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Schufa - Auskunft - Bonität

Die Schufa: So kommt die umstrittene Firma an deine Daten

Das Urteil der Schufa entscheidet über Kredite, Miet- und Kaufverträge. Wir erklären, wie dieses Unternehmen funktioniert und warum ein Bieter-Krieg um ihre Aktien ausgebrochen ist.
Die Schufa: So kommt die umstrittene Firma an deine Daten
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Das Wichtigste zum Thema Schufa

  • Die Schufa Holding AG) weiß von 68 Millionen Deutschen, wie es um deren Bonität, also Kreditwürdigkeit, steht. Sie sammelt Daten über Privatpersonen oder Unternehmen und errechnet einen Score, der beurteilen soll, ob diese einen Kredit, Miet- oder Ratenvertrag abbezahlen können.

  • Unter anderem bezieht die Schufa frühere Kredite, Mahnbescheide, Kreditkartenschulden oder Privat-Insolvenzen in die Berechnung ein. Aus welchen Daten sich der Score wie genau zusammensetzt, ist geheim.

  • Banken, Handy-Anbieter, Online-Händler und andere können vor Vertrags-Abschluss Auskunft einholen. Bei negativer Beurteilung können sie einen Kredit oder Kaufvertrag verweigern. 21 Prozent der deutschen Bürger:innen hatten schon Probleme mit falschen Schufa-Einträgen.

  • Als Aktiengesellschaft ist die Schufa auf Gewinn aus. Der schwedische Investor EQT will sich nun die Aktienmehrheit und damit den Datenzugriff sichern. Unten erfährst du, warum deutsche Banken das verhindern wollen.

So bewertet dich die Schufa

Schufa: Einfluss auf den Score
Schufa: Einfluss auf den Score
Schufa: Einfluss auf den Score
Schufa: Einfluss auf den Score
Schufa: Einfluss auf den Score
Schufa: Einfluss auf den Score

Die Schufa - das Geschäft mit den Daten

Pro Tag erteilt die Schufa gut 490.000 Auskünfte. Sie ist eine "Auskunftei". Davon gibt es auch noch andere, aber die Schufa ist die mächtigste. Die Daten erhält die Schufa unter anderem aus öffentlichen Quellen wie Zwangs-Vollstreckungen oder Insolvenz-Registern. Nachdem "Gegenseitigkeits-Prinzip" speisen viele Banken oder Kreditinstitute die Schufa mit Daten ihrer Kund:innen und können auch Daten abfragen. Die Kund:innen geben zum Beispiel in Kredit-Verträgen ihre Einwilligung zur Weiterleitung der Daten. Untern erklären wir dir die Schufa-Klausel.

Andere Parteien, die "berechtigtes Interesse" an einer Auskunft nachweisen, zahlen für die Daten. Die Schufa darf unter anderem keine Daten zum Einkommen, Vermögen, Kaufverhalten oder dem Arbeitgeber speichern. Der Jahresumsatz der Schufa beträgt 200 Millionen Euro, ihr Wert wird auf 2 Milliarden Euro geschätzt. Anteile halten Banken, Handelsunternehmen, Dienstleister:innen und andere.

Nun will sich der schwedische Investor EQT die Aktienmehrheit sichern. Damit hätte er  Zugriff auf die Daten. Beobachter und Beobachterinnen gehen davon aus, dass EQT das Schufa-Modell auf Europa ausweiten will. Verbraucherschutz-Organisationen befürchten, dass der Investor die Daten noch zu anderen Zwecken auswerten könnte.

Zu mehr als 90 Prozent der erfassten Verbraucherinnen und Verbraucher liegen laut Schufa nur positive Informationen vor. Dennoch misstraut jeder 5. der Schufa. Warum? Die Emoji-Liste erklärt dir die größten Kritikpunkte.

Hast du schon mal eine Schufa-Auskunft bekommen?

Bewertung Schufa-Score

Der Schufa-Score unterteilt die Kund:innen in Risikoklassen. Je höher dein Score ist, desto geringer ist demnach das Risiko, dass du einen Kredit nicht zurückzahlen oder die Miete nicht begleichen kannst.

5 Kritikpunkte an der Schufa

  • 🚧

    Datenschutz: Verbraucherschutz-Organisationen warnen immer wieder, dass die Schufa Daten speichert, die mit der Bonität nichts zu tun haben**. So kritisierten sie 2021 das Speichern von Handy-Vertragsdaten "unbescholtener" Bürgerinnen und Bürger. Hier ging es lediglich um den Wechsel von Anbietern oder das Wahrnehmen von Einstiegs-Angeboten. Diese könnten falsch interpretiert werden. Außerdem hagelt es immer wieder Kritik daran, wer welche Daten einsehen dürfe – selbst der Bundesbeauftrage für Datenschutz warnte schon davor.

  • 🔎

    Transparenz beim Scoring: Der genaue Modus des Scores ist nicht bekannt, und niemand weiß, welche Infos genau wie einberechnet werden. Deshalb forderte 2018 selbst Justizministerin Katarina Barley: Jede Bürgerin und jeder Bürger müsse das Recht haben, zu wissen, welche Daten bei der Berechnung der Bonität wie gewichtet werden. Doch das Erstellen des Scores bleibt eine Blackbox. Der Bundesgerichtshof urteilte, dass die Berechnung einem Geschäfts-Geheimnis gleichzusetzen ist.

  • 🗂

    Mangelnde Daten: Fachleute bemängeln, dass die Schufa auch oft zu wenig oder veraltete Daten zu einer einzelnen Person habe, um sich überhaupt ein reales Bild zu deren Bonität machen zu können.

  • 📱

    Soziale Medien: Gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut der Uni Potsdam wollte die Schufa in einem Forschungsprojekt 2012 Soziale Medien nach Infos durchsuchen. Dazu könnten Äußerungen über Finanzen aber auch Umzüge gehören. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte dies und Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner sprach von Big-Brother-Methoden. Das Institut kündigte daraufhin den Vertrag.

  • 💳

    Kontoauszüge: Das Pilotprojekt "Check now" sollte dazu dienen, Menschen mit schlechter Bonitäts-Bewertung eine "zweiten Chance" zu geben. Indem sie der Schufa Einblick in ihre Kontoauszüge gewähren, sollten sie beweisen können, dass es besser um ihre Finanzen steht. Nach heftiger Kritik stellte die Schufa das Projekt 2021 ein.

7 Fragen zur Schufa

  • ⁉️

    Darf ich bei der Schufa meine eigenen Daten checken?

    Du kannst eine Selbstauskunft anfordern. Fragst du bei der Schufa keine Bonitäts-Auskunft, sondern eine Datenkopie deiner Daten direkt an, ist diese Auskunft 1-mal im Jahr kostenlos. Unten findest du den Link. Schritte genau lesen und prüfen.

  • ⁉️

    Kann ich Daten löschen lassen?

    In manchen Fällen ist das möglich. Verbraucherschutz-Zentralen helfen weiter und erklären, wie du den richtigen Weg einhältst. Es kam schön öfter vor, dass Daten bei der Schufa falsch oder veraltet waren. In besonders harten Fällen kann eine Anwaltskanzlei weiterhelfen.

  • ⁉️

    Darf mein Vermieter eine Schufa-Auskunft verlangen?

    Vermieter:innen können direkt bei der Schufa Auskunft verlangen. Dafür muss der Vertrag kurz vor Abschluss stehen und nur noch von der Bonität des Mieters oder der Mieterin abhängen. In der Praxis bitten Vermieter:innen die Mieter:innen meist selbst, eine Auskunft einzuholen und sie vorzulegen. Das kannst du verweigern, aber damit sinken die Chancen auf die Wohnung.

  • ⁉️

    Was ist die Schufa-Klausel?

    Die Klausel unterschreibst du beim Eröffnen eines Kontos oder beim Kreditvertrag. Sie erlaubt der Bank, Daten an die Schufa weiterzuleiten. Du musst diese Klausel nicht unterschreiben – allerdings bekommst du dann von den meisten Banken kein Konto und keinen Kredit.

  • ⁉️

    Muss die Schufa die Daten nach einer Frist entfernen?

    Je nach Art der Daten müssen diese nach einer bestimmten Zeit von der Schufa gelöscht werden. Das variiert, ob es sich um die Rückzahlung eines Kredits, eine Bürgschaft oder Daten von Schuldner:innen-Verzeichnissen bei Gerichten handelt und so weiter. Die Löschung des Vorgangs kann sofort nach Rückzahlung oder erst Monate oder Jahre danach stattfinden.

  • ⁉️

    Dürfen Unternehmen mit einem Schufa-Eintrag drohen?

    Hast du einer Rechnungs-Forderung widersprochen, darf ein Unternehmen dir nicht mit negativem Schufa-Eintrag drohen, um Geld zu bekommen. Das ist in schwebenden Verfahren nicht zulässig.

  • ⁉️

    Was bedeutet der Name Schufa?

    Der Name steht heute für "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Historisch gesehen lautete er bei der Gründung 1927 noch "Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung". Das K für Kreditsicherung findet sich im Kürzel nicht wieder.

Die Deutschen und ihre Kredite

Dafür nehmen Deutsche einen Kredit auf
Veröffentlicht: 25.03.2022 / Autor: Sven Hasselberg