Donald Trumps Twitter Account

Telegram, Parler, Gab: Die Kommunikations-Kanäle der Trump-Fans

Facebook, Instagram und Twitter haben US-Präsident Donald Trump gesperrt. Jetzt sucht er nach anderen Wegen, seine Anhänger zu erreichen. Die haben sich schon auf alternativen Plattformen breitgemacht.

Die Reaktionen auf die Gewalt im Kapitol

  • Nach der Stürmung des Kapitols entziehen immer mehr Social-Media-Plattformen US-Präsident Donald-Trump den Zugriff auf seine Accounts.

  • Am 6. Januar hatten Trumps Anhänger das Kapitol in der US-Hauptstadt Washington D.C. gestürmt. Zuvor hatte Trump sie bei einer Kundgebung dazu aufgefordert, zum Parlament zu marschieren und "zu kämpfen".

  • Zunächst wurden der Facebook- und der Instagram-Account von Trump gesperrt. 35 Millionen Facebook-Nutzer haben Trump abonniert, bei Instagram folgen ihm über 24 Millionen Menschen.

  • Kurze Zeit später zog Twitter nach und deaktivierte den Account von Trump dauerhaft. Twitter galt lange Zeit als Trumps Lieblingsmedium, hier hatte er knapp 89 Millionen Follower.

  • Inzwischen haben zahlreiche große US-Unternehmen Trump nach der Gewalt im Kapitol stark kritisiert und einigen republikanischen Abgeordneten die finanzielle Unterstützung entzogen.

  • Trump hatte in der Vergangenheit damit 'gedroht', seine Anhänger auch über weniger bekannte Social-Media-Plattformen zu erreichen. Die nutzen bereits Messenger wie Telegram oder Plattformen wie Parler.

Telegram hat in den letzten Monaten seinen größten Boom erlebt. Auch in Deutschland ist die App gefragter denn je. Doch was macht den Messenger-Service für Nutzer so attraktiv? Ist die App wirklich besser und sicherer als andere Dienste? Und werden über Telegram wirklich Verschwörungstheorien verbreitet?

Nutzt du Telegram?

Telegram und andere Messenger - wo liegen die Unterschiede?

  • 📲

    Der größte Unterschied zwischen Whatsapp und Telegram: Reichweite innerhalb des Messengers. Bei Telegram können Nutzer Blog-ähnliche Kanäle einrichten - die Zahl der Teilnehmer ist nicht beschränkt.

  • 💬

    Telegram löscht keine Hassreden oder falsche Nachrichten, lediglich gegen Urheberrechtsverletzungen geht der Dienst vor.

  • 🇷🇺

    Hinter Telegram steckt das russische Brüderpaar Pawel und Nikolai Durow.

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    Beide standen auch schon im Visier der russischen Regierung, weil ihre erste Social-Media-Plattform VKontakte vor allem bei russischen Oppositionellen beliebt war.

  • 🤳

    Inzwischen leben die Durow-Brüder in Dubai – und bieten mit Telegram immer wieder Oppositionellen die Möglichkeit, verschlüsselt und geschützt vor dem Zugriff von Machthabern zu kommunizieren.

  • 🔊

    Demonstranten sowohl in Hongkong als auch in Weißrussland nutzten Telegram, um sich auszutauschen. Zwar versuchten die jeweiligen Regierungen, den Messenger zu sperren, scheiterten aber damit.

Darum steht Telegram in der Kritik

  • In der Vergangenheit galt Telegram als beliebter Messenger bei Anhängern der Terrororganisation IS. Die Telegram-Verantwortlichen beteuern, die Kanäle mit IS-Propaganda blockiert zu haben.

  • Vor allem die Kanäle bieten Verschwörungstheoretikern wie Attila Hildmann eine große Reichweite. Hildmann soll eine sechsstellige Zahl an Abonnenten haben.

  • Auch Anhänger der QAnon-Bewegung erreichen über Telegram viele Menschen mit ihrer Verschwörungstheorie.

  • Rechtsextreme machen sich die Redefreiheit auf den Plattformen zunutze, gegen Menschen zu hetzen und sich zu Straftaten zu verabreden. Außerhalb von Social Media endet die Redefreiheit in Rechtsstaaten dort, wo andere Menschen diskriminiert und gegen sie gehetzt werden.

Trump-Content auf der inzwischen offline gegangenen Social-Media-Plattform Parler.

Die Geschichte von Parler

  • Parler galt vor allem unter Rechten als Social-Media-Alternative zu Twitter und Facebook. Es gab keine Richtlinien gegen Hass-Kommentare - mit dem Hinweis auf die Redefreiheit.

  • Zeitweise soll das Netzwerk bis zu 10 Millionen registrierte Nutzer gehabt haben. Zum Vergleich: Twitter wird von 186 Millionen Menschen aktiv genutzt - pro Tag.

  • Finanziert wurde die Plattform von Rebekah Mercer, Tochter des US-Milliardärs Robert Mercer. Die Familie steht Donald Trump nahe und finanzierte auch schon die rechtsextreme Nachrichtenseite "Breitbart".

  • Nachdem bekannt geworden war, dass sich zahlreiche Angreifer auf das Kapitol über Parler abgesprochen hatten, entfernten zunächst Google und Apple die App aus ihren App-Stores. Anschließend verbannte Amazon den Dienst von seinen Servern.

  • Dadurch ging Parler offline - die dort geposteten Gewaltaufrufe könnten für die ehemaligen Nutzer trotzdem noch zum Problem werden: Eine Hackerin hat alles gesichert, was rund um die Gewalt im Kapitol gepostet wurde - und will das den Behörden zur Verfügung stellen.

Welche Kanäle kann Trump noch nutzen?

  • 💻

    Auch Streaming-Service Twitch oder die Diskussions-Plattform Reddit sperrten Trumps Kanäle und Communitys.

  • Eine Twitter-Alternative ist der Kurznachrichtendienst Gab, schon jetzt vor allem bei Rechten beliebt. Allerdings hat auch Gab Mühe, Hosting-Anbieter für die eigenen Server zu finden.

  • ⌨️

    Kurz nach seiner Sperrung bei Twitter deutete Trump an, eine "eigene Plattform" aufzubauen.

  • ⛔️

    Nach den Gewalt-Attacken auf das Kapitol allerdings könnten sich große Unternehmen weiter gegen Trumps Hassbotschaften positionieren. Und ohne Google, Apple und Amazon wird es schwierig, eine erfolgreiche eigene Social-Media-Plattform aufzubauen.

Veröffentlicht: 14.01.2021 / Autor: Johannes Huyer