Black Lives Matter Special

Der lange Kampf gegen Rassismus

Der Kampf gegen strukturellen Rassismus und Polizeigewalt in Amerika bestimmt immer wieder die Nachrichten. Wir stellen dir die Heldinnen und Helden im Kampf für die Gleichberechtigung und die historischen Wurzeln des Rassismus in den USA vor.
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Das Wichtigste zum Thema Pioniere im Kampf gegen Rassismus

  • Der Tod von George Floyd am 25. Mai 2020 führte zu weltweiten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

  • Es war nicht der erste Fall von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner:innen. Der Kampf gegen Rassismus scheint dadurch aber wieder neu entflammt.

  • Die Bürgerrechtsbewegung in den USA hat eine lange Geschichte, die auf die Ursünde des Landes zurückgeht: die Sklaverei.

  • Wir stellen die Helden der Bürgerrechtsbewegung vor und zeigen, wie die afroamerikanische Bevölkerung seit Jahrhunderten um Gleichberechtigung kämpft.

Malcom X, Martin Luther King Jr. und Rosa Parks - die Pioniere gegen Rassismus

Malcom X, Martin Luther King Jr. und Rosa Parks - die Pioniere gegen Rassismus

Für Menschenrechte und gegen Rassismus: Malcom X, Martin Luther King Jr. und Rosa Parks haben ihr Leben dem Kampf für die Gerechtigkeit gewidmet. Wir machen eine Zeitreise in die 60er Jahre und erzählt ihre Geschichten.

So unmenschlich wurden Afrikaner:innen in die USA verschifft

Eine Zeichnung eines Schiffes, das versklavte Menschen nach Amerika brachte.

Sklaverei: Die Ursprünge des strukturellen Rassismus gegen Afroamerikaner:innen

Sklaverei ist untrennbar mit der Geschichte Amerikas verbunden: Ab dem späten 16. Jahrhundert entstand ein globales Handelsnetz, das über den Seeweg versklavte Afrikanerinnen und Afrikaner nach Amerika verschleppte. In den USA waren sie nicht mehr als "billige Arbeitskräfte" für die weißen Großgrundbesitzer.

Erst mit dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs endete 1865 auch die Sklaverei in den USA. Damals verabschiedete der Kongress den 13. Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung, der Sklaverei verbot. Zu dem Zeitpunkt lebten allein in den Südstaaten mehr als 4 Millionen versklavte Afroamerikaner:innen.

Doch auch die nun befreiten Sklavinnen und Sklaven waren höchstens formal amerikanische Bürger:innen. In einigen Staaten begann die Zeit der Segregation, also der strukturellen Trennung von Weißen und Schwarzen. Das bedeutete zum Beispiel getrennte Toiletten oder Sitzplätze in öffentlichen Bussen.

Bis Rosa Parks nach Hause fuhr

Rosa Parks sitzt 1955 in einem Bus. So alltäglich wie mutig - und der Beginn der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Die wichtigste Busfahrt der Geschichte: der Beginn der Bürgerrechtsbewegung

Der 1. Dezember 1955 ist ein ganz normaler Donnerstag in Montgomery, Alabama. Bis Rosa Louise McCauley Parks zur Rush Hour in den öffentlichen Bus einstiegt. Im Bus sind die ersten 10 Sitzplätze für Weiße reserviert. Rosa Parks setzt sich in die erste Reihe für "Nicht-Weiße".

Als sich der Bus zu füllen beginnt und die weißen Fahrgäste keinen Sitzplatz mehr finden, wird die damals 42-Jährige aufgefordert, ihren Platz freizumachen. Parks weigert sich. Und wird deswegen verhaftet.

Als Reaktion weigerten sich die Afroamerikaner:innen in Montgomery zwischen dem 5. Dezember und 20. Dezember weiter die öffentlichen Busse zu benutzen: der "Montgomery Bus Boykott". Bis das oberste amerikanische Gericht schließlich die Segregation in öffentlichen Bussen aufhob. Rosa Parks war bis zu ihrem Tod 2005 in den USA als "Mother of the Civil Rights Movement" bekannt.

Aus dem Umfeld von Rosa Parks ging einer der wichtigsten Anführer der Bürgerrechtsbewegung hervor: Pfarrer Martin Luther King.

Die Kraft der Worte: Martin Luther King Junior

Martin Luther King während seiner berühmtesten Rede: "I have a dream".

Die vielleicht größte Rede aller Zeiten: der Traum von einer besseren Welt

"I have a dream..." - wenige Sätze sind so sehr im kollektive Gedächtnis verankert wie diese 4 Worte, die Martin Luther King Junior am 28. August 1963 vor dem Lincoln-Denkmal in Washington sprach. Die Rede war Teil des "March on Washington for Jobs and Freedom" (Demonstration für Arbeit und Freiheit).

In der Rede beschreibt King ein Amerika ohne Rassentrennung und Rassismus. Voller Hoffnung und vor allem: ohne Hass. Um aus diesem Traum Realität werden zu lassen, setzte er auf zivilen Ungehorsam. Gewalt lehnte King strikt ab. Ein Jahr nach dieser Rede erhielt er den Friedensnobelpreis.

Martin Luther King Junior wurde am 4. April 1968 in Memphis, Tennessee, Opfer eines Attentats. Auf Kings Ermordung folgten Krawalle in mehr als 100 Städten, bei denen 39 Menschen starben.

Martin Luther King: 5 Geheimnisse um den Bürgerrechtler

Martin Luther King: 5 Geheimnisse um den Bürgerrechtler

"I have a dream!" Mit diesen Worten ist Martin Luther King in die Geschichte eingegangen. Dabei wäre die weltbekannte Rede fast nicht zustande gekommen. Galileo hat 5 Geheimnisse rund um den Bürgerrechtler ausgegraben.

Kein Friede ohne Freiheit: Malcom X

Der Bürgerrechtler Malcom X glaubte nicht mehr an den friedvollen Protest.

Die "Islam of Nation" und die gewaltsame Seite der Bürgerrechtsbewegung

Gleichberechtigung mit friedlichen Mitteln erreichen - das war für Malcom X keine Option mehr. Zu lange habe das "weiße Amerika" gezeigt, dass es nicht bereit ist, der schwarzen Bevölkerung Rechte zukommen zu lassen. Er rief seine Anhänger:innen auf, sich gegen die Unterdrückung zu verteidigen. "By any means necessary", wie er sagte, also mit allen nötigen Mitteln. Gewalt eingeschlossen.

Malcom X kritisierte daher Martin Luther King scharf. Angesichts von Lynchmorden an schwarzen Amerikaner:innen sei ein Ende des strukturellen Rassismus nicht zu erreichen, indem man höflich darum bittet, argumentierte er.

Malcom X prägte die "Nation of Islam", deren Ziel als religiös-politische Gruppe ein eigener Staat für die schwarze Bevölkerung der USA war. Die "Nation of Islam" gibt es heute noch, sie wird unter anderem wegen anti-semitischer Standpunkte von jüdischen Nichtregierungs-Organisationen kritisiert.

Wie Martin Luther King wurde auch Malcom X Opfer eines tödlichen Attentats. Nachdem er sich von der "Nation of Islam" abgewandt hatte, feuerten 3 Täter während einer Rede insgesamt 21 Schüsse auf ihn ab. Einer wurde gefasst und gab an, dass er das Attentat aus Vergeltung für Malcoms Kritik an dem damaligen Führer der "Nation of Islam" ausgeführt habe.

Black Power: Tommie Smith und John Carlos

Tommie Smith und John Carlos erheben bei ihrer Siegerehrung bei den Olympischen Spielen 1968 ihre Faust in den Himmel: das Zeichen der Black Power-Bewegung.

So politisch wie 1968 waren die Olympischen Spiele nie wieder

Das olympische Finale im 200-Meter-Lauf, 16. Oktober 1968: Tommi Smith gewinnt in Weltrekordzeit Gold für die USA, John Carlos Bronze. Doch dafür wird dieser Tag nicht in die Geschichte eingehen. Sondern für die folgende Siegerehrung.

Zur Nationalhymne senken die beiden ihre Köpfe und heben eine Faust mit schwarzen Handschuhen in den Himmel. Der Gruß der "Black Power"-Bewegung. Selten war ein Moment bei den olympischen Spielen politischer. Dem Olympischen Komitee gefiel das gar nicht. Die beiden Athleten wurden daraufhin von den Spielen ausgeschlossen.

Die "Black Power"-Bewegung war aus der Bürgerrechtsbewegung hervorgegangen und kämpfte für wirtschaftliche Teilhabe sowie politische und kulturelle Institutionen für Afroamerikaner:innen.

Der Mord an Trayvon Martin und der Beginn der #BlackLivesMatter-Bewegung

Demonstrantinnen und Demonstranten fordern Gerechtigkeit für den erschossenen Trayvon Martin.

#BlackLivesMatter: die Bürgerrechtsbewegung im Internetzeitalter

Trayvon Martin wurde nur 17 Jahre alt. Als er 2012 Verwandte in Sanford, Florida, besuchte, erschoss ihn ein von der Wohnanlage angestellter Wachmann. Der plädierte auf Notwehr und wurde freigesprochenMartin war unbewaffnet, laut New York Times hatte er nur einen Eistee und eine Packung Skittles dabei.

Auf den Freispruch des Wachmanns hin gründete sich 2013 die #BlackLivesMatter-Bewegung. Zunächst als Hashtag im Internet. Später als politische Bewegung, die Demonstrationen gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus organisiert. Ziel der Organisation ist es, die "white surpremacy" (deutsch: weiße Vorherrschaft) zu beenden.

Take a Knee: Colin Kaepernicks Protest während der US-Hymne

Colin Kaepernick, Quarterback der San Francisco 49ers, und seine Mitspieler knien während der US-Hymne.

Kaepernicks friedlicher Protest und die Reaktion der politischen Rechten

Die reguläre Saison der San Francisco 49er hat an diesem Septembertag 2016 noch nicht begonnen. Trotzdem: Auch bei Vorbereitungsspielen macht die NFL großes Aufsehen um die amerikanische Nationalhymne, die vor dem Kick-Off zu hören ist. Quarterback Colin Kaepernick beginnt an diesem Tag seinen öffentlichen Protest gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus in Amerika. Während der Hymne kniet er sich hin.

Schnell wird ihm das von rechten und konservativen Beobachtern als Respektlosigkeit gegenüber der amerikanischen Flagge und den US-Soldaten ausgelegt. Vor allem Donald Trump, damals noch nicht US-Präsident, beschimpft Kaepernick übel, unter anderem als "Hurensohn". Kaepernick kniet weiter während der Hymne. Er könne keinen Stolz für die Flagge eines Landes ausdrücken, in dem People of Color unterdrückt werden.

Kaepernicks Vertrag mit den San Francisco 49er lief im März 2017 aus. Seitdem ist der Quarterback vereinslos - obwohl sich fast alle Experten einig sind, dass er bei einem Viertel der NFL-Teams gut genug wäre, in der Startformation zu stehen.

"I can't breathe": 8 Minuten 46 Sekunden tödliche Polizeigewalt

Eine Demonstrantin mit Plakat. Darauf zu sehen: George Floyd, der von einem Polizisten getötet wurde.

Der Mord an George Floyd und der weltweite Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus

8 Minuten und 46 Sekunden kniete ein Polizist auf dem Nacken von George Floyd, der bereits in Handschellen auf dem Boden lag. Ein Passant filmte, wie Floyd im Todeskampf mehrmals sagte: "I can't breathe" (Ich kann nicht atmen.) Während der letzten 3 Minuten liegt er nur noch reglos auf dem Boden. Wenig später stirbt George Floyd mit 46 Jahren in einem Krankenhaus in Minneapolis.

George Floyds Tod erinnert an ähnliche Opfer von Polizeigewalt wie Eric Garner, der 2014 ebenfalls erstickte, als er von einem Polizisten zu Boden gedrückt wurde. Auch Garner sagte vor seinem Tod mehrmals: "I can't breathe."

Seit George Floyds Tod formierten sich zunächst in allen US-Bundesstaaten, später auch in ganz Europa und Deutschland Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Veröffentlicht: 21.03.2021 / Autor: Johannes Korsche