Rassismus in Deutschland

Rassismus in Deutschland: Ausgangslage, Anlaufstellen, Aussichten

Rassistische Diskriminierung ist in Deutschland verboten. Trotzdem gehört Rassismus für viele Menschen zum Alltag. Was erleben Betroffene? Wo bekommen sie Hilfe? Und wie kannst du dich informieren und engagieren? Ein Überblick.

Das Wichtigste zum Thema Rassismus in Deutschland

  • Als rassistische Diskriminierung gilt eine Benachteiligung, Bevorzugung oder allgemein Unterscheidung aufgrund bestimmter Eigenschaften. Das können zum Beispiel die nationale oder ethnische Herkunft oder die Hautfarbe sein. Durch diese Ungleichbehandlung werden die Menschenrechte und Grundfreiheiten eingeschränkt.

  • Institutioneller Rassismus bezieht sich genauer auf rassistische Diskriminierung innerhalb von gesellschaftlichen Institutionen wie Behörden oder der Polizei.

  • Struktureller Rassismus bedeutet, dass sich in unserer Gesellschaft Strukturen entwickelt haben, die bestimmte Bevölkerungsgruppen benachteiligen oder bevorzugen, zum Beispiel im Schulsystem. Es entwickeln sich Routinen und Abläufe, die schwer zu erkennen sind.

  • Rassistische und andere Formen der Diskriminierung sind in Deutschland gesetzlich verboten. Das ist durch das deutsche Grundgesetz (GG) sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) festgelegt.

  • Trotzdem gehört rassistische Diskriminierungen zum Alltag vieler Menschen in Deutschland.

Rassismus in Deutschland: Das zeigen Studien

Welche Erfahrungen machen Menschen in Deutschland mit Rassismus? Für ein systematisches Bild sind Umfragen und wissenschaftliche Untersuchungen sehr wichtig.

Aktuelle Auswertungen der letzten Jahre bestätigen: Rassismus ist ein alltäglicher Begleiter für viele Menschen in Deutschland.

 

🎙 ADS-Betroffenen-Befragung (2017)

Ende 2015 wurde am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) eine nicht repräsentative Betroffenen-Befragung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden 2017 veröffentlicht.

Insgesamt haben 18.162 Personen über mindestens eine ihrer Diskriminierungserfahrungen in den 2 Jahren vor der Befragung berichtet.

Da verschiedene Verbände und Initiativen für Teilnehmende geworben hatten, sind die Ergebnisse nicht uneingeschränkt verallgemeinerbar. Trotzdem geben sie einen deutlichen Eindruck über die Erfahrungen von Betroffenen.

Demnach hatte mehr als jede 5. befragte Person (22 Prozent) rassistische Diskriminierung erlebt. Die meisten Fälle ereigneten sich in der Öffentlichkeit und Freizeit (23 Prozent) sowie im Arbeitsumfeld (21 Prozent), am seltensten im Privatleben (2 Prozent).

 

💻 EY-Online-Befragung (2020)

Im Sommer 2020 führte ein Zusammenschluss aus dem Verein Gesicht Zeigen!, der sich für Respekt und Toleranz einsetzt, der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY und dem Meinungs- und Marktforschungsunternehmen Civey eine Online-Umfrage mit mehr als 5.000 volljährigen Deutschen durch.

Vergleichbar zur ADS-Erhebung gaben rund 20 Prozent der befragten Personen an, am Arbeitsplatz rassistische Diskriminierung erfahren oder beobachtet zu haben.

Zwar hat mehr als die Hälfte der befragten Beschäftigten (rund 58 Prozent) das Gefühl, dass sich ihr Unternehmen aktiv gegen Rassismus stellt. Gleichzeitig gab fast jede 2. befragte beschäftigte Person (rund 45 Prozent) an, dass in der Belegschaft nicht offen über Rassismus gesprochen wird.

Fast ein Drittel der Beschäftigten (28 Prozent) würde bei einem rassistischen Vorfall den Vorgesetzten nicht sofort informieren. Rund 40 Prozent der von Rassismus betroffenen Befragten wissen nicht, an welche Person sie sich im Job bei rassistischer Diskriminierung wenden könnten.

"Alltagsrassismus protokolliert"

In der Reihe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit Videos und Texten berichten unterschiedliche Menschen von ihren rassistischen Erfahrungen im Alltag und deren Auswirkungen auf ihr Leben.

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Racial Profiling: Gibt es rassistische Polizeiarbeit auch in Deutschland?

Racial Profiling: Gibt es rassistische Polizeiarbeit auch in Deutschland?

Auch in Deutschland stellt sich die Frage, ob Menschen mit dunklerer Hautfarbe hierzulande Angst vor rassistisch motivierter Polizeiarbeit haben müssen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Die öffentliche Anlaufstelle für Betroffene von Rassismus ist die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Sie bietet Beratung und Information nicht nur bei Fällen von Rassismus, sondern auch bei Diskriminierung wegen Alter, sexueller Identität oder Religion.

Zusätzlich zu den zahlreichen Beratungsstellen deutschlandweit, die du über ein Suchfeld online findest, ist die ADS auch per Mail (beratung@ads.bund.de) oder Telefon (030 18555-1855) und über ein Online-Kontaktformular erreichbar.

Auch auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram ist die ADS vertreten.

Wie die ADS in ihrem Jahresbericht bekanntgab, steigt die Zahl der Beratungsanfragen seit Jahren stetig an: Gab es 2016 noch 2.625, waren es 2019 bereits 3.580 Anfragen. Der größte Anteil (rund ein Drittel) betrifft Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz erklärt

In Deutschland gibt es seit 2006 das sogenannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Was das Gesetz genau beinhaltet, erklärt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einem Video:

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Initiativen, Projekte und Organisationen, die gegen Rassismus kämpfen

Wichtige Stimmen der Black Community

Auch oder vor allem in sozialen Medien berichten Betroffene von ihren Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung: beispielsweise über die Instagram-Kanäle Black Community Foundation (bcf) Deutschland und blackqueergermany oder unter dem Hashtag #schwarzesDeutschland bei Twitter.

Via Instagram hat die freie Journalistin Nour Khelifi eine Liste mit Meinungsführer:innen der Black Community geteilt:

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Wie fühlt es sich an, wegen seiner Hautfarbe diskriminiert zu werden? "Galileo" hat einer Afroamerikanerin 10 Fragen gestellt.

bpb-Film "Rassismus begegnen"

Ob auf der Straße, im Internet oder bei der Jobsuche: Rassismus kann überall auftreten. Der Info-Film der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) macht deutlich, was das für die Betroffenen bedeutet.

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Für Menschenrechte und gegen Rassismus: "Galileo" macht eine Zeitreise in die 60er Jahre.

Veröffentlicht: 21.03.2021 / Autor: Alexander Duebbert