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Und es hat Zoom! gemacht. Wie entsteht eigentlich Liebe?

Wie wird unsere Partnerwahl gesteuert? Warum finden wir bestimmte Menschen attraktiv und andere nicht? Und was passiert in unserem Körper, wenn wir uns verlieben?
Teaserbild: Und es hat Zoom! gemacht. Wie entsteht eigentlich Liebe?

Das Wichtigste zum Thema Verlieben

  • Auch wenn die Forschung der Liebe immer mehr auf den Grund geht: Warum es bei manchen klick macht und bei anderen nicht, bleibt ein Geheimnis.

  • Studien sagen aber: Beziehungen entstehen oft zwischen Menschen, die sich äußerlich ähnlich sehen. Viele Paare haben ähnliche Gesichtszüge.

  • Neben äußerlichen Merkmalen spielt auch die Biologie eine entscheidende Rolle dabei, ob es funkt oder nicht.

  • 53 Prozent der Deutschen haben schon einmal online nach einer neuen Liebe gesucht. 90 Prozent der Singles, die aktiv nach einem Partner suchen, nutzen dazu das Internet.

  • Die Algorithmen bei Partner-Websites zielen vor allem darauf ab, die "soziale Kompatibilität" der potenziellen Partner zu überprüfen, d.h. passen Alter, Bildung, Humor, Lebenseinstellung, Interessen etc. zusammen.

Worauf Männer und Frauen bei der Partnerwahl achten

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    Männer achten stärker als Frauen auf das Aussehen ihrer potentiellen Partnerin. In einer BBC-Umfrage nannten sie "gutes Aussehen" gleich hinter "Intelligenz".

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    Männer finden meist Frauen attraktiv, deren Gesichter und Körper besonders symmetrisch sind. Evolutionsforscher meinen: Gleichmäßig geformte Gesichter oder Brüste sind ein Zeichen für Fruchtbarkeit.

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    Mehrere Studien zeigten: Frauen finden Männer toll, die größer als sie selbst sind und einen muskulösen Körper haben. Außerdem gefällt Frauen ein Mann ohne eine sichtbare Taille.

  • Männer finden Frauen mit einer Figur in Sanduhr-Form sexy, d.h. mit schmalerer Taille als Hüfte.

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    Bei Frauen ist die Partnerwahl auch zyklusabhängig: Während ihrer fruchtbaren Tage stehen sie auf größere Männer mit markanten Gesichtszügen und tiefen Stimmen. Vor und nach dem Eisprung wählen sie lieber Männer mit eher femininen Gesichtszügen, die als gute Versorger gelten, wie Evolutionspsychologen es deuten.

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    Immer noch gilt: Geld und Status machen einen Mann für Frauen attraktiv. Jüngeren Frauen scheint Geld jedoch immer weniger wichtig zu sein. Hier entwickelt sich mehr Gleichberechtigung in der Partnerwahl.

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    Interessanter Unterschied: In einer Studie sahen die Probanden, die auf der Suche nach Liebe/einer Beziehung waren, der potenziellen Partnerin eher ins Gesicht - und die, die auf Sex aus waren, achteten eher auf den Körper.

"Wir finden Menschen attraktiv, deren DNA sich von unserer besonders stark unterscheidet" - Interview mit Tamara Brown, Mit-Gründerin von GenePartner*

  • Eine Redewendung sagt, dass man jemanden "gut riechen" kann. Ist das auch bei der Partnerwahl wichtig?

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    Auf jeden Fall. In einer Studie der Universität Bern bewerteten Frauen die Männer als besonders attraktiv, deren Körpergeruch sie an einem T-Shirt besonders mochten.

  • Und was verrät uns der Geruch über einen potenziellen Partner?

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    Am Körpergeruch prüfen wir beim Gegenüber unbewusst, ob er hinsichtlich der immungenetischen Ausstattung zu uns passt oder nicht.

  • Und gilt bei den Genen auch: "Gleich und gleich gesellt sich gern?"

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    Nein, im Gegenteil: Wir finden generell die Menschen attraktiver, deren DNA sich von unserer eigenen am meisten unterscheidet. Das ist vor allem, wenn es um gemeinsame Nachkommen geht, evolutionsbiologisch sinnvoll.

* Die Partner-Vermittlung analysiert die biologische Kompatibilität zwischen 2 Menschen.

Das passiert in deinem Gehirn, wenn du verliebt bist

© iStock / Getty Images Plus

 

Mit dem Herzen hat die Liebe rein körperlich wenig zu tun - sie findet vielmehr im Gehirn statt. Dort wird dein Belohnungszentrum aktiviert, besonders der Hypothalamus im Zentrum des Gehirns. Der Körper produziert jetzt besonders viel vom Glückshormon Dopamin – ein ähnlicher Zustand wie im Drogenrausch. Frischverliebte sind geradezu süchtig nacheinander, von deinem Partner kannst du jetzt gar nicht genug bekommen.

Und warum schlägt dein Herz so stark, wenn du deinem oder deiner Angebeteten nahe kommst? Das liegt an den Stresshormonen, die du jetzt ebenfalls ausschüttest, vor allem Adrenalin. Das macht außerdem zerstreut und unkonzentriert – aber auch mutiger! Damit die Liebe länger hält, produziert der Körper Oxytocin, das Bindungshormon. Es wird auch "Kuschelhormon" genannt. Ausgestoßen wird es vor allem bei Sex und Zärtlichkeiten.

Warum prägt uns die erste Liebe so stark? Antworten von Psychologin Felicitas Heyne*

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    Zum einen - ganz banal! - einfach deshalb, weil es die erste ist. Und alles, was wir zum ersten Mal erleben, fühlt sich für uns neu und besonders intensiv an. Neue Erfahrungen stimulieren die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin in unserem körpereigenen Belohnungssystem besonders stark.

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    Die Evolution hat dafür gesorgt, dass sich Erfahrungen und Erlebnisse, die mit sehr intensiven Emotionen verbunden sind, besonders tief in unser Gedächtnis eingraben. Und welches Ereignis könnte schon emotional positiver aufgeladener sein als das erste „Ich liebe dich“?

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    Dazu kommt, dass für die meisten von uns die erste Liebe in eine Zeit fällt, die sowohl hormonell als auch entwicklungspsychologisch ohnehin das reinste Chaos darstellt: die Pubertät. In dieser Zeit finden massive Umbauprozesse im Gehirn statt. Leicht vorstellbar, was für einen Effekt die Erfahrung einer ersten Liebe auf diese „Großbaustelle“ im Kopf hat!

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    Noch ein wichtiger Punkt: Wenn wir uns das erste Mal verlieben, haben wir noch keine Vergleichsmarken im Kopf, d. h. die erste Liebe hat das große Plus, dass sie konkurrenzlos an den Start gehen kann. Ein klarer Wettbewerbsvorteil.

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    Die Jahre zwischen 15 und 25, in die die erste Liebe meist fällt, haben viel mit unserer Identitätsbildung zu tun. Das macht sie insgesamt zu einer sehr prägenden Zeit; alle Erfahrungen sind jetzt besonders bedeutsam und werden detaillierter gespeichert als spätere Erinnerungen.

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    Last but not least sind wir Menschen unverbesserliche Nostalgiker: Im Rückblick neigen wir dazu, sämtliche Erinnerungen positiv zu verklären. Die Vergangenheit erscheint den meisten von uns deshalb viel rosiger, als sie tatsächlich war.

Unter heyne.com bietet sie eCoaching, in ihrer Praxis in Annweiler am Trifels persönliche Beratung.

Fragen, die verliebt machen sollen

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    Laut einer amerikanischen Studie kann man sich mit nur 36 Fragen und 4 Minuten In-die-Augen-Sehen mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieben. Das sagt zumindest US-Sozialpsychologe Arthur Aron. Die Fragen sollen besondere Nähe zum Gegenüber herstellen. Was das für Zauber-Fragen sind? Hier ein paar Beispiele:

  • Wenn du dir eine Person auf der Welt aussuchen könntest: Wen hättest du gern als Gast zum Abendessen?

  • Wärst du gerne berühmt?

  • Wann hast du das letzte Mal gesungen?

  • Wie würdest du einen perfekten Tag gestalten?

  • Welche Fähigkeit hättest du gerne?

  • Dein Haus steht in Flammen. Welchen Gegenstand würdest du retten wollen?

Veröffentlicht: 05.12.2019 / Autor: Ischta Lehmann

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