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Die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V., DEU, Berlin, 28.07.2021

Staatsschulden: Wie leiht sich ein Land Geld - und von wem?

In den vergangenen zwei Jahren nahm die Bundesregierung immer mehr Kredite auf - auch 2022 wird der deutsche Haushalt mit zusätzlichen 140 Milliarden Euro aufgestockt. Wozu müssen Staaten überhaupt Schulden anhäufen - und von wem stammen die Darlehen? Im Clip: Wie nimmt der Staat Geld auf?
Staatsschulden: Wie leiht sich ein Land Geld - und von wem?
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Das Wichtigste zum Thema Staatsschulden

  • Der Begriff Staats- beziehungsweise öffentliche Schulden meint alle von einem Land aufgenommenen, offenen Kredite.

  • Dazu zählen alle Kredite einer Nation selbst, ihrer Bundesländer, Gemeinden und Sozialversicherungen.

  • Die Staatsverschuldung wird anhand der Schuldenquote gemessen: Sie bezeichnet in Prozent das Verhältnis von den Schulden eines Landes zu seiner jährlichen wirtschaftlichen Leistung - dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wenn ein Staat beispielsweise in einem Jahr eine Milliarde Euro Schulden macht und gleichzeitig ein BIP von zehn Milliarden Euro erwirtschaftet, beträgt seine Verschuldungsrate zehn Prozent.

  • Ein Land, das sich zu hoch verschuldet hat und seine Kredite sowie die fälligen Zinsen nicht mehr zurückzahlen kann, gilt als insolvent. Man spricht dann von einem Staatsbankrott.

Warum nimmt ein Land Schulden auf?

Wie Unternehmen finanziert auch ein Staat seine öffentlichen Einrichtungen, Versicherungen, sozialen Hilfen und staatlichen Angestellten - beispielsweise Lehrer:innen oder Polizist:innen - durch Geld.

Dabei muss sich das Land aktuellen Herausforderungen wie globalen Konflikten, Umweltproblemen und dem technischen Fortschritt anpassen. Die soziale, digitale und militärische Infrastruktur muss deshalb laufend gepflegt und modernisiert werden.

Gehört ein Staat zudem internationalen Bündnissen wie beispielsweise der Europäischen Union, der OSZE oder der NATO an, hat ein Land zusätzlich noch deren gesonderte finanzielle Auflagen zu erfüllen.

Bundeswehrsoldaten der Nato-Einsatzgruppe «Enhanced Forward Presence» (eFP) stehen bei einem Besuch von Außenministerin Baerbock vor einem Panzer «Wiesel»


Die NATO verlangt von ihren Mitgliedsstaaten, dass sie mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in ihre Verteidigung investieren. Deutschland hätte demnach im Jahr 2021 rund 71,3 Milliarden Euro für die Bundeswehr ausgeben sollen - tatsächlich wurden es "nur" 47,21 Milliarden Euro.
© picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Oftmals gibt ein Staat so mehr aus, als er durch Steuergelder, Gebühren für seine Leistung und für Sozialbeiträge einnimmt - somit entsteht in seiner Kasse ein Defizit.

Damit er seine Aufgaben dennoch erfüllen und das Wohl seiner Bevölkerung weiterhin garantieren kann, hat der Staat die Möglichkeit, sich zusätzliche Geldbeträge von Kreditgebern (Gläubigern) im In- und Ausland zu leihen. Dann wird der Staat zum Schuldner.

 

Anleihen und Zinsen - so entstehen Staatsschulden

Eine Möglichkeit für ein Land, Kredite aufzunehmen, sind Staatsanleihen in der Form von Wertpapieren: Ein Staat bekommt von Gläubigern Geld ausgelegt und verpflichtet sich im Gegenzug dazu, den Betrag inklusive Zinsen innerhalb einer bestimmten Frist zurückzuzahlen.

Die Zinsen sind eine Art zusätzliche Leihgebühr, welche das Schuldner-Land zahlen muss, um das Geld erhalten zu können. Sie bedeuten jedoch auch, dass es seinen Gläubigern immer einen höheren Betrag schuldet, als es ursprünglich von ihnen geliehen bekommen hat.

Die Höhe der Zinssätze richtet sich nach der Kreditwürdigkeit eines Staates; diese hängt wiederum von seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilität ab. Es gilt: je größer das Vertrauen in seine Zahlungsfähigkeit, desto niedriger die Zinsen, die auf Anleihen angesetzt werden.

Wer sind die Gläubiger?

  • 💰

    Als Geldgeber kommen für einen Staat grundsätzlich Banken, Zentralbanken, Investmentfonds, Versicherungen sowie auch private Anleger:innen im In- und Ausland infrage.

  • 💶

    Der deutsche Bund etwa versteigert seine Wertpapiere über die Deutsche Finanzagentur an 37 ausgewählte Geschäftsbanken. Die höchstbietende Bank bezahlt für eine verzinste Staatsanleihe mit ihrem Guthaben. Sie kann das Wertpapier anschließend entweder selbst behalten, um die Zinsen einzustreichen, oder mit einem Preisaufschlag weiterverkaufen - zum Beispiel an private Investor:innen, Rentenfonds, Versicherungen oder an die Europäische Zentralbank.

  • 💸

    Viele inländische Banken und Fonds legen also einen Teil der Kundengelder in die Wertpapiere der Regierung an. Somit beinhalten Lebens- und Rentenversicherungen, Bausparverträge und Fonds-Anlagen oftmals auch Staatsanleihen. Bürger:innen, die in diese Produkte investieren, leihen also gleichzeitig auch ihrem Staat Geld.

  • 💵

    Auch im Ausland kann ein Land etwa von Zentralbanken, Staatsfonds, Versicherungen und Kapital-Anlagegesellschaften Kredite bekommen. Die Schulden gegenüber ausländischer Gläubiger können dabei gegebenenfalls auf Fremdwährungen lauten. Deutschland kann seine Kredite also statt in Euro beispielsweise auch in Dollar, Pfund oder Rubel aufnehmen.

  • 💱

    Im Umkehrschluss muss ein Staat seine Auslandsschulden sowie die anfallenden Zinsen aber auch in der vereinbarten Währung und gemäß der geltenden Wechselkurse zurückzahlen.

Wie hoch ist Deutschland verschuldet?

Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge betrug der Schuldenberg von Bund und Ländern Ende 2021 zusammen über 2,3 Billionen Euro - pro Einwohner:in entspräche das einem Betrag von 27.906 Euro. Die Schuldenquote lag bei gut 69 Prozent, im Vorjahr bei 70 Prozent.

Die Raten der vergangenen zwei Jahre waren für die Verhältnisse der Bundesrepublik allerdings ungewöhnlich hoch, was vor allem an der Corona-Pandemie lag.

Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. in Berlin


Die Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. in Berlin veranschaulicht die Staatsverschuldung der Bundesregierung. Der Wert im Foto stammt vom 28. Januar 2022.
© IMAGO / Zoonar

In 2022 sorgt Russlands Krieg gegen die Ukraine, die damit verbundenen Hilfs-, Entlastungs- und Sanktionspakete sowie das beschlossene 100 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für die Bundeswehr dafür, dass die deutschen Schulden ein weiteres Mal spürbar ansteigen - nämlich um 140 Milliarden Euro.

So erreichte die Schuldenquote hierzulande im Juni diesen Jahres mit 71,2 Prozent den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Im Vergleich mit anderen G7-Staaten steht Deutschland aber mit am besten da: Frankreichs Verschuldung hat 96 Prozent erreicht, die USA (125,57 Prozent) und Italien (132,7 Prozent) kommen etwa auf das Doppelte; Japan (254 Prozent) fast auf das Vierfache. Auch Großbritannien liegt mit 87,8 Prozent über der Bundesrepublik. Nur Russlands Quote ist mit 17 Prozent kaum zu unterbieten.

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Singapur-Flaggen an Balkonen
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Stand: 15. März 2022

Sind Staatsschulden problematisch?

Solange ein Staat in der Lage ist, seine aufgenommene Darlehen sowie die zugehörigen Zinsen fristgerecht zu tilgen, sind Schulden für ihn keine Bedrohung, sondern Teil seiner normalen Staatswirtschaft.

Erzielt ein Land beispielsweise durch die Steuerzahlungen von seinen Bürger:innen und Unternehmen mehr Gewinne als es Ausgaben hat, kann es mit dem übrigen Geld seine Verbindlichkeiten zurückzahlen und diese sukzessive abbauen.

Ein ausgeglichener Etat, bei dem der Staat auch keine neuen Kredite mehr aufnehmen muss, wird als "Schwarze Null" bezeichnet.

Deutschland hatte diesen Zustand erstmals 2014 erreicht und sieben Jahre lang gehalten - bis zum Beginn der Corona-Krise im Jahr 2020.


Wie diese Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main stand in Deutschland lange die Schwarze Null. Die Bundesregierung erreichte sie erstmals in 2014 und konnte sie sieben Jahre in Folge halten - 2018 lief die Schuldenuhr sogar rückwärts.
© picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski

Veröffentlicht: 13.06.2022 / Autorin: Laura Geigenberger