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So lange kann der Mensch ohne Essen überleben

vor 3 Jahren

Der Mensch braucht Wasser und Nahrung zum Überleben. Das weiß jedes Kind. Aber wann genau ist der Zeitpunkt erreicht, an dem wir ohne Essen nicht mehr überleben können?

Unter „normalen“ Bedingungen kann ein Mensch vier Tage ohne Trinken und 60 Tage ohne Nahrung überleben. Beispiele hierfür gibt es unzählige.

2006 hat der Japaner Mitsutaka Uchikoshi 24 Tage ohne Essen und Trinken überlebt, als er sich beim Wandern verlief. Als die Retter ihn fanden, war seine Körpertemperatur 15 Grad niedriger als Normal. Trotzdem wurde er nach nur wenigen Tagen gesund aus dem Krankenhaus entlassen. 2011 hat eine 56-jährige Frau in Nevada ganze 50 Tage nur mit einer Handvoll Süßigkeiten und Wasser überlebt. Sie verlor 13 Kilo.

Und das wohl berühmteste Beispiel: Mahatma Gandhi war stolze 17 Mal im Hungerstreik, wobei der längste 21 Tage andauerte. In allen Fällen überlebten es die Menschen, ohne jegliche Folgescheschäden.

Was passiert in unserem Körper?

Ob und wie lange ein Mensch ohne Nahrung auskommt bevor er stirbt, hängt von vielen Faktoren ab. Das heißt, so hart es klingt, jeder Mensch stirbt unterschiedlich schnell an Hunger. Der Biologe Prof. Joachim Gardemann erklärt uns in diesem Video, was genau in unserem Körper vor sich geht, wenn wir über einen längeren Zeitraum nichts essen:

Die Grundlage für alle heutigen Forschungen ist das Great Starvation Experiment aus dem Jahr 1944. Dabei wurden 36 Freiwillige beobachtet, die ein halbes Jahr extrem unterernährt lebten. Unterernährt heißt, ihnen wurde nur die Hälfte der benötigten Kalorien zugestanden. Damit hungerten die Freiwilligen so aus, dass sie ein Viertel ihres Körpergewichts verloren.

Dabei konnten die amerikanischen Forscher beobachten, dass der menschliche Körper schon nach einem Tag in den sogenannten Hungerstoffwechsel umschaltet. Wie bei einem Tier im Winterschlaf sinken dann Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur. Die Energie wird dann aus dem Eiweiß-Speicher, sprich der Muskulatur gezogen. Nach und nach werden die eigenen Muskeln immer weiter aufgezehrt.

Der Körper baut zuerst Muskeln ab, erst dann geht es dem Fett an den Kragen. Ist das auch aufgebracht greift unser Körper zu einer ganz besonderen Strategie: Er baut die Organe ab und macht daraus Traubenzucker, um das Gehirn am Laufen zu halten. Die Organe können bis zur Hälfte schrumpfen, nur das Gehirn bleibt unangetastet. Es sichert sich fast die ganzen Energievorräte und damit das eigene Überleben.

382 Tage ohne Essen

Aber auch die Zahl 60 ist nicht in Stein gemeißelt. Das zeigt der Fall Barbier. Der Extremfall spielte sich 1966 in Schottland ab. Dabei kam Angus Barbier ganze 382 Tage ohne Nahrung aus. Das ist ein ganzes Jahr, plus 17 Tage.

Der 26-jährige Schotte kam mit einem Gewicht 206 Kilogramm ins Krankenhaus und bat um Hilfe. Die Ärzte empfahlen ihm, eine kurze Zeit zu fasten. Kurz blieb das Ganze dann aber nicht. Berbier unterzog sich selbst einer gefährlichen Radikalkur. In diesen 382 Tagen verlor er124 Kilogramm.

Barbier aß überhaupt nichts, kam immer wieder ins Krankenhaus um seinen Blutzucker-Gehalt zu testen und zu beweisen, dass er wirklich nichts gegessen hatte. Er konnte nur überleben, da er unzähligen Vitamine und Mineralien eingenahm.

Sein erstes Essen nach 382 Tagen Fasten war ein gekochtest Ei mit Butterbrot und schwarzem Kaffee. Dann war er satt. Das ist natürlich medizinischer Wahnsinn. Ärzte raten über all auf der Welt von einer sogenannten Null-Diät ab.

Wie lange Menschen nun ohne Essen auskommen, ist aber immer noch fraglich. Ein Fall wie Barbier zeigt, dass es immer Ausnahmen zur Regel gibt.

Die Frage, wie man ohne Essen überleben kann, muss man sich dann stellen, wenn man sich in einer Ausnahmesituation befindet. Verschollen auf hoher See oder in den Bergen, verlaufen im Wald oder gestrandet auf einer Insel. Galileo hat Menschen getroffen, die in solchen Extremsituationen waren – und überlebt haben.

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