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"Du beleidigte Leberwurst!" Woher kommt denn diese Redewendung?

Jemand ist beleidigt, so viel steht fest. Aber wie ist die Leberwurst in die Redewendung geraten? War da ein Metzger beteiligt? Hier kommt die Auflösung.

Schlaumeier-Wissen

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    Eine "beleidigte Leberwurst" ist eine Person, die schmollt. Oft unterstellt der Ausdruck, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, gekränkt zu sein. Deswegen sagt man auch: Jemand spielt die beleidigte Leberwurst.

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    Gefühlssache? Ja. Im Altertum und Mittelalter glaubte man, die Leber sei der Sitz der Emotionen. Vor allem Zorn wurde hier vermutet. Wenn jemand also verärgert war, hatte er demnach eine beleidigte Leber.

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    Die Redensart "Jemandem ist eine Laus über die Leber gelaufen" hat den gleichen Ursprung. Das kleine unscheinbare Tierchen steht für die Nichtigkeit, über die man sich in dem Fall aufregt.

  • Aus Alt mach Neu! Nachdem die ursprüngliche Vorstellung von der Leber als Gefühlszentrum verlorengegangen war, kam die Wurst ins (Wort)spiel.

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    Nachträglich erfand man diese Erzählung: Ein Metzger kochte Würste und nahm die Leberwurst als letztes aus dem Wasser, da sie die längste Garzeit hatte. Weil sie allein im Kessel bleiben musste, war die Leberwurst beleidigt – und platzte vor Wut.

Auch ein schwieriger Fall: Der "Hanswurst"

Als "Hanswurst" (oder auch Hans Wurst) wird ein dummer Mensch bezeichnet, den man nicht ernst nehmen kann, der sich lächerlich macht.

 

Mann mit Würsten

 

Ein Kerl - perfekt für die Bühne: Als derb-komische Figur tauchte er seit dem 16. Jahrhundert zunächst auf Jahrmärkten und Wanderbühnen auf - und später in Theaterstücken.

Dem unbeholfenen Dicken hat man auch in anderen Ländern einen Spitznamen verpasst. In Frankreich wird er "Jean Potage" genannt, in Italien schimpft man ihn "Maccheroni", und in England ist von "Jack Pudding" die Rede. "Suppe", "Makkaroni", "Pudding" – jede dieser Bezeichnungen geht auf eine typische Speise der jeweiligen Nation zurück.

Veröffentlicht: 13.04.2020 / Autor: Heike Predikant

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