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Warum der Öl-Preis so extrem eingebrochen ist und das auch dich betrifft

Der Öl-Preis ist über Nacht so stark eingebrochen wie zuletzt vor fast 30 Jahren. Das dürfte Autofahrer hierzulande freuen. Aber: Einige Länder könnte der Preisverfall ins Chaos stürzen.

Das Wichtigste zum Thema Öl-Preis

  • Am Montag ist der Öl-Preis um mehr als 30 Prozent gefallen. Das ist der größte Rückgang seit Januar 1991. Verantwortlich für den Preisverfall war damals der Zweite Golfkrieg.

  • Ein Grund heute: Ein Preiskrieg zwischen den OPEC-Staaten - allen voran Saudi-Arabien - und Russland.

  • Die Länder konnten sich zuletzt nicht auf eine Fördermenge einigen, damit der Öl-Preis stabil bleibt. Nun fördert Saudi-Arabien mehr Öl, damit Russland einlenkt.

  • Experten gehen von einem Konflikt aus, der sich über mehrere Wochen oder gar Monate hinziehen kann.

  • Was deutsche Autofahrer freut, weil so auch Diesel- und Spritpreise sinken, dürfte für Länder, die vom Öl-Export abhängig sind, problematisch werden.

Was ist die OPEC?

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    Die Organisation erdölexportierender Länder - kurz OPEC genannt - ist ein Zusammenschluss von Ländern, die Erdöl fördern.

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    Aktuell gehören dem Kartell 13 Staaten an: Algerien, Angola, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, die Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela.

  • Indonesien trat Ende 2016 aus. Katar verließ die OPEC im Januar 2019. Ein Jahr später stieg auch Ecuador aus der Organisation aus.

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    Insgesamt fördern die OPEC-Mitglieder fast 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion.

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    Mit Saudi-Arabien, Iran, Kuwait, Venezuela und den Vereinigten Arabischen Emirate gehören fünf OPEC-Mitglieder zu den zehn größten Erdölförderern der Welt. Sie sollen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven verfügen.

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    Das Ziel des 1960 gegründeten Zusammenschlusses ist ein monopolisierter Ölmarkt. Hierbei sollen Förderquoten festgelegt werden. So kann der Preis für Erdöl von den OPEC-Staaten gedrückt, stabilisiert oder angehoben werden.

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    Das Risiko: Einzelne Mitglieder halten sich nicht an die festgesetzten Förderquoten, sondern verfolgen ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Ziele.

Welche Staaten fördern das meiste Erdöl?

Wieso kam es nun zum Preissturz?

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    Nicht alle Staaten, die Erdöl fördern, sind Mitglied bei der OPEC. Zehn Staaten, darunter der Öl-Gigant Russland, verständigen sich aber mit der OPEC und schmiedeten oft Allianzen, um den Preis für Erdöl anzuheben. Sie werden auch OPEC-Plus-Staaten genannt.

  • 🤷‍♂️

    Nun aber konnten sich die Staaten nicht einigen. Daraufhin gab der saudi-arabische Öl-Konzern Saudi Aramco bekannt, die Fördermengen anzuheben sowie den offiziellen Verkaufspreis für alle Öl-Sorten und alle Abnehmer zu senken.

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    Auch die Angst um das Coronavirus ist für den Preisverfall verantwortlich: Da aufgrund der Pandemie weniger produziert und damit auch weniger Öl benötigt wird - also die Nachfrage sinkt - fällt auch der Preis.

  • 💣

    Allgemein ausgedrückt: Das Angebot steigt, die Nachfrage sinkt - und der Preis verfällt. Über Nacht ist der Öl-Preis richtig eingebrochen - um mehr als 30 Prozent.

  • 💸

    Von dem Preissturz betroffen sind vor allem die Länder, die auf Öl-Exporte angewiesen sind - besonders Algerien, Iran, Libyen und Venezuela. Deren Währungen haben bereits an Wert verloren, die Staatseinnahmen brechen ein.

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    Auch Öl-Produzenten aus den USA sind betroffen. Viele Firmen sind noch immer hoch verschuldet, da sie über Jahre in die Fracking-Methode investiert haben. Der niedrige Preis könnte dafür sorgen, dass diese Leichtölproduzenten nun bankrott gehen.

Wird Benzin und Diesel nun billiger?

Ja, denn wenn Öl billiger wird, kostet auch Diesel und Benzin an der Tankstelle weniger - wenn auch nicht eins zu eins, weil  ja eine Menge Steuern auf Sprit erhoben werden.

Die Spritpreise sind bereits in den letzten beiden Wochen vor dem Öl-Preis-Verfall gesunken - wegen der Coronavirus-Epidemie.

Lag der Diesel-Preis am 23. Februar 2020 noch bei durchschnittlich 1,24 Euro, fiel er bis zum vergangenen Wochenende auf unter 1,20 Euro, mittlerweile steht er bei etwa 1,15 Euro. Auch Benzin wurde deutlich günstiger.


Der Diesel- und Benzinpreis ist in den vergangenen Wochen schon gefallen.
© Picture Alliance / dpa

 

Und es könnte noch billiger werden, weil die Auswirkungen des rapide gefallenen Öl-Preises erst in dieser Woche voll durchschlagen.

Aber Achtung! Aus Angst vor bald wieder steigenden Spritpreisen, fangen einige an, Diesel oder Benzin zu horten. Davon rät der ADAC dringend ab - aus Sicherheitsgründen.

In Fahrzeugen sollte man nicht mehr als zehn Liter außerhalb des Tanks an Bord haben - und auch in der Garage oder im Keller hat Sprit eigentlich nichts zu suchen.

ADAC tanken


Der ADAC rät Autofahrern ab, Benzin oder Diesel in Massen zu horten
© Picture Alliance / dpa Themendienst

Tipps, wann und wo du am besten tankst

Laut ADAC ändern sich die Preise eher im Tagesverlauf als an bestimmten Wochentagen. Heißt: du kannst jeden Tag zu den gleichen Zeiten günstig tanken.

  • Die beste Zeit, zu tanken, ist abends: Zwischen 18 und 20 Uhr solltest du an die Tankstelle fahren.
  • Generell solltest Du nicht morgens oder in der Mittagszeit tanken, etwa ab 14 Uhr gehen die Preise meist runter.
  • Auch wenn nachts die Wartezeiten besonders kurz sein dürften, lieber Finger weg von der Zapfsäule. Hier ist kein Schnäppchen in Sicht.
  • Wichtig ist: Die richtige Tankstelle finden. Freie Tankstellen sind im Vergleich zu den Tankstellen der Ölkonzerne meist ein paar Cent günstiger.

Am besten ist, du installierst dir eine App, die dir anzeigt, an welcher Tankstelle in deinem Umkreis es am billigsten ist.

Die Apps "Clever Tanken", "ADAC Spritpreise" und "Mehr-Tanken" werden von Experten empfohlen. Noch mehr Tankstellen-App-Tipps gibt es beim Bundeskartellamt.

Veröffentlicht: 11.03.2020 / Autor: Benjamin Reibert

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