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Warum spricht man von rechts und links in der Politik?

Politische Richtungen werden oft mit den Begriffen "links" und "rechts" etikettiert. Was der Ursprung der Begriffe mit der Sitzordnung des Parlaments zu tun hat? Aiman hat die Antwort - und macht dafür eine Zeitreise mit dir nach Frankreich.
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Das Wichtigste zum Thema politische Richtungen

  • Die Einteilung politischer Einstellungen in links und rechts geht auf die Sitzordnung im französischen Parlament zurück.

  • In der Französischen Revolution (1789 bis 1799) kämpften die Bürger für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das ebnete den Weg zur Demokratie.

  • Im Jahr 1814 begann die Nationalversammlung, sich nach ihrer politischen Orientierung zu sortieren.

  • Adel, Kirchenleute und Anhänger des alten Regimes beanspruchten den Platz rechts vom Parlamentspräsidenten. Denn: Der Platz zur Rechten ist in der biblischen Deutung ein Ehrenplatz. Die "Rechten" waren mit der alten Ordnung zufrieden und sahen sich als Bewahrer konservativer Werte.

  • Links im Parlament saßen die Revolutionäre und Bürger. Sie wandten sich gegen die Monarchie, wollten neue Werte schaffen und Veränderungen durchsetzen. Die Linken standen also für den Liberalismus.

  • Diese Ordnung setzte sich über die Jahrhunderte fort und schwappte auch nach Deutschland in den Bundestag. Inwiefern die Sitzordnung noch etwas über die politische Gesinnung aussagt, ist heutzutage allerdings strittig.

Die Sitzordnung im Deutschen Bundestag

So sieht die Sitzordnung der Fraktionen im Plenum des Deutschen Bundestags aus - von links (1.) nach rechts (6.):

  1. Die Linke
  2. SPD
  3. Bündnis 90/ Die Grünen
  4. CDU
  5. FDP
  6. AfD

Eine Debatte um die Sitzordnung gab es, als die Grünen 1983 erstmals in den Bundestag einzogen. Sie verstanden sich nicht als links oder rechts - und erhielten schließlich ihren Platz in der Mitte.

Bundestag Sitzordnung


Einblick in den Bundestag: Hier debattieren die Abgeordneten.
© picture alliance / NurPhoto

Ich will aber nicht neben dir sitzen!

Als die AfD 2017 in den Bundestag einzog, kabbelten sich die Abgeordneten im Deutschen Bundestag über die Sitzordnung. Die FDP wollte nicht neben der AfD sitzen - sondern mehr Richtung Mitte rücken. Letztlich sah die Sitzordnung dann aber doch so aus:

Bürgerrat: Wenn zufällig zusammengeloste Menschen Politik machen

Bekommt das Parlament künftig Verstärkung? Bürgerräte könnten eine weitere Säule für die Demokratie sein. Der Verein "Mehr Demokratie" testete, wie so etwas aussehen kann. Er loste 160 Bürger aus den Einwohnermelderegistern aus. Die Menschen beschäftigten sich dann mehrere Tage mit der Frage: Wie können wir unsere Demokratie stärken? Dabei diskutierten sie etwa in Gruppen, informierten sich und prüften die eigenen Argumente. 22 konkrete Vorschläge überreichte der Bürgerrat später dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble.

Eindrücke vom Bürgerrat

Veröffentlicht: 06.10.2020 / Autor: Alena Brandt