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Online-Shopping: Was passiert, wenn alle nur noch im Internet bestellen?

Kopfhörer, T-Shirts, Duschgel, Schokolade - schon praktisch, was wir alles online bestellen können. Doch was wäre, wenn wir nur noch im Internet einkaufen? Und welche Probleme entstehen dabei?

Wie sich der Online-Handel entwickelt hat

  • Während der Corona-Krise haben immer mehr Menschen in Deutschland im Internet bestellt. Zwischen April und Juni wuchs der Online-Handel im Vergleich zum Vorjahr um 16,5 Prozent. Bei Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel verdoppelte sich die bestellte Menge fast.

  • Schwierig die Lage im stationären Einzelhandel: Runners Point schließt 73 Filialen in Deutschland, Karstadt-Kaufhof hat das Ende von mindestens 50 Häusern angekündigt, Zara droht alle eigenen Läden zu schließen.

  • Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, befürchtete in der Corona-Krise: "Es drohen rund 50.000 Geschäftsschließungen im Handel."

  • Der Online-Handel ist zwischen 2014 und 2019 jedes Jahr um mindestens 9 Prozent angewachsen, von 35,6 Milliarden Euro Umsatz auf 59,2 Milliarden Euro.

Hand aufs Herz: Wie oft kaufst du online ein?

Was ändert sich für Verbraucher, wenn alle nur online bestellen

  • Das Shopping-Erlebnis ändert sich. Es ist ein Unterschied, ob man zu Hause auf dem Sofa vor dem Laptop sitzt oder durch ein Kaufhaus mit all seinen Geräuschen, Gerüchen und perfekt ausgeleuchteten Angeboten läuft.

  • Durch den weitgehenden Wegfall des stationären Handels ändern sich auch Städte und Viertel. Klassische Einkaufsstraßen verschwinden, das eigene Wohnviertel wird wichtiger. Für die vielen Pakete würde es immer mehr Abholstationen geben.

  • Ein Unterschied zwischen Geschäft und Internet: Die Beratung. Verbraucher hätten oft keinen direkten Ansprechpartner mehr.

  • Einzelne Bevölkerungsgruppen könnten ausgeschlossen werden - weil sie ohne Smartphone und Computer nicht online shoppen können.

So verändert Online-Shopping die Innenstädte

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    Schon heute zeigt sich ein Wandel: Immer mehr Geschäfte müssen schließen, Läden stehen leer.

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    Die Nachfrage nach oft sehr teuren Innenstadt-Läden würde sinken - entsprechend würden auch die Gewerbemieten nach unten gehen. Das würde den Raum für neue Mieter nutzbar machen: kleine Manufakturen, Kitas, soziale Einrichtungen und Gastronomie.

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    In Innenstädten könnten mehr Freizeitangebote entstehen - von Ausstellungen bis hin zu grünen Projekten. Das würde auch an Sonntagen viele Menschen in die Innenstädte locken - Freizeit statt Shopping.

Online-Shopping: Wie viele Daten wollen wir preisgeben?

Amazon erzielte in Deutschland 2018 9,2 Milliarden Euro Umsatz- deutlich vor Otto auf Platz 2 mit 3,2 Milliarden Euro.

Problem bei einer Marktmacht, wie Amazon sie hat: Wer fast alle Online-Bestellungen über ein bevorzugtes Shopping-Portal tätigt, gibt ihm viele Informationen preis. Darunter sehr persönliche: Wer Medikamente online bestellt, offenbart damit, welche Krankheiten er hat.

Die Pläne der Unternehmen gehen noch weiter: Amazon testet seit Jahren Amazon Key. Damit könnte der Paketbote die online bestellten Waren direkt in der Wohnung des Verbrauchers hinterlegen, sie sogar in den Kühlschrank stellen - ein starker Eingriff in die Privatsphäre der Kunden.

Amazon Key


Auf der CES 2019 wurde der Amazon Key vorgestellt. Dadurch können Boten Pakete direkt in deinem Auto oder deiner Garage ablegen.
© imago images/UPI Photo_imago

 

Facebook möchte mit seinen im Mai 2020 eingeführten Facebook Shops ebenfalls in den Online-Handel einsteigen. Neben den schon bestehenden Instagram-, Facebook-und WhatsApp-Accounts ist das Unternehmen damit in der Lage, noch mehr Informationen über seine Kunden zu sammeln.

Diese Probleme verursacht Online-Shopping

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    Es gibt immer wieder Berichte über schwierige Arbeitsbedingungen in den Warenlagern mancher Versandhändler und bei der Paketauslieferung. Die Boten leisten körperliche Schwerstarbeit bei niedrigem Lohn.

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    Einer McKinsey-Studie zufolge erhält jeder Deutsche schon jetzt im Schnitt 24 Pakete pro Jahr. Dieser Wert dürfte sich in Zukunft noch deutlich erhöhen.

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    Ganze Branchen wie Buchläden oder Elektronikmärkte sind schon heute in ihrer Existenz gefährdet. Fallen Einkäufe in Geschäften komplett weg, droht noch weiteren Branche das Ende.

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    Durch den großen Marktanteil von Konzernen wie Amazon wird es schwierig für andere Firmen, selbst als Online-Shop erfolgreich zu sein. Schon jetzt setzt die garantierte schnelle Lieferung andere Online-Händler unter Zugzwang. Eine Chance für die Konkurrenz liegt Experten zufolge in der Spezialisierung.

So kannst du beim Online-Shopping die Umwelt schonen

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    Online-Shopping kann klimafreundlicher sein als der Einkauf in einem Geschäft. Bei einer Shopping-Tour fahren Verbraucher mit dem Auto in die Innenstädte. Bringt ein Paketbote die Waren, beliefert ein Transporter ein ganzes Wohnviertel.

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    16,3 Prozent der 2019 versendeten Pakete wurden zurückgeschickt. Retournierte Produkte landen teilweise direkt im Müll. Daher solltest du schon bei der Bestellung überlegen, wie du Retouren vermeiden kannst.

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    Die Menge der zu transportierenden Pakete lässt sich über Sammelbestellungen senken. Wenn also Nachbarn, Familien oder Freunde zusammen bestellen und nicht jeder einzeln, können die Pakete oft effizienter gepackt und verschickt werden.

  • Auch über die Wahl der Online-Händler lässt sich ökologisch shoppen. Manche bieten umweltfreundliche Verpackungen an und nutzen klimafreundlichere Paketdienste. Und es ist gut, Produkte bei nicht weit entfernten Online-Shops zu bestellen.

Veröffentlicht: 29.07.2020 / Autor: Johannes Huyer

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