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Die Corona-Krise ist auch eine Müll-Krise - was du dagegen tun kannst

Wegen dem Corona-Virus sind wir mehr daheim - und machen mehr Müll. Wir entrümpeln, kaufen viel und holen Essen in Plastik- oder Alubehältern. Umso wichtiger ist es jetzt, den Müll korrekt zu entsorgen. Wir zeigen dir wie.
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Das Wichtigste zum Thema Mülltrennung

  • Seit 2015 sind wir alle in Deutschland per Gesetz zur Mülltrennung verpflichtet.

  • Der Dachverband der Entsorgungsunternehmen in Deutschland stellt seit Wochen einen noch stärkeren Anstieg der privaten Müllmenge fest. Der Grund: Die Lust essen zu gehen, ist nach wie vor gebremst. Es wird mehr zu Hause gekocht und online bestellt. Das bedeutet mehr Abfall.

  • Vor allem der Kunststoff scheint in der Corona-Krise ein Comeback zu haben. Ob in Gesichtsmasken, Einmalhandschuhen oder als Verpackung für Essen to go - in der gelben Tonne von Privathaushalten landen seit März etwa 10 Prozent mehr Verpackungsabfälle als in den Vorjahresmonaten, wie das in Köln ansässige Recyclingunternehmen "Der Grüne Punkt" mitteilt.

  • Die Krux: Bei der korrekten Mülltrennung ist in Deutschland noch viel Luft nach oben. Die Fehlwurfquote, also die Menge an falsch entsorgtem Abfall, liegt alleine beim Verpackungsmüll zwischen 40 und 60 Prozent!

  • So gehen wertvolle Rohstoffe verloren, da sie nicht recycelt werden können. Wo - der Umwelt zuliebe - genau dein Müll rein muss, erfährst du unten.

Plastik-Comeback durch Corona?

Im Gewerbebereich ist während der Corona-Krise zwar weniger Müll angefallen, insgesamt aber hat der Kunststoffmüll in der Krise zugenommen. Ob in Gesichtsmasken, Einmal-Handschuhen oder als Verpackung für Essen to go - in der Corona-Krise scheint der Kunststoff ein Comeback zu haben.

Beispiel Frankfurt: Die städtische Müllentsorgung FES hat in den Monaten März und April insgesamt 2.608 Tonnen Verpackungsabfall verzeichnet- etwa 11 Prozent mehr als in den Vorjahresmonaten.

Was tun gegen Plastikmüll in Corona-Zeiten?

Konkrete Empfehlungen zur umweltfreundlichen Umsetzung der Corona-Regeln gibt es von Regierungsseite nicht, wie ein Sprecher des Umweltministeriums sagt. Aber: Es gilt nach wie vor die im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerte Abfallhierarchie. Sprich: "Auf die Vermeidung von unnötigem Abfall ist zuvorderst zu achten".

Wenn du Gegenstände vermeiden kannst, die nur einmal oder für kurze Zeit benutzt werden, dann solltest du das tun. Sind sie aber notwendig, ist Kunststoff oft das umweltverträglichste Material. Eine Plastikfolie ist ressourcenschonender und energieeffizienter als eine Schutzscheibe aus Glas.

Für den Bereich der Gastronomie fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deutlichere Vorgaben. Dass Mehrweg-Becher und -Essensboxen aufgrund hygienischer Bedenken pauschal abgelehnt werden, sei laut Thomas Fischer, Leiter für Kreiswirtschaft bei der DUH, nicht nachvollziehbar. Die Corona-Krise dürfe nicht zur Müllkrise werden, heißt es von dem Verband.

Take-Away-Regelungen statt Restaurantbesuch lassen während der Corona-Krise den Müll in Großstädten anwachsen, hier wiederverwertete Kaffeebecher als Girlande an einem Kiosk in Köln.

Müllaufkommen nimmt zu - nicht nur bei Plastik

Nicht nur der Plastik- und Verpackungsmüll steigt in der Corona-Krise. Auch beim privaten Bio-, Glas- und Restmüll hat die Frankfurter Müllentsorgung eine Zunahme festgestellt. Nach Darstellung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) berichten mehrere Entsorger von einer Zunahme des Hausmülls allgemein.

Ob mit weiteren Lockerungsmaßnahmen das Müllaufkommen wieder zurückgeht, bleibt abzuwarten. Eine Sprecherin des VKU sagt: "Sollte es weiterhin eine größere Nachfrage nach (Plastik-) Einmalprodukten geben, steigen damit auch die Müllmengen."

Was laut Grünem Punkt, in welche Tonne gehört

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    Man unterscheidet 5 Kategorien: 1: Leichtverpackungen (LVP) aus Kunststoff; 2: Alu, Weißblech oder Verbundmaterialien wie Getränkekartons und Behälterglas (keine Trinkgläser, kein Flachglas); 3: Papier, Pappe und Karton; 4: Restmüll; 5: Bioabfall.

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    In die Gelbe Tonne und den Gelben Sack kommt Kunststoff sowie Leichtverpackungen aus Metall und Verbundmaterial.

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    Blau steht für Papierrecycling. Hier gehört Altpapier - also Papier, Kartonagen und Verpackungen aus Pappe oder Karton hinein.

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    Weiß, Braun und Grün: Glas selbst ist auch zu trennen. Wichtig: Blau ist sozusagen Grün! In ganz Deutschland stehen 300.000 Sammelcontainer zum Glasrecycling.

Wusstest du schon ... ?

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    Es reicht vollkommen aus, den Joghurtbecher vor dem Entsorgen auszukratzen. Fachmännisch heißt das: "löffelrein" wegwerfen.

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    Verpackungen müssen nicht ausgespült werden. Das verbraucht nämlich Wasser - und das wiederum verschlechtert die Ökobilanz. In den Sortieranlagen werden Verpackungen ohnehin gewaschen.

  • Schwarze und dunkelblaue Verpackungen werden von den Sensoren der Sortieranlagen nicht erkannt. Sie können nicht wiederverwertet werden, sondern werden direkt verbrannt. Besser im Regal stehen lassen.

  • Den Alu-Deckel sollte man vom Becher abtrennen. Beides kommt zwar in die gelbe bzw. Wertstofftonne, die Sortieranlagen können jedoch immer nur ein Material erkennen.

Was kommt in welche Tonne? Weißt du's?

Falsche Mülltrennung: Umweltproblem & Ordnungswidrigkeit

Dr. Dominik Herzog, Rechtsanwalt, sagt: "Trennt man gar nicht oder falsch, dann ist das eine Ordnungswidrigkeit und das kann je nach Bundesland ganz schön teuer werden."

Doch ist das auch bei einem Joghurtbecher der Fall? "Bei einem kleineren Fehlwurf passiert in der Regel nichts. Dafür muss man schon größere Verstöße begehen", weiß Herzog.

Wenn es hart auf hart kommt, kann die Müllabfuhr die Tonne mit falsch getrenntem Müll aber stehen lassen - ohne sie zu leeren. Nimmt sie ihn mit, bedeuten Fehlwürfe nämlich einen großen Aufwand für die Müllanlagen. Dort müssen die Plastikbecher erst aufwendig entfernt werden, bevor der Biomüll wiederverwertet werden kann.

Veröffentlicht: 19.10.2020 / Autor: Monika Schneider