Wenn du ausgegrenzt wirst, kann das an deinem Gesicht liegen
Mirella Walker
Life,

Wenn du ausgegrenzt wirst, kann das an deinem Gesicht liegen

vor 10 Monaten

Jetzt belegt es eine Studie: Deine Gesichtszüge bestimmen, ob du viele Freunde hast oder ausgegrenzt wirst. Dabei spielen vor allem zwei Faktoren eine Rolle. Zum einen deine scheinbare Kompetenz, zum anderen die Wärme, die du ausstrahlst.

Ein Team der Universität Basel erforschte, inwiefern Menschen wegen ihres Aussehens ausgegrenzt werden. Im Fokus stand dabei das Gesicht. Im Rahmen mehrerer Studien veränderten sie Portrait-Fotografien durch eine neue Methode der Gesichtsmanipulation so, dass sie unterschiedliche Ausdrücke zeigten. Sie änderten beispielsweise die Größe und Form der Augen, machten das Gesicht insgesamt schmaler oder verschoben die Augenbrauen.

Die veränderten Bilder zeigten entweder herzlich oder kühl wirkende Gesichter, die gleichzeitig entweder kompetent und inkompetent eingeschätzt wurden. Daraus ergeben sich vier verschiedene Möglichkeiten, wie man Menschen wahrnehmen kann: liebenswürdig-inkompetent, liebenswürdig-kompetent, kühl-inkompetent oder kühl-kompetent. Wie man rüberkommt, ist vom Aussehen des Gesichts abhängig. Das ist aus früheren Studien bekannt. Beispielsweise werden sehr niedrig sitzende Augenbrauen eher mit gefühlskalten Menschen assoziiert. Hier seht ihr ein Beispiel dafür:

Ein Gesicht - vier Ausdrucksmöglichkeiten
Eine dieser Personen wird ohne schlechtes Gewissen aus sozialen Gruppen ausgegrenzt. Erkennst du, welche?
© Mirella Walker

Mehr als 480 Probanden sahen sich zwei Sekunden lang die manipulierten Fotografien männlicher Gesichter an. Dann entschieden sie spontan, ob es für sie in Ordnung wäre, die gezeigten Personen aus einer Gruppe auszuschließen oder nicht.

All diese Tests zeigten ein ganz klares Ergebnis: Alle Teilnehmer fanden es eher vertretbar, Menschen auszugrenzen, die wegen ihrer Gesichtszüge kühl und inkompetent aussehen.

Ganz und gar nicht akzeptabel fanden sie es, warm-inkompetent wirkende Personen auszuschließen. Die Psychologin Selma Rudert von der Universität Basel leitete die Studien und hat schon eine Theorie für dieses Phänomen: Menschen, die herzlich aber völlig inkompetent wirken, scheinen Schutz zu brauchen. Deshalb kommt es einem intuitiv grausam vor, sie aus einer sozialen Gruppe zu verstoßen. Man hat Mitleid mit ihnen. Das entspricht übrigens dem Gesicht links oben im eben gezeigten Bild:

Ein Gesicht - vier Ausdrucksmöglichkeiten
Dem herzlich-inkompetenten Gesicht links oben wollen wir intuitiv helfen. Die kühl-kompetente Person rechts unten auszugrenzen fällt uns leichter.
© Mirella Walker

Mit allen, die kalt und inkompetent aussehen, hat man dieses Problem laut den Forschungsergebnissen nicht. Das hat weitreichende Folgen für Menschen mit solchen Gesichtszügen: Es ist schwieriger, zum Teil einer Gruppe oder Gesellschaft zu werden und Freunde zu finden. Laut Selma Rudert gibt es aber noch schlimmere Konsequenzen: „Es wäre denkbar, dass ein kühl und wenig kompetent aussehendes Ausgrenzungsopfer weniger Unterstützung erhält oder dass sich andere im schlimmsten Fall sogar auf die Seite der ausgrenzenden Gruppe schlagen – und dies nur aufgrund eines einzelnen Blicks in das Gesicht der ausgegrenzten Person.“

Es gibt übrigens noch keinen Beweis dafür, dass die Gesichtszüge tatsächlich etwas über den Charakter der Person aussagen. Mit anderen Worten: Der Schein trügt. Glauben tun wir ihm aber trotzdem.

Auch was die Schönheit eines Menschen angeht, dauert es nicht lange, bis wir ein Urteil fällen. Das geschieht meist ganz spontan. Aber was macht ein schönes Gesicht eigentlich aus? Hier erfährst du mehr dazu:

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