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Waffen in Deutschland: Warum steigen die Zahlen?

In Deutschland steigt die Zahl von Waffenscheinen immer weiter an. Außerdem besitzen immer mehr Deutsche eine Schreckschuss-Waffe. Wie gefährlich ist dieser Waffentyp - und brauchen wir in Deutschland schärfere Gesetze?
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Das Wichtigste zum Thema Waffenscheine

  • Obwohl laut Polizei-Statistiken das Leben in Deutschland in den letzten Jahren immer sicherer geworden ist, legen sich mehr Menschen eine Schreckschuss-Waffe zu.

  • Die Zahl an kleinen Waffenschein stieg im vergangenen Jahr um rund 44.000 auf 686.000 an. 2014 waren es noch 260.000.

  • Die Polizeigewerkschaft GdP bezeichnet den Trend, dass sich immer mehr Menschen Gas- oder Schreckschusswaffen zulegen, als "äußerst beunruhigend".

Wie gefährlich sind Schreckschuss-Waffen?

  • 🤓

    Schreckschuss-Waffen unterscheiden sich optisch nur minimal von echten Revolvern oder Pistolen. Allerdings können hier keine Projektile aus dem Lauf verschossen werden.

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    Stattdessen werden Platzpatronen verwendet. Ziel einer Schreckschuss-Pistole ist also Abschreckung durch einen Knall, daher auch Schreckschuss.

  • Aber Achtung: Auch Schreckschuss-Waffen können tödliche Verletzungen hervorrufen. So zum Beispiel, wenn die Waffe direkt am Körper einer Person ausgelöst wird. Allein der Luftdruck aus der Mündung kann verheerende Folgen haben.

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    Ab dem 18. Lebensjahr darf übrigens jeder Schreckschuss- und Gaspistolen sowie Signalwaffen auch ohne Waffenschein kaufen und besitzen. Allerdings ist das "Führen", also das Tragen in der Öffentlichkeit, nur mit dem Kleinen Waffenschein erlaubt.

Deutschland rüstet auf: Aber machen uns Waffen wirklich sicherer?

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Immer mehr Deutsche machen den kleinen Waffenscheinen und tragen Schreckschusswaffe. Aber ist diese Sicherheit trügerisch? Oder sind Waffen wirklich in der Lage, uns zu schützen? Wir haben eine Studentin begleitet, die mit Pistole aus dem Haus geht.

Das bedeutet das PTB-Siegel auf Waffen

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen müssen ein sogenanntes PTB-Siegel aufweisen. Dieses belegt, dass die Waffen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt geprüft und abgenommen worden sind. Ohne dieses Siegel sind sie verboten.

Der kleine Waffenschein ...

  • ... berechtigt den Besitzer, sogenannte "erlaubnisfreie Waffen" in der Öffentlichkeit zu führen, dazu gehören Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen.
  • Wer einen kleinen Waffenschein erwerben möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Ausgestellt wird er von der Polizei oder dem örtlichen Ordnungsamt.
  • Antragsteller müssen zudem eine körperliche und geistige Eignung sowie die fachgerechte Aufbewahrung der Waffen nachweisen können.
  • Diese sogenannte Prüfung auf Zuverlässigkeit wird mindestens alle 3 Jahre wiederholt.

Der große Waffenschein ...

  • ... berechtigt seine Inhaber, auch Waffen in der Öffentlichkeit mit sich zu führen, die kein PTB-Prüfzeichen besitzen.
  • Für den Besitz einer solchen Waffe ist zusätzlich eine Waffenbesitzkarte notwendig.
  • Antragsteller müssen außerdem eine Zuverlässigkeitprüfung sowie eine Ausbildung absolvieren. Hierzu gehört die Teilnahme an einem Lehrgang mit abschließender staatlicher Prüfung.
  • Der große Waffenschein wird nur an Personen ausgegeben, die eine besondere Bedürftigkeit nachweisen können - wie Polizisten, Soldaten, Zollbeamte und Berufs-Jäger. Die dürfen ihre Waffen aber nur beruflich nutzen.

Diese Waffen sind in Deutschland verboten

Warum gibt es immer mehr kleine Waffenscheine?

  • Experten sehen ein zunehmendes Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung als Ursache für diesen Trend. Laut Umfragen des Bundeskriminalamts haben die Menschen in Deutschland mehr Furcht vor Kriminalität als noch vor 5 Jahren.
  • Dabei zeigen Untersuchungen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl und die objektive Sicherheit im Land weit auseinander gehen.
  • Denn Tatsache ist: Deutschland wird immer sicherer, wie offizielle Polizeistatistiken und sogenannte Dunkelfeld-Studien zeigen. Letztere bilden auch die Fälle ab, die nicht bei der Polizei gemeldet werden.

So will die Bundesregierung das Waffenrecht verschärfen

  • 📃

    Bereits Ende letzten Jahres hat der Deutsche Bundestag ein neues Waffengesetz beschlossen. Unter anderem mit dem Ziel, Waffen besser rückverfolgen zu können und möglichen Terroristen den Zugang zu ihnen zu erschweren.

  • 📅

    Ab September gelten weitere Regeln des neuen Gesetzes. So wird dann alle 5 Jahre von der Waffenbehörde geprüft, ob der Besitz von Schusswaffen noch nötig ist. Auch Magazine ab einer bestimmten Größe werden verboten. Und im Rahmen der Zuverlässigkeitsprüfung wird beim Verfassungsschutz abgefragt, ob die betreffende Person als Extremist eingestuft wird.

  • 📈

    Seit 2013 gibt es in Deutschland ein nationales Waffenregister, das alle Waffen aufführt, die legal im Umlauf sind: etwa 5,4 Millionen. Die Zahl der Besitzer liegt bei 950.000.

  • 💬

    Experten kritisieren, dass die Behörden weder personell noch organisatorisch dafür ausgestattet sind, die knapp eine Million Waffenbesitzer zu überprüfen und für jede einzelne Person sicherzustellen, dass sie zum Führen der Waffe geeignet und nicht in extremistische Kreise abgerutscht ist.

  • 👀

    Zu den Gegnern strengerer Waffengsesetze gehört die "German Rifle Association" (GRA), eine Lobbygruppe, die sich für die Rechte deutscher Waffenbesitzer einsetzt. In Deutschland ist sie längst nicht so einflussreich wie die NRA in den USA.

Veröffentlicht: 30.09.2020 / Autor: André Marston Alvarez