Themenseiten-Hintergrund

Von Twitter bis Fake-News: Donald Trumps Hassliebe zu den Medien

Mit geht's nicht, ohne aber auch nicht. Donald Trump und die Medien hatten schon immer ein besonderes Verhältnis zueinander. Um das zu erklären, hilft ein tieferer Blick in die Medien-Landschaft der USA.
Teaserbild: Von Twitter bis Fake-News: Donald Trumps Hassliebe zu den Medien

Das Wichtigste zum Thema Donald Trump und die Medien

  • Als Unternehmer und Entertainer kennt sich Donald Trump mit medialer Aufmerksamkeit aus. Die nutzt er als US-Präsident gern für seine politischen Botschaften.

  • Zu seinen beliebtesten Sprachrohren zählen sein Twitter-Kanal mit über 86 Millionen Followern sowie ausgewählte TV-Sender. Lange galt Fox News als Trumps Lieblings-Sender. Neuerdings macht dem konservativen News-Channel aber ein anderer Nachrichtenkanal Konkurrenz.

  • Um die Hassliebe zwischen Trump und den Medien zu verstehen, hilft ein Blick in die Medienlandschaft der USA. Anders als in Deutschland gehören die größten Nachrichtensender nicht zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Außerdem hat die Meinungsfreiheit für viele US-Amerikaner einen gesonderten Stellenwert.

OAN: Donald Trumps neuer Lieblings-Sender

Massenmedien wie das Fernsehen oder soziale Netzwerke sind wichtige Informationsquellen. Vor allem im Wahlkampf nutzen das Politiker wie Donald Trump bewusst aus.

Um seine Wahlsieg-Chancen gegen das demokratische Duo Joe Biden und Kamala Harris zu erhöhen, verbreitete der amtierende US-Präsident seine Botschaften bis vor kurzem meist gezielt über den Nachrichtenkanal Fox News.

Der TV-Sender zählt nicht nur regelmäßig zum meistgesehenen News-Channel in der Primetime. Dessen Berichterstattung gilt außerdem als konservativ, was Trump und seiner Republikanischen Partei grundsätzlich gut gefällt.

Zuletzt war jedoch selbst Fox News ihm gegenüber zu kritisch, fand der US-Präsident. Also hat er inzwischen einen anderen TV-Kanal als Sprachrohr: One America News Network (OAN). Er wurde erst 2013 gegründet, gilt jedoch als großer Unterstützer Trumps.

Chanel Rion


Der Sender OAN behauptet von sich, neutral zu berichten. Kritiker sehen jedoch eine deutliche rechts-konservative Färbung. Bei Presse-Runden versorgte Trump OAN-Reporter wie Chanel Rion (links) zuletzt besonders gern mit Antworten.
© picture alliance/AP Images

Trump gegen Twitter

Trump gegen Twitter

Trump gegen Twitter

Wie kein US-Präsident vor ihm nutzt Donald Trump Twitter. Seitdem der Kurznachrichtendienst verstärkt gegen Fake-News vorgeht, ist Trump jedoch verärgert. Mehr dazu im Clip.

In den USA herrschen andere rechtliche Grundlagen

Wegen ihrer enormen öffentlichen Wirkungskraft gelten Medien teils als die 4. Gewalt in den USA, zusätzlich zur Legislative (gesetzgebend), Exekutive (ausführend) und Judikative (rechtsprechend). Das ist aber bloß eine Übertreibung. Medien sind auch in den USA keine politische Institution.

Tatsächlich haben Rundfunk und Presse in den USA aber einen anderen gesetzlichen Stellenwert. Der 1. Zusatzartikel der US-Verfassung legt fest: Kein Gesetz darf die Meinungs- oder Pressefreiheit einschränken. Eingriffe gegen die Verbreitung von Mitteilungen werden in den Vereinigten Staaten daher schnell als Zensur aufgefasst.

Unzweifelhafte rechtliche Regeln für den Journalismus gibt es demnach auch nicht. Überspitzt gesagt bedeutet das: Jeder Mensch darf veröffentlichen, was er möchte. Das fördert nicht nur journalistische Freiheit, sondern ermöglicht grundsätzlich auch die Verbreitung von Fake-News.

Aktivisten Pressefreiheit


Aktivisten protestieren im Februar 2017 in New York gegen die Ausladung einiger Medien von einer Pressekonferenz des Weißen Hauses. Die international tätige Nichtregierungs-Organisation Reporter ohne Grenzen stuft die USA in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit nur auf Platz 45 von 180 ein.
© picture alliance/Photoshot

 

🚫 Darf ich in Deutschland auch alles verbreiten?

In den USA gilt die Meinungsfreiheit als die wohl wichtigste Grundlage der Verfassung. Das deutsche Grundgesetz basiert hingegen auf der unantastbaren Würde des Menschen.

Außerdem gibt es in Deutschland im Grundgesetz einen Artikel zur Presse- und Meinungsfreiheit, jeweilige Landespressegesetze sowie den Pressekodex des Presserats. Diese fordern journalistische Sorgfalt und Richtigkeit.

Die Medien-Landschaft in den USA

  • 📺

    In den USA gibt es wesentlich mehr Rundfunksender als etwa in Deutschland. Die meisten der zigtausend Anstalten sind jedoch Ableger großer privater Medien-Netzwerke. Dazu zählen etwa WarnerMedia, die Walt Disney Company, die Fox Corporation und NBCUniversal.

  • 💰

    Diese milliardenschweren kommerziellen Unternehmen haben also die klare Vormachtstellung in den USA. Anders als etwa in Deutschland macht hier der nicht gewinnorientierte öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) nur einen kleinen Bruchteil aus.

  • 📊

    Im Gegensatz zum erst später gegründeten ÖRR, der ein unabhängiges Programm gewährleisten soll, spielen bei den kommerziellen Medien-Netzwerken nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen eine wichtige Rolle.

  • 🗨

    Auch politisch lassen einige Sender mehr oder weniger deutlich eine Tendenz erkennen: Während etwa Fox News (Fox Corporation) als eher konservativ und der Republikanischen Partei nah eingeschätzt wird, werten Experten MSNBC (NBCUniversal) eher liberal und sind mehr auf Linie der Demokratischen Partei.

  • Grund für diese Entwicklung war die Abschaffung der "Fairness-Doktrin". Die sorgte bis in die 1980er-Jahre dafür, dass die US-Sender stets ausgewogen über (politisch) strittige Themen berichten mussten. Mit der schnell wachsenden Zahl an Sendern wurde die Vorgabe jedoch abgeschafft.

  • 🧐

    Die Fairness-Doktrin war zuvor von der "Federal Communication Commission" (FCC) eingeführt worden. Die FFC wurde 1934 gegründet und ist praktisch eine Rundfunkt-Aufsicht, die heute vor allem über inhaltliche Standards in den USA wacht. Früher verwaltete die FCC auch die Lizenzen von Rundfunkstationen nach unternehmerischen Interessen.

  • 💪

    Seit den 1980er-Jahren wurde die Regulierung des Medienmarkts jedoch gelockert. In der Folge kauften immer weniger Besitzer immer mehr Sender, sodass heute der Großteil zu einer Handvoll Sender-Netzwerken gehört.

Kampf gegen Hass im Netz

Kampf gegen Hass im Netz: Social Media wacht auf

Kampf gegen Hass im Netz

Mit extremen Ansichten und Fake-News vergiften Hetzer soziale Netzwerke. Was zum Beispiel Twitter und Facebook dagegen tun, siehst du im Clip. Hilft notfalls ein Rausschmiss, sogenanntes Deplatforming?

So erkennst du Fake-News in sozialen Medien

  • 💻

    Kommt dir eine Nachricht verdächtig vor, gib die Schlüsselwörter in eine Suchmaschine ein. Checke, wie aktuell die Meldung ist und ob auch etablierte Medien gleichermaßen darüber berichten.

  • 👨‍💻

    Schau dir auch den Verfasser der Nachricht genauer an. Bei einem neuen Profil mit wenigen Followern könnte es sich auch um einen Social Bot handeln. Das ist kurz gesagt ein Computerprogramm, das automatisiert Nachrichten verfasst und weiterleitet.

  • 📄

    Prüfe bei Webseiten außerdem das Impressum. Das ist in Deutschland verpflichtend und gibt Auskunft über den Urheber. Eine Seite ohne Impressum ist nicht vertrauenswürdig.

  • Nutze journalistische Angebote wie den Faktenfinder der ARD oder Spezialseiten wie mimikama.at oder hoaxmap.org. Hier kannst du einen Suchbegriff eingeben und überprüfen lassen, ob es sich um Falschmeldungen handelt.

Veröffentlicht: 19.10.2020 / Autor: Alexander Duebbert