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"Bist du ein Rassist?" 10 Fragen an einen Trump-Wähler

US-Präsident Donald Trump oder Herausforderer Joe Biden - bei der US-Präsidentschaftswahl steht viel auf dem Spiel. Wer wen wählt, wer keine Stimme hat und welche Gruppe die Wahl entscheiden könnte. Im Clip: Wir haben einem Trump-Wähler 10 direkte Fragen gestellt.
Teaserbild: "Bist du ein Rassist?" 10 Fragen an einen Trump-Wähler

Die Wähler in den USA

  • In den USA leben etwa 328 Millionen Menschen, etwa 230 Millionen sind wahlberechtigt. Die genaue Zahl ist schwierig festzustellen, da es in den USA keine Meldepflicht gibt.

  • Jeder Bürger in den USA muss sich für die Wahl registrieren lassen. Die Registrierung vor dem Wahltag gilt als ein Grund für die traditionell geringe Wahlbeteiligung.

  • Wahlberechtigt ist jeder US-Bürger, der mindestens 18 Jahre alt ist und in einem US-Bundesstaat wohnt. Auch im Ausland lebende US-Amerikaner dürfen abstimmen.

  • Nicht wählen dürfen beispielsweise Gefängnis-Insassen. In manchen Bundesstaaten bekommt man das Wahlrecht auch nach Verbüßen der Haftstrafe nicht zurück. 6 Millionen US-Bürger sollen deswegen nicht wählen dürfen.

  • Die Wahlbeteiligung bei den letzten 5 US-Präsidentschaftswahlen lag zwischen 51 und 60 Prozent.

  • Zum Vergleich: Bei den Bundestagswahlen im gleichen Zeitraum beteiligten sich zwischen 70 und 79 Prozent der Wähler.

Geschafft! Diese US-Wähler und -Wählerinnen haben ihre Stimme schon am 26. Oktober in Ontario (Kalifornien) abgegeben. Das ist gar nicht so einfach. Denn nicht jeder darf hier automatisch wählen.

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So schwierig ist es, in manchen Bundesstaaten zu wählen

  • Großen Einfluss auf die Wahl an sich hat die Corona-Pandemie. So blieben schon bei den Vorwahlen im Sommer viele Wahllokale geschlossen. Die Folge: Lange Schlangen an den übrigen.

  • Da unter der Woche gewählt wird, können es sich gerade Geringverdiener oft nicht leisten, mehrere Stunden oder gar den ganzen Tag vor dem Wahllokal anzustehen.

  • Wegen Budget-Kürzungen werden vor allem in Vierteln, in denen unter anderem Afroamerikaner leben, die Wahllokale geschlossen.

  • Auch ein in manchen Bundesstaaten erforderliches Identifikations-Dokument schließt vor allem Minderheiten von der Wahl aus. Denn zahlreiche Amerikaner besitzen keinen Personalausweis.

  • Wegen der Corona-Pandemie setzen viele US-Bürger auf die Briefwahl. Das könnte zu großen Verzögerungen bei der Auszählung führen, da die US-Post zuletzt sparen und unter anderem Sortiermaschinen abbauen musste.

Diese Gruppe könnte die Wahl entscheiden

Großen Einfluss auf den Ausgang der Wahl könnte die Gruppe der Nicht-Wähler haben. Von etwa 230 Millionen Wahlberechtigten haben 2016 etwa 100 Millionen keine Stimme abgegeben.

Demonstranten in New York werben für neue Wähler


Demonstranten in New York werben für neue Wähler. Wegen der Corona-Krise konnten die Bürger dieses Jahr ihre Stimme beim "Early Voting" vor dem offiziellen Wahltag abgeben.
© imago images/ZUMA Wire

Beobachter erwarten, dass eine geringe Wahlbeteiligung eher den Republikanern um Trump hilft - denn viele Nicht-Wähler sind Anhänger der Demokraten.

3 Wochen vor der Wahl hatten bereits 10 Millionen Amerikaner per Briefwahl abgestimmt. Das könnte auf eine ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung hindeuten.

Bist du eher Demokrat oder Republikaner? Hier findest du es heraus!

Typische Wähler der Republikaner

  • 🗳

    Der typische Trump-Wähler wird oft als weiß, männlich und Arbeiter beschrieben.

  • 📊

    Eine Studie der Universität Pennsylvania zeigte, dass diese Wählergruppen vor allem in ländlichen Regionen leben - allerdings nicht selbst vom ökonomischen Abstieg bedroht sind.

  • 🇺🇸

    Eine große Gruppe der Trump-Wähler hat der Studie zufolge Angst, dass irgendwann Weiße in der Minderheit sein werden. Auch fürchten sie sich vor einem wirtschaftlichen Absturz des Landes und vor Veränderung.

  • 🙏🏻

    Unterstützt wird Trump von den Religiösen. Über 70 Prozent der weißen Evangelikalen wollen laut Umfragen für den amtierenden Präsidenten stimmen.

Typische Wähler der Demokraten

  • 🗳

    Im Gegensatz zur Gruppe der Trump-Wähler sind die Biden-Anhänger sehr viel heterogener: Minderheiten wie Afro-Amerikaner gehören dazu, aber auch Gutverdiener aus Großstädten wie New York, San Francisco und Los Angeles.

  • 💙

    Bei vielen Afroamerikanern ist Joe Biden vor allem wegen seiner Zeit als Vizepräsident an der Seite von Ex-Präsident Barack Obama beliebt. Auch die Nominierung von Kamala Harris als Vizepräsidentin brachte Biden brachte ihm viele Sympathien ein.

  • 🗯

    Auch viele Latinos sind auf Seiten der Demokraten, vor allem dank Abgeordneten wie Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders.

  • 🇺🇸

    Traditionell sind die Demokraten an der Ost- und Westküste stark. Im Westen von Kalifornien bis nach Washington, im Osten von Virginia bis Massachusetts.

  • 📚

    Mit einem Programm gegen die Klimaerwärmung und der Unterstützung der Anti-Rassismus-Proteste versucht Biden auch viele junge Menschen auf seine Seite zu ziehen.

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"Trump ist ein Friedens-Präsident" (Trump-Wähler)

Trump hat als Präsident keine neuen Kriege begonnen, kündigte zuletzt den Abzug aller in Afghanistan stationierten US-Soldaten an und ließ auch in Syrien US-Stellungen räumen. Militärische Schläge gab's in seiner Amtszeit aber schon: So ließ er den iranischen General Kassem Soleimani durch einen gezielten Luftschlag töten, was den Konflikt mit dem Iran verschärfte.

"Die USA haben am stärksten den CO2-Ausstoß verringert, ohne Arbeitsplätze zu vernichten. So wie es im Pariser Abkommen formuliert war, hätte es viele Arbeitsplätze gekostet." (Trump-Wähler)

Trump begründete den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen mit dem befürchteten Verlust von 2,7 Millionen Arbeitsplätzen bis 2025. Dabei stützt er sich auf eine umstrittene Studie, die mögliche neu entstehende Jobs durch erneuerbare Energien nicht mitrechnet.

Führend bei der CO2-Reduzierung sind übrigens nicht die USA. Laut Zahlen der Internationalen Energie-Agentur IEA haben beispielweise Japan und Deutschland in den vergangenen Jahren prozentual mehr CO2 eingespart.

"Trump hat für Schwarze so viel getan wie kein Präsident seit Kennedy." (Trump-Wähler)

Trump behauptete selbst: "Ich habe mehr für die afroamerikanische Community getan als jeder Präsident seit Abraham Lincoln." Tatsächlich lag die Arbeitslosigkeit unter Afroamerikanern Ende 2019 bei unter 6 Prozent. Allerdings sank der Wert schon vor Trumps Amtszeit unter Präsident Barack Obama kontinuierlich und lag Ende 2016 unter 8 Prozent.

Die Zahl der armen Haushalte von afroamerikanischen Menschen ist seit Jahren rückläufig. Aber auch dieser Trend setzte bereits in Obamas Amtszeit ein. Auch die Kriminalitätsrate sinkt seit Jahren - besonders im afroamerikanischen Milieu.

Gegen Trump als besten Präsidenten für die Afro-Amerikaner spricht für viele Experten, dass seine aggressive Rhetorik und Maßnahmen die Rassismus-Konflikte im Land weiter anheizen.

"Trump ist nicht homophob ... Er hat schwule Botschafter entsandt." (Trump-Wähler)

Trump versprach zwar vor seiner Präsidentschaft, sich für die Rechte der LGTB-Gemeinschaft einzusetzen, doch dann folgten Einschränkungen der Rechte von Homo- und Transsexuellen. So erließ er ein Verbot von Transgender-Rekruten beim US-Militär. Auch verbot er Transgendern die freie Wahl von Toiletten an staatlichen Schulen und Universitäten und will ihnen den Zugang zu Gesundheits-Diensten und Obdachlosenheimen verwehren. Andererseits hat er 2018 einen Homosexuellen zum deutschen Botschafter ernannt.

"In Deutschland leben über 120.000 wahlberechtigte US-Amerikaner." (Biden-Wählerin)

Tatsächlich leben rund 120.000 US-Bürger in Deutschland, 21.000 davon in Berlin. Insgesamt schätzt das US-Außenministerium die Zahl der im Ausland lebenden „Expats" auf fast 9 Millionen.

Veröffentlicht: 03.11.2020 / Autor: Johannes Huyer