnten bis 2030 rund 395 Millionen neue Jobs geschaffen werden, wenn Staat und Wirtschaft nach der Corona-Pandemie die Weichen auf nachhaltige Entwicklung stellen.

Geschäftsideen, die die Natur an erste Stelle setzen, würden dem WEF zufolge Erträge von mehr als 10 Billionen US-Dollar erzielen.

Erste Erfolge gibt es schon: So hat der Einsatz von Satellitenbildern und Sensoren in der indonesischen Landwirtschaft die Erträge um durchschnittlich 60 Prozent erhöht. Und wiederbelebte Ökosysteme an Küsten in Vietnam hätten das Einkommen der Küstenbewohner mehr als verdoppelt.

Weiteres Kernziel: Menschen sollten ihre Ernährung auf mehr Obst und Gemüse umstellen. Heute stammten 75 Prozent der Nahrungsmittel von nur 12 Pflanzen und 5 Tierarten.

Auch grüne Dächer, mehr LED-Lampen und bessere Isolierung könnten Milliarden einsparen und gleichzeitig neue Märkte für diese grünen Produkte schaffen.

Traktor fährt übers Feld


Auch in Deutschland nutzen bereits viele Landwirte GPS-Systeme im Traktor, um möglichst effizient zu arbeiten.
© picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Veröffentlicht: 31.07.2020 / Autor: André Marston Alvarez

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