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Keine Orientierung mehr? Vielleicht steckst du in der Quarterlife Crisis

Job, Beziehung, Wohnort - wie du leben willst, liegt in deiner Hand. Zu viele Optionen können aber auch überfordern. Wer den Durchblick im Lebens-Labyrinth verliert, kann in eine Sinnkrise rutschen: Was bei der Quarterlife Crisis hilft und wie du sie erkennst. 

Das Wichtigste zum Thema Quarterlife Crisis

  • Den Job in der Bank annehmen oder doch lieber die Weltreise machen? Schluss machen oder noch mehr in die Beziehung investieren? Stadt- oder Landleben? All das sind Fragen, die sich viele Menschen mit Mitte 20 bis Mitte 30 stellen. Die zahlreichen Optionen können überfordern - und zur Quarterlife Crisis führen.

  • Der Begriff steht für eine Krise nach dem ersten Viertel des Lebens. Ihre Dauer ist variabel. Sie kann mal ein Jahr oder auch länger dauern.

  • Der Begriff geht auf die US-Autorinnen Abby Wilner und Alexandra Robbins zurück, die beide selbst eine Quarterlife Crisis hatten und darüber ein Buch geschrieben haben ("Quarterlife Crisis: Die Sinnkrise der Mittzwanziger").

  • Eine Umfrage des Netzwerks LinkedIn hat ergeben, dass bereits 67 Prozent der deutschen Arbeitnehmer vor ihrem 30. Geburtstag eine Quarterlife Crisis hatten. Dabei ging es bei vielen um die Berufswahl (39 Prozent).

Mögliche Gründe für eine Quarterlife Crisis

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    Die zahlreichen Freiheiten, die wir in unserem heutigen Leben haben, sind oft Fluch und Segen zugleich. Sie können schnell überfordern.

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    Oft schlittern wir in eine Krise, wenn wir das Gefühl haben, irgendwo festzustecken und nicht weiterzukommen - ob in einer Beziehung oder am Arbeitsplatz.

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    In der Lebensphase zwischen Mitte 20 und Mitte 30 stellen wir einige Weichen für die Zukunft und fühlen entsprechend besonders hohen Druck, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das Stress-Niveau liegt mit Mitte 20 laut Befragungen des britischen Forschers Oliver Robinson oft höher als das in anderen Altersgruppen.

  • Pünktlich zu runden Geburtstagen schauen wir zurück und ziehen Bilanz, was wir bisher erreicht haben. Ist es nicht das, von dem wir einst geträumt haben, kann uns das ins Grübeln bringen.

Phänomen Quarterlife-Crisis - Kennst du das?

Auszug aus dem Buch “Quarterlife Crisis” von Max Osswald

Mögliche Anzeichen einer Quarterlife Crisis

  • Zukunftsangst

  • Finanzielle Sorgen

  • Unsicherheit

  • Selbstzweifel

  • Unzufriedenheit

Die 4 Phasen der Quarterlife Crisis (nach Oliver Robinson)

Was kannst du bei einer Quarterlife Crisis tun? Tipps von Verhaltens-Therapeutin Ulrike Schneider-Schmid

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    Eine Quarterlife Crisis entsteht wie fast alle Krisen im Leben - wenn uns bei der Erreichung von Zielen neue Hindernisse entgegen stehen und wir sie mit den gewohnten Problemlösungs-Strategien nicht lösen können. Das kann sich schmerzhaft anfühlen. Krisen haben aber den Vorteil, dass wir durch sie wachsen und uns weiterentwickeln.

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    Um Unterstützung zu bekommen, kann man Freunde und Familie miteinbeziehen. Auch Mentoren oder ein Coach kommen in Frage - Menschen, die ähnliche Situationen schon gemeistert haben. Bei Symptomen wie Depression oder Ängsten sowie bei einem Leidensdruck empfiehlt sich professionelle psychologische Unterstützung.

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    Man kann sich selbst helfen, indem man zum Beispiel eine Entspannungs-Technik lernt oder Sport macht, bei dem man Druck abbauen kann. Auch Achtsamkeits-Techniken, die man zum Beispiel mit Apps lernen kann, sind empfehlenswert. Es geht um eine gute Selbstfürsorge - zum Beispiel mit einem guten Buch in der Badewanne. Wichtig ist, sich klarzumachen, dass man aus einer Krise auch wieder gestärkt hervorgehen kann.

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    Was will ich eigentlich? Eine Frage, die viele beschäftigt. Um mehr Bauchgefühl bei Entscheidungen zu bekommen, hilft die Stühle-Technik. Man stellt zum Beispiel 3 Stühle auf und weist jedem die jeweilige Option zu, die man hat. Anschließend setzt man sich auf jeden Stuhl und beobachtet, wie es einem dabei geht und wie der Körper reagiert.

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    Gegen kurzfristige Anspannung hilft zum Beispiel ein Spaziergang in der Natur. Sich aus der Situation rauszuholen und neue Perspektiven zu gewinnen. Meist haben wir uns selbst den inneren Käfig gebaut, und nicht die äußeren Umstände engen uns ein.

Veröffentlicht: 12.09.2020 / Autor: Bianca Leppert