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Weniger Arbeit für alle? Das spricht für und gegen die 4-Tage-Woche

Nur 30 Stunden in der Woche arbeiten? Seit kurzem wird eine 4-Tage-Regelung wieder heiß diskutiert. Warum das in den meisten Fällen besser klingt, als es tatsächlich ist.
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Das Wichtigste zum Thema 4-Tage-Woche

  • Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) schlägt eine 28-Stunden-Woche vor. Das soll Jobs retten, die sonst durch Strukturwandel und Digitalisierung wegfallen würden.

  • Der Parteispitze der Linken geht der Vorstoß noch nicht weit genug. Sie schlagen eine 30-Stunden-Woche für alle Beschäftigten in Deutschland vor.

  • Experten aus Politik und Wirtschaft sind sich jedoch uneins - vor allem wenn es um die Lohnkosten geht. Mehr dazu in den nächsten Boxen.

Mehr freie Zeit, weniger Geld? Was passiert mit dem Lohn?

Ein wichtiger Aspekt bei der Diskussion um eine kürzere Arbeitswoche: der Lohn. Bekomme ich weiterhin den gleichen Monatslohn (für weniger Arbeitstage)?

Ein voller Lohnausgleich bedeutet: Der Stundenlohn wird so erhöht, dass das Monatsgehalt gleich bleibt. Kein Lohnausgleich bedeutet: Man bekommt am Ende des Monats weniger raus.

Experten meinen: Wie ein Lohnausgleich aussehen könnte, sollte von der jeweiligen Branche und dem Verdienst abhängen.

So sieht der Ansatz der IG Metall aus:

Aktuell steht die Industrie am Anfang eines Strukturwandels, der bereits jetzt - auch abseits der Coronakrise - Jobs kostet.

Laut einer Studie der nationalen Plattform Zukunft der Mobiliät (NPM) seien allein in Deutschland durch die Umstellung auf Elektroautos bis 2030 rund 400.000 Arbeitsplätze gefährdet. Grund: Für den Bau von Elektromotoren wird deutlich weniger Personal gebraucht als für herkömmliche Antriebe.

Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall.


Dem Vorstoß von Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall, sorgt für viel Diskussionsstoff.
© imago images / Becker&Bredel

 

Um möglichst viele Jobs zu sichern, wäre die 4-Tage-Woche laut IG-Metall-Chef Jörg Hofmann eine gute Option. Er fordert keine generelle Verkürzung der Arbeitszeit. Aber um Stellenabbau zu vermeiden, sollte man das Modell bei Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsräten in Erwägung ziehen. Hermann wünsche sich jedoch einen "gewissen Lohnausgleich, damit es sich die Mitarbeiter leisten können."

Eine 4-Tage-Woche würde in der Metall-Industrie übrigens eine 28-Stunden-Woche bedeuten. Seit den 1990er Jahren gilt in der Branche eine 35-Stunden-Woche.

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Die Firma "Runa Reisen" hat sogar einen Test für eine 25-Stunden-Woche gemacht und sagt: Weniger Arbeitsstunden bei gleichem Gehalt. Ja, das klappt!

Mehr Produktivität durch bessere Life-Work-Balance. Daran glauben die Linken

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    Katja Kipping, Vorsitzende der Linkspartei, geht einen Schritt weiter und schlägt eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden für alle Beschäftigten vor - bei vollem Lohnausgleich.

  • Die kürzere Arbeitszeit mache die Menschen gesünder, glücklicher und produktiver. Davon würden auch die Unternehmen profitieren, weil Mitarbeiter weniger Fehler machten, motivierter und seltener krank seien.

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    Eine 4-Tage-Woche könne zudem für mehr Gleichberechtigung sorgen. Paare müssten sich seltener entscheiden, wer für die Kinder kürzer treten muss.

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    Um die Idee attraktiver zu machen, schlägt sie eine Anschub-Finanzierung vor. Zuerst zahlt der Staat den Lohnzuschuss an die Unternehmen, die die Arbeitszeit verkürzen. Anschließend müssten Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen ohne staatliche Finanzierungen abgeschlossen werden.

4-Tage-Woche: Das sagen die Kritiker

  • Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Einführung einer 4-Tage-Woche nur für machbar - wenn auf vollen Lohnausgleich verzichtet wird - denn der bedeute steigende Kosten für Unternehmen.
  • Ein weiter Kritikpunkt: Eine 4-Tage-Woche sei in Arbeitsbereichen, die von einem Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel betroffen sind, nicht realistisch.
  • Andere Experten finden, dass die Reduzierung der Wochenarbeitszeit in Krisenzeiten für bestimmte Unternehmen sinnvoll sei, flächendeckend aber nicht. Stellen müssten doppelt (oder dreifach) besetzt werden. Dadurch würden Einstellungs-, Trainingskosten sowie Versicherungsbeiträge mehrfach fällig.
  • Dem Ansatz der IG Metall steht auch der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil offen gegenüber: "Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen."
Veröffentlicht: 19.08.2020 / Autor: André Marston Alvarez