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Schönheitsideale im Wandel der Zeit: Früher schön, heute überholt

Schönheit liegt im Auge des Betrachters - und ist ebenso abhängig von der Zeit, in der jemand gelebt hat. Eine Reise zu Schönheitspflastern, schwarzen Zähnen und Körperkunst.

Ganz schön bizarr: Schönheitsideale im Wandel der Zeit

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    Während bei den antiken Griechen athletische Körper als schön galten, waren mollige Bäuchlein bei den Römern ein Zeichen von Wohlstand (man denke nur an die ausschweifenden Orgien der Oberschicht).

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    Jahrhunderte lang war es in Japan Mode, sich die Zähne schwarz zu färben. Die gewünschte Farbe wurde durch eine Mixtur aus Eisenspänen, Tee oder Reiswein erreicht.

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    Im Mittelalter war keusche Schönheit gefragt: Wenig Schminke, blasse Haut und kleine Brüste. Junge Frauen schmierten sich sogar Taubenmist auf die Brust - er sollte das Wachstum stoppen. Auch hip: eine hohe Stirn. Dazu zupfte man sich die Haare am Ansatz büschelweise aus. Gebräunte Haut war ein Armuts-Zeugnis, das für bäuerliche Feldarbeit stand.

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    Im Barock wurde es pompös: Weiße Mehl-Gesichter, knallrote, runde Wangen und dazu wallende Locken-Perücken. Die ideale Frau hatte eine schmale Wespen-Taille - täglich geschnürt durch enge Korsagen. Ebenfalls angesagt: große Pupillen. "Belladonna" hieß das Zaubermittel - ein Gift-Cocktail aus der schwarzen Tollkirsche. Ein paar Tröpfchen und die Augen glichen einem schwarzen Ozean.

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    In Frankreich des 17. Jahrhunderts trugen Frauen so genannte "Fliegen" im Gesicht. Die Schönheitspflästerchen aus Samt und Seide sollten das Verführen erleichtern. Je nachdem wo sie platziert wurden, hatten sie ein andere Bedeutung.

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    Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in China der Lotusfuß als Schönheitsideal angestrebt. Der "perfekte" Fuß sollte nicht länger als 12 cm sein. Dafür wurden Frauen in einer langwierigen und schmerzhaften Prozedur die Zehen gebrochen und zur Ferse gezogen.

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    Marylin machte es vor: In den 50er Jahren waren Kurven das weibliche Schönheits-Ideal. Später waren "skinny" Frauen in Mode - wie Twiggy oder Kate Moss. Auch der männliche Bartwuchs unterlag vielen Launen der Mode - vom mittelalterlichen Backen-Bart über den dünnen Schnauzer hin zum Holzfäller-Look.

Das sagt die Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky von der LMU München

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    Körperlichkeit ist auch immer Ausdruck von einer sozialen Position und von Wohlstand. So war Körperfülle früher ein Zeichen dafür, dass Menschen es sich leisten konnten, nicht körperlich arbeiten zu müssen.

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    Kulturen haben sichtbare Marker für Übergangsrituale, wie Tattoos und Piercings. Heute lassen wir uns Tattoos aber nicht unbedingt aus Tradition stechen, sondern suchen uns Körperschmuck bewusst aus. Dennoch zeigen wir weiter Zugehörigkeit, zu einer Subkultur, einem Milieu oder ähnlichem.

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    Heute geschieht die Körpergestaltung überwiegend bewusst und sichtbar. Das ist nichts, was verborgen werden muss. Friseursalons haben große offene Fenster, ebenso wie beispielsweise Fitnessstudios.

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Eins ist klar: Angst vor Skalpellen, Nadeln und Tätowiermaschinen sollte man als Body-Mod-Fan nicht haben. Was reizt Menschen daran, ihren Körper so drastisch zu verändern?

Das Wichtigste zum Thema Körperkulte weltweit

  • Körperkult bedeutet, dass je nach Kultur und Jahrhundert bestimmte Äußerlichkeiten als schön empfunden und von Teilen der Gesellschaft angestrebt werden.

  • Vor allem seit dem 20. Jahrhundert sind die Schönheitsideale gerade im Westen nicht mehr so festgefahren. Frauen müssen sich beispielsweise keiner strengen Kleiderordnung mehr beugen

  • Dennoch herrscht weiter ein gewisser gesellschaftlicher Zwang: Es gibt immer noch - kulturabhängige - Vorstellungen davon, was als schön gilt und damit wie ein Körper auszusehen hat.

Veröffentlicht: 04.06.2020 / Autor: Daphne Strain

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