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Vom Hacker zum Häftling: Wie tickt eigentlich Julian Assange?

Die einen sehen in ihm einen Helden und Whistleblower, die anderen einen Hacker: Die Rolle von WikiLeaks-Gründer Julian Assange ist umstritten. Wer ist der Mann - und warum drohen ihm in den USA 175 Jahre Haft?
Julien Assange ist Gründer der Enthüllunsplatform WikiLeaks.

Wer ist Julian Assange?

  • Julian Assange ist Gründer der Enthüllungs-Plattform WikiLeaks. Der in Australien geborene 49-Jährige will als Hacker staatlichen Machtmissbrauch aufdecken.

  • Wegen Vergewaltigungs-Vorwürfen zweier Frauen in Schweden wurde 2010 ein internationaler Haftbefehl gegen Assange ausgestellt.

  • Im November 2019 hat die schwedische Justiz alle Ermittlungen gegen Assange eingestellt.

  • 2012 flüchtete Assange in die ecuadorianische Botschaft in London und bat um politisches Asyl. Er befürchtete, wegen seiner Arbeit für WikiLeaks von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden.

  • Assange sitzt im Moment in britischer Haft. Es läuft ein Auslieferungsverfahren an die USA.

  • Seine Kindheit vergleicht Assange mit dem Kinderbuchhelden Tom Sawyer. Er wuchs bei seiner Mutter auf, mit der er mehr als 30 Mal umzog.

Die wichtigsten Momente des WikiLeaks-Gründers

Assange bei den Simpsons

Das ist WikiLeaks

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    WikiLeaks ist eine 2006 gegründete Enthüllungs-Plattform. Hier sollen geheime oder zensierte Dokumente anonym veröffentlicht werden können.

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    Damit entstand für Whistleblower die Chance, Informationen an die Öffentlichkeit zu geben - aber selbst anonym zu bleiben.

  • 🇺🇸

    Große Wellen schlugen die Veröffentlichungen geheimer Dokumente über den US-Militäreinsatz im Irak und Afghanistan sowie interne Berichte der US-Botschaften in aller Welt.

  • 🇩🇪

    Die Bundesregierung geriet 2009 durch einen von WikiLeaks veröffentlichten Bericht zur Bombardierung zweier Tanklaster durch die Bundeswehr in Afghanistan in die Kritik.

  • 📧

    WikiLeaks veröffentlichte kurz vor der US-Präsidentschafts-Wahl 2016 zehntausende E-Mails aus dem Wahlkampf-Team von Hillary Clinton. Kurz zuvor hatte Clintons Gegner Donald Trump genau das gefordert.

Warum Assange so umstritten ist

  • Assange sieht sich selbst als investigativen Journalisten. Seine Plattform arbeitete in der Vergangenheit unter anderem mit der New York Times, dem Spiegel und dem Guardian zusammen.

  • Für die ungekürzte Veröffentlichung von Telegrammen aus dem US-Außenministerium wurde WikiLeaks scharf kritisiert: Damit seien Quellen gefährdet worden.

  • Während WikiLeaks bereitgestellte Informationen unbearbeitet veröffentlicht, prüfen und erklären Journalisten die Enthüllungen.

  • Assange wird immer wieder Nähe zu Russland vorgeworfen - so sollen die E-Mails aus Clintons Wahlkampf-Team von russischen Agenten an WikiLeaks weitergegeben worden sein.

  • Große Medienhäuser wie die New York Times oder die Süddeutsche Zeitung übernahmen zuletzt eine Funktion von WikiLeaks: Dokumente und Dateien können anonym den Journalisten zugespielt werden.

Warum wollen die USA Assange vor Gericht stellen?

Insgesamt 18 Anklagepunkte haben die USA formuliert. Im Zentrum steht dabei der Vorwurf, Assange soll der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen haben, geheimes Material von US-Militär-Einsätzen zu veröffentlichen. Zudem soll damit die Sicherheit von US-Informanten gefährdet worden sein. Assange drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft.

Kritik an dem Vorgehen der Justizbehörden

  • Ärzte fürchten um die Gesundheit von Assange - er sei im britischen Gefängnis psychologischer Folter ausgesetzt und werde medizinisch vernachlässigt.

  • Die Anwälte von Assange warnen, seine Auslieferung wäre ein schwerer Schlag gegen die Pressefreiheit.

  • Laut Nils Melzer, dem UN-Sonderberichterstatter für Folter, soll an Assange ein Exempel statuiert werden, um Journalisten einzuschüchtern.

  • So sei die Meinungs- und Pressefreiheit in Gefahr, wenn Journalisten für Veröffentlichungen verurteilt werden könnten.

Veröffentlicht: 10.09.2020 / Autor: Johannes Huyer