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Die rhetorischen Tricks von Trump und Biden

Im Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden geht es um Bilder und Symbolik. Oft aggressiv, manchmal auch unwahr. Welcher Politik-Stil kommt bei uns besser an? Das testet Reporter Vincent im Clip - und dreht einen amerikanischen und einen deutschen Wahlwerbespot.
Teaserbild: Die rhetorischen Tricks von Trump und Biden

Der Endspurt im US-Wahlkampf hat begonnen

  • Im US-Präsidentschaftswahlkampf versuchen Donald Trump und Joe Biden, bis zum Wahltag am 3. November 2020 um jeden Preis Wähler zu gewinnen.

  • Schon beim ersten TV-Duell eskalierte die Debatte derart, dass die Kritiken hinterher vernichtend waren. Beide Kandidaten fielen sich gegenseitig ins Wort und griffen sich hart an.

  • Je näher der Wahltag rückt, desto aggressiver verhalten sich beide Seiten. Vor allem US-Präsident Trump schreckt dabei nicht vor Lügen und persönlichen Angriffen zurück.

So aggressiv tritt Trump auf

  • Bei einem Wahlkampfauftritt 2016 machte Trump Witze über einen behinderten Journalisten der New York Times und forderte ihn auf, mit seiner Krankheit keine Effekthascherei zu betreiben.

  • Mehrfach hat Trump auch US-Soldaten attackiert. Über den Republikaner John McCain sagte er, er bevorzuge Soldaten, die sich nicht gefangen nehmen ließen. McCain war im Vietnamkrieg in Gefangenschaft geraten.

  • Im Wahlkampf 2016 attackierte er die Familie eines gefallenen muslimischen US-Soldaten, was ihm Kritik von allen Seiten einbrachte.

  • Für politische Rivalen benutzt Trump beleidigende Spitznamen wie Hillary "Crooked" (betrügerisch) Clinton oder Joe "Sleepy" (schläfrig) Biden. Eine Wikipedia-Seite hat die hunderten Spitznamen gesammelt.

  • Während dem Höhepunkt der "Black Lives Matter"-Demonstrationen im Sommer 2020 zeigte Trump gegenüber den Protestierenden kein Verständnis, sondern stellte die gesamte Bewegung mehrfach mit linken Plünderern gleich.

  • Als in der Corona-Pandemie demokratische Gouverneure unter anderem die Maskenpflicht einführten, sprach Trump davon, demokratische Bundesstaaten müssten "befreit" werden.

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Der Kampf Gut gegen Böse: Auch Biden setzt auf Symbolkraft

Nachdem Joe Biden offiziell als Präsidentschaftskandidat der Demokraten nominiert wurde, hielt er in Wilmington (Delaware) eine symbolträchtige Rede - anschließend gab's ein großes Feuerwerk.

So versucht Biden die Wähler auf seine Seite zu ziehen

  • Joe Biden setzt der spaltenden Rhetorik seines Kontrahenten Trump vereinende und zusammenführende Bilder entgegen. Er kündigte an, die USA nach 4 Jahren Trump zu einen, die Corona-Pandemie zu bekämpfen und sich gegen Rassismus und die Klimakrise zu stellen.

  • Im ersten TV-Duell versuchte er sich immer wieder mit Blick in die Kamera direkt an die Zuschauer zu wenden, während Trump sich einzig darauf konzentrierte, Biden anzugreifen.

  • Biden möchte als ruhiger und erfahrener Politiker wahrgenommen werden. Er inszeniert sich damit als Gegenpol zum lauten und aggressiven Trump.

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Joe Biden will der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden. Für die Demokraten fordert er bei der US-Wahl 2020 Donald Trump heraus. Doch wer ist Joe Biden und wofür steht er?

Mit diesen Bildern arbeitet Trump im Wahlkampf

  • 🗯

    Donald Trump versucht vor der Präsidentschaftswahl Angst vor seinem Rivalen Joe Biden zu verbreiten.

  • 🚔

    So würden die Demokraten bei einem Wahlsieg die Steuern erhöhen, die Polizei abschaffen und das Land von linken Anarchisten zerstören lassen (Von einer Steuererhöhung und einer Abschaffung der Polizei ist in Bidens Wahlprogramm keine Rede, ebenso distanziert er sich von linken Anarchisten).

  • 🇺🇸

    Bereits 2016 versuchte sich Trump als Retter zu inszenieren, auf die Spitze getrieben mit seinem Wahl-Slogan "Make America great again".

  • 🗽

    Doch auch nach 4 Jahren eigener Amtszeit sieht Trump die USA noch immer in großer Gefahr, der Retter sei wieder er. Er betont, bei der Wahl gehe es "um das Überleben der Nation".

Erkennst du Trumps rhetorische Tricks?

So versuchen die Demokraten die Wahl zu inszenieren

  • ⚖️

    Die Demokraten setzen auf eine ähnliche Bedrohungs-Rhetorik. Für sie geht es um den Erhalt der Demokratie. So sagte Ex-Präsident Obama: "Unsere demokratischen Institutionen sind bedroht wie nie zuvor."

  • 💥

    Auf ihrem Nominierungsparteitag zeichneten die Demokraten das Bild eines "Endkampfes" am 3. November. Die USA lägen in der Corona-Pandemie, der damit verbundenen Wirtschaftskrise und dem Klimawandel in Trümmern.

  • 💡

    Biden spricht in seinen Reden von einer Hell-Dunkel-Symbolik: "Vereint können und werden wir die Zeit der Dunkelheit in Amerika überwinden." Er werde "ein Verbündeter des Lichts sein".

Die Nominierungsparteitage im Vergleich

👨‍🏫 Wie unterscheidet sich die Rhetorik in der deutschen Politik von der in den USA?

Olaf Kramer, Professor für Rhetorik an der Universität Tübingen, erklärt:

💬 "Wenn wir im Moment auf die politische Situation in den USA schauen, dann ist vor allem die starke Polarisierung der Gesellschaft ein zentraler Faktor, der die Rhetorik beeinflusst. 2 Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber und insbesondere Donald Trump treibt die Polarisierung durch Übertreibungen, Polemiken und persönliche Angriffe sowie die Schaffung eines Angst-Szenarios voran."

💬 "Dieses Ausmaß an polarisierender Rhetorik kennen wir in Deutschland nicht, auch weil die politische Situation durch die Vielzahl der Parteien weniger zur Lagerbildung beiträgt. Zugleich sind aber im Kontext der Corona-Krise auch bei uns Tendenzen der Polarisierung zu erkennen, wobei das Lager der Corona-Leugner und der Menschen, die Maßnahmen gegen die Pandemie ablehnen, aber ja noch klein ist."

💬 "In den USA ist die politische Diskussion sehr viel stärker über Social Media vermittelt, auch das hat Folgen, denn kurze, zugespitzte und emotionale Postings sind in diesem Kontext vielfach gefordert und besonders erfolgreich."

 

Professor Kramer erklärt in einem Youtube-Video seiner Vorlesung ausführlich, wie die Polarisierungen in den USA gerade in der Corona-Pandemie zu erklären ist.

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Veröffentlicht: 31.10.2020 / Autor: Johannes Huyer