Mann verlässt mit Fahrrad das Büro

4-Tage-Woche in Spanien - ginge das bei uns auch?

Spanien will die 4-Tage-Woche als erstes Land weltweit in einem großen Pilotprojekt testen. Auch in Deutschland wurde das Thema bereits heiß diskutiert. Im Clip: Was für und gegen das Modell spricht.
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Spanien als Vorbild? So läuft das Pilotprojekt

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    Nach Anstoß der linken Partei "Más País" möchte Spanien bereits ab Oktober 2021 die 4-Tage-Woche testweise einführen. In den kommenden Wochen fällt die endgültige Einscheidung. Es wäre das weltweit größte Pilotprojekt dieser Art.

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    Der Plan: Rund 200 Unternehmen können sich selbst melden, wenn sie an dem Pilotprojekt teilnehmen möchten. Bis zu 6.000 Angestellte arbeiten dann 3 Jahre lang 32 Stunden die Woche.

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    Das Projekt soll durch 50 Millionen Euro finanziert werden. So minimieren die teilnehmenden Unternehmen ihre Risiken.

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    "Mit der 4-Tage-Woche haben wir eine zeitgemäße Diskussion eröffnet", twitterte der Más-País-Politiker Íñigo Errejón.

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    Denn die 4-Tage-Woche soll nicht nur das Wohlbefinden der Angestellten erhöhen, sondern auch ihre Produktivität. So könnte das Modell auch der Wirtschaft zugutekommen.

4-Tage-Woche in Deutschland? Diese Vorschläge gab es bei uns

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    Die Diskussion über eine 4-Tage-Woche gibt es auch in Deutschland bereits länger. 2020 nahm sie durch diese Ereignisse wieder Fahrt auf:

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    Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) schlug Ende 2020 eine 28-Stunden-Woche vor. Das soll Jobs retten, die sonst durch Strukturwandel und Digitalisierung wegfallen würden.

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    Der ehemaligen Parteispitze der Linken ging dieser Vorstoß noch nicht weit genug. Sie schlug sogar eine 30-Stunden-Woche für alle Beschäftigten in Deutschland vor. Mehr dazu weiter unten.

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    Eine konkrete Entscheidung fiel jedoch noch nicht, denn Expert:innen aus Politik und Wirtschaft sind sich uneins - vor allem wenn es um die Lohnkosten geht. Mehr dazu auf dieser Seite.

Mehr freie Zeit, weniger Geld? Was passiert mit dem Lohn?

Ein wichtiger Aspekt bei der Diskussion um eine kürzere Arbeitswoche: der Lohn. Bekomme ich weiterhin den gleichen Monatslohn (für weniger Arbeitstage)?

Ein voller Lohnausgleich bedeutet: Der Stundenlohn wird so erhöht, dass das Monatsgehalt gleich bleibt. Kein Lohnausgleich bedeutet: Man bekommt am Ende des Monats weniger raus.

Expertenstimmen meinen: Wie ein Lohnausgleich aussehen könnte, sollte von der jeweiligen Branche und dem Verdienst abhängen.

Wie stehst du zur 4-Tage-Woche?

So sieht der Ansatz der IG Metall aus:

Aktuell steht die Industrie am Anfang eines Strukturwandels, der bereits jetzt - auch abseits der Coronakrise - Jobs kostet.

Laut einer Studie der nationalen Plattform Zukunft der Mobiliät (NPM) seien allein in Deutschland durch die Umstellung auf Elektro-Autos bis 2030 rund 400.000 Arbeitsplätze gefährdet. Grund: Für den Bau von Elektromotoren wird deutlich weniger Personal gebraucht als für herkömmliche Antriebe.

Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall.


Der Vorstoß von Jörg Hofmann, erster Vorsitzender der IG Metall, sorgte für viel Diskussions-Stoff.
© imago images / Becker&Bredel

 

Um möglichst viele Jobs zu sichern, wäre die 4-Tage-Woche laut IG-Metall-Chef Jörg Hofmann eine gute Option. Er fordert keine generelle Verkürzung der Arbeitszeit. Aber um Stellenabbau zu vermeiden, sollte man das Modell bei Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsräten in Erwägung ziehen. Hofmann wünsche sich jedoch einen "gewissen Lohnausgleich, damit es sich die Mitarbeiter leisten können."

Eine 4-Tage-Woche würde in der Metall-Industrie übrigens eine 28-Stunden-Woche bedeuten. Seit den 1990er Jahren gilt in der Branche eine 35-Stunden-Woche.

Weniger Arbeiten bei gleichem Gehalt: Eine deutsche Firma hat's getestet

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Die Firma "Runa Reisen" hat sogar einen Test für eine 25-Stunden-Woche gemacht und sagt: Weniger Arbeitsstunden bei gleichem Gehalt. Ja, das klappt!

Mehr Produktivität durch bessere Life-Work-Balance. Daran glauben die Linken

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    Katja Kipping, ehemalige Vorsitzende der Linkspartei, ging 2020 einen Schritt weiter und schlug eine generelle Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden für alle Beschäftigten vor - bei vollem Lohnausgleich.

  • Die kürzere Arbeitszeit mache die Menschen gesünder, glücklicher und produktiver. Davon würden auch die Unternehmen profitieren, weil Mitarbeiter:innen weniger Fehler machten, motivierter und seltener krank seien.

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    Eine 4-Tage-Woche könne zudem für mehr Gleichberechtigung sorgen. Paare müssten sich seltener entscheiden, wer für die Kinder kürzer treten muss.

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    Um die Idee attraktiver zu machen, schlug sie eine Anschub-Finanzierung vor. Zuerst zahlt der Staat den Lohnzuschuss an die Unternehmen, die die Arbeitszeit verkürzen. Anschließend müssten Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen ohne staatliche Finanzierungen abgeschlossen werden.

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    Die Linken setzen sich auch weiterhin für reduzierte Arbeitszeit ein: In ihrem Wahlprogramm 2021 listet die Partei eine Arbeitswoche um die 30 Stunden auf.

4-Tage-Woche: Das sagen die Kritiker

  • Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Einführung einer 4-Tage-Woche nur für machbar, wenn auf vollen Lohnausgleich verzichtet wird. Denn der bedeute steigende Kosten für Unternehmen.
  • Ein weiter Kritikpunkt: Eine 4-Tage-Woche sei in Arbeitsbereichen, die von einem Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel betroffen sind, nicht realistisch.
  • Andere Experten finden, dass die Reduzierung der Wochenarbeitszeit in Krisenzeiten für bestimmte Unternehmen sinnvoll sei, flächendeckend aber nicht. Stellen müssten doppelt (oder dreifach) besetzt werden. Dadurch würden Einstellungs-, Trainingskosten sowie Versicherungsbeiträge mehrfach fällig.
  • Dem Ansatz der IG Metall steht auch der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil offen gegenüber: "Reduzierte Arbeitszeit bei teilweisem Lohnausgleich kann eine geeignete Maßnahme sein, wenn sich die Sozialpartner darauf verständigen."
Veröffentlicht: 16.03.2021 / Autor: André Marston Alvarez