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Wer betrunken ist, ist "blau": Woher kommt diese Redewendung?

Wer zu viel Alkohol getrunken hat, ist "blau". Doch warum sagen wir das so? Hat der Ausdruck etwas mit dem "Blaumann" zu tun? Oder mit einer Färbung? Hier erfährst du's.  

Schlaumeier-Wissen

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    "Blau sein" bedeutet betrunken sein. Umgangssprachlich ist man in dem Fall "knülle" oder "voll wie eine Haubitze".

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    Der "Blaumann" hat keine Fahne. Dabei handelt es sich um einen Overall, der oft von Bauarbeitern und Handwerkern getragen wird. Blau war früher die Farbe des Alltags – in blauer Kleidung ging man arbeiten.

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    Die Redewendung geht auf die Färberzunft des Mittelalters zurück. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war der Färberwaid europaweit das einzige Gewächs, das blauen Farbstoff lieferte. Um damit Wolle, Stoffe oder Kleidung färben zu können, mussten die Arbeiter buchstäblich "blau sein".

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    Der Grund: Der in der Pflanze enthaltene Indigo war nicht wasserlöslich. Man benötigte Harnstoff zur Freisetzung. Noch besser löste sich der Farbstoff, wenn man Alkohol beimischte.

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    In der Praxis sah das so aus: Die Waidblätter wurden in großen Bottichen übereinander geschichtet und mit Urin vergossen. Und der war alkoholhaltig, da die Arbeiter davor reichlich Bier und Schnaps tranken.

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    Warum man den Alkohol nicht direkt in die Bottiche gegossen hat? Dafür war er zu teuer. Und so entschieden sich die Färber für die Vorab-Verköstigung.

Die Färber waren nicht nur blau, sie machten auch blau

Bei der Blaufärberei war die letzte Phase die entscheidende: Die Stoffe wurden aus den Bottichen geholt und im Freien zum Trocknen aufgehängt. Denn erst durch die Oxidation an der Luft verwandelte sich das gelbe Indoxyl in blauen Indigo.

Gefärbt wurde in der Regel am Sonntag, so dass die Gesellen am Montag betrunken neben ihren Erzeugnissen lagen und auf das "Farbwunder" warteten. Und weil sie dabei kaum gearbeitet haben, ist aus dem technischen Vorgang des Blaumachens der allgemeinsprachliche Ausdruck für "Nichtstun" entstanden. Auch der „Blaue Montag" rührt daher.

 

Faulenzen

 

Wenn heute von "Blaumachen" die Rede ist, heißt das, dass jemand ohne triftigen Grund der Arbeit fernbleibt oder nicht in die Schule/Uni geht. Synonyme sind schwänzen und krankfeiern. Scherzhaft sagt man: "Seine Grippe nehmen."

Veröffentlicht: 09.04.2020 / Autor: Heike Predikant

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