Themenseiten-Hintergrund

Süßes oder Saures: Gibt es auf der Zunge wirklich Geschmackszonen?

Du kennst bestimmt die Abbildung einer Zunge und deren Einteilung in Geschmackszonen. Die kannst du ab jetzt vergessen. Warum, erfährst du hier.

Das Wichtigste zum Thema Geschmackszonen auf der Zunge

  • In der Schule hast du bestimmt gelernt, dass die Zunge in verschiedene Geschmackszonen aufgeteilt ist. Das stimmt jedoch nicht und basiert auf einem Übersetzungsfehler.

  • Tatsache ist jedoch, dass die Zunge in der Mitte weniger Geschmacksrezeptoren hat, an den Rändern hingegen mehr. Allerdings sind die nicht in süß, salzig, sauer und bitter unterteilt, sondern können alles schmecken. Die Sinneszellen dafür befinden sich in den Geschmacksknospen auf der Zunge.

  • Der Geschmack entsteht durch das Zusammenspiel von Geruchssinn, Geschmackssinn, Tastsinn, Temperaturempfinden und Schmerzempfinden. Wie wichtig der Geruchssinn beim Schmecken ist, merkst du, wenn du Schnupfen hast.

Wie viele verschiedene Geschmacksrichtungen gibt es?

  • 🍭

    Die liebste Geschmacksrichtung der meisten Menschen ist süß. Süß steht für Zucker, und Zucker bedeutet Energie, die wir zum Leben brauchen.

  • 🍟

    Ohne Salz kann dein Körper nicht leben, deshalb zählt auch salzig zu den beliebteren Geschmacksrichtungen. Doch Vorsicht mit der Dosierung: Heutzutage sind viele Speisen völlig übersalzen, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

  • 🍋

    Sauer macht lustig, schmeckt aber nicht so gut wie süß. Sauer gilt als Warnung vor unreifen Früchten. Eine leichte Säure verleiht vielen Gerichten jedoch den Feinschliff.

  • 👅

    Bitter ist als Geschmack ziemlich unbeliebt. Das liegt daran, dass Giftstoffe meist bitter schmecken. Dennoch solltest du regelmäßig Bitterstoffe essen, denn sie regen die Funktion von Leber und Galle an. Außerdem aktiviert Bitteres die Produktion von Speichel und Magensaft.

  • 🤤

    Umami lässt sich als Geschmacksrichtung nur schwer beschreiben, denn eigentlich ist Umami einfach nur lecker. Diese 5. Geschmacksrichtung wurde erst später entdeckt und wird durch Glutamat oder die Würze von Fleisch erzeugt.

  • 🌶️

    Scharf ist übrigens keine Geschmacksrichtung, sondern ein Schmerzempfinden. Das in Chili enthaltene Capsaicin sendet ein Schmerzsignal ans Gehirn, das zur Schmerzlinderung Endorphine ausschüttet.

Wodurch entstand der Mythos der Geschmackszonen auf der Zunge?

  • Im Jahr 1901 beschrieb der deutsche Wissenschaftler David P. Hänig in seiner Arbeit "Zur Psychophysik des Geschmackssinnes" zum 1. Mal die Geschmacksrezeptoren auf der Zunge. Er fand heraus, dass die Rezeptoren in den einzelnen Zonen sensibler auf gewisse Geschmacksrichtungen reagieren. Trotzdem werden überall auf der Zunge sämtliche Geschmäcker wahrgenommen.
  • Seine visuelle Darstellung der Zonen machte auf andere Wissenschaftler jedoch den Eindruck, als könne die Zunge dort ausschließlich süß, salzig, sauer oder bitter schmecken. Zum Übersetzungsfehler kam es jedoch erst nach 40 Jahren, als der Psychologe Edwin G. Boring den missverständlichen Graphen in die Karte mit den Geschmackszonen übersetzte, wie du sie bisher kennst. Demnach könnte die Zunge vorne nur süß, an den Seiten salzig, ganz hinten bitter und dazwischen sauer schmecken. Ein Mythos, der sich bis heute hartnäckig hält.
Veröffentlicht: 11.12.2019 / Autor: Galileo

Noch mehr zum Staunen