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Tschernobyl Folgen für Deutschland Spielplatz geschlossen

Tschernobyl: Welche Folgen hatte die Nuklear-Katastrophe für Deutschland?

Nuklearwolken brachten radioaktive Stoffe von Tschernobyl bis zu uns. Eine unsichtbare Gefahr für die Gesundheit. Manche Gebiete, Tiere und Pilze strahlen noch immer - 35  Jahre nach dem größten Reaktor-Unfall der Geschichte.
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Radioaktivität und ihre Folgen

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    Radioaktivität heißt, dass Atomkerne zerfallen. Als Folge davon wird Strahlung frei. Das Tückische: Strahlung ist unsichtbar. Du kannst sie auch nicht schmecken, hören oder riechen.

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    Treffen ionisierende Strahlen auf den Körper, attackieren sie biologische Zellen und schädigen diese - je nach Zeitraum und Dosis der Strahlung. Sie verändern sogar die DNA, also das Erbgut.

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    Kommt Radioaktivität auch in der Natur vor? Ja, wir nehmen sie etwa über Nahrungsmittel auf und wir atmen das Edelgas Radon mit der Luft ein.

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    Die Explosion in Tschernobyl setzte schätzungsweise das 200-Fache an Radioaktivität frei wie der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zusammen.

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    Über Nuklearwolken gelangten radioaktives Cäsium und Jod von der Ukraine bis nach Deutschland. Wo es regnete, spülte der Regen die Substanzen in den Boden (siehe Grafik unten). Besonders süddeutsche Gebiete verseuchte der "Fallout".

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    Spielplätze wurden geschlossen, Kühe durften nicht mehr auf die Weide, Landwirte mussten ihre Ernte wegen der Strahlenbelastung vernichten.

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    Mögliche gesundheitliche Folgen von hoher Strahlenbelastung: (Schilddrüsen-)Krebs, Leukämie, Schädigung des Fötus in der Schwangerschaft, Leukämie, gerötete Haut.

So viele Opfer gab es nach dem Super-GAU

Welche Folgen hatte eigentlich der Super-GAU in Tschernobyl. Wir haben es für euch in einer Info-Grafik zusammengefasst.

35 Jahre später: So verstrahlt sind Wald und Wild

Wie gefährlich ist Radioaktivität?

Radioaktivität ist unsichtbar und brandgefährlich. Wir erklären, was für Folgen ein Desaster wie zum Beispiel das in Tschernobyl für deinen Körper hätte.

Die Folgen der Atom-Katastrophe für Menschen in Deutschland

Strahlenbelastung

Die Strahlenbelastung von Menschen in Deutschland beträgt heute laut Bundesamt für Strahlenschutz etwa 2,1 Millisievert pro Jahr. Der Wert wird davon beeinflusst, wo eine Person wohnt, was sie isst und wie sie lebt.

Der Unfall von Tschernobyl macht sich heute mit weniger als 0,01 Millisievert bemerkbar. Die Anzahl der Mess-Stationen für Radioaktivität nahm nach Tschernobyl deutlich zu.

Messsonde Radioaktivität


Diese Anlage des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) auf dem Schwarzwaldberg Schauinsland bei Freiburg in 1.195 Metern Höhe misst Radioaktivität in der Luft.
© picture alliance/dpa | Patrick Seeger

Ernährung

1986 mussten Landwirtinnen und Landwirte tonnenweise verseuchtes Obst, Milch und Gemüse vernichten. Die Ackerböden erholten sich aber vergleichbar schnell, da dort viele Tonminerale vorkommen. Diese binden radioaktive Substanzen.

Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurden Grenzwerte für Strahlung in Lebensmitteln eingeführt: Heute gilt der Wert von 600 Becquerel pro Kilogramm.

Frauen kontrollieren nach tschernobyl Gemüse auf Radioaktivität


1986: Diese Frauen kontrollieren Gemüse auf Radioaktivität.
© picture-alliance / Thomas Wattenberg

 

Humushaltige Waldböden sind teils bis heute belastet. Dort verdünnen und vermischen sich radioaktive Substanzen weniger und sind zudem mehr an der Oberfläche. Pflanzen und Pilze nehmen radioaktives Cäsium leichter auf. Fressen dann Wildtiere die Pflanzen, können sie ebenfalls belastet sein.

Wildschweine strahlen am stärksten. Sie wühlen mit ihren Nasen tief im Boden auf der Suche nach Trüffeln. Wildschweine aus Risikogebieten (siehe Grafik) prüfen Fachleute mit Detektoren auf radioaktives Cäsium, damit kein kontaminiertes Wildfleisch auf den Markt gelangt.

Cäsium messen beim Wildschwein Tschernobyl Folge


Dieser Mann prüft ein totes Wildschwein auf radioaktives Cäsium.

Gesundheitliche Folgen

In Deutschland war die Strahlenbelastung nach Tschernobyl nicht so hoch, dass Menschen an den direkten Folgen gestorben sind. In der Ukraine starben aufgrund des Reaktorunfalls mehr Kinder an Schilddrüsenkrebs. In West-Berlin gab es 9 Monate später einen Anstieg an Neugeborenen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom).

Langfristige Strahlenschäden lassen sich nur schwer ermitteln. Ärzte können nicht unterscheiden, ob ein Tumor aufgrund von Strahlung oder anderen Ursachen wächst. Zudem bilden sich Tumore häufig erst Jahre später. Ein Zusammenhang lässt sich dann nicht mehr sicher herstellen. Statistiken können Hinweise auf Strahlungsschäden geben, wenn es in einem Zeitraum etwa signifikant mehr Krebsfälle gibt.

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Die Wolke über Deutschland

26. April 1986: Als es zur Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl kommt, haben die BRD und DDR völlig unterschiedliche Strategien, mit der Krise umzugehen und die Bevölkerung zu informieren.

Veröffentlicht: 19.04.2021 / Autor: Alena Brandt