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Wie auf Drogen? So tricksen optische Täuschungen dein Hirn aus

Eine Wolke in der Eiswaffel? Optische Täuschungen spielen unserem Hirn oft einen Streich. Warum das auch bei dir funktioniert? Wir öffnen dir die Augen.

Das Wichtigste zum Thema optische Täuschungen

  • In den Sozialen Medien generieren sie regelmäßig einen Hype. Gern lassen wir uns von verrückten optischen Täuschungen vom Alltag ablenken.

  • Während dein Auge ganz normal arbeitet, setzt dein Hirn die Infos allerdings falsch zusammen. Für einen kurzen Moment bist du irritiert.

  • Das Phänomen ist seit der Antike bekannt - und in den 60er-Jahren entstand sogar eine eigene Kunstrichtung. Unten findest du lustige Beispiele.

Das passiert in deinem Gehirn

Auge und Hirn sind es gewohnt, in einem dreidimensionalen Raum auf die Veränderungen der Helligkeit oder Leuchtdichte zu reagieren. Die optischen Täuschungen kommen jedoch zweidimensional daher.

Unser Hirn will nun Dienst nach Vorschrift machen und die Regeln aus dem dreidimensionalen Raum auf die zweidimensionalen Bilder übertragen. Das Auge arbeitet also ganz normal, das Hirn wird jedoch ausgetrickst.

Dein Gehirn setzt Bilder auf Grund seiner Erfahrungen zusammen. Es "erinnert" sich gewissermaßen. So entstehen optische Täuschungen, die beispielsweise eine falsche Größe vorgaukeln.

Bei manchen Tricks kommt es auf das Zusammenspiel zwischen Farben im Vorder- und Hintergrund an. Das Gehirn sortiert unterschiedliche Spektren aus. So kann es sein, dass jeder von uns beim gleichen Objekt eine andere Farbe sieht.

Täuschend echter Zeitvertreib

Diese Streiche kannst du deinem Hirn spielen

  • 🗽

    Perspektive: Auf Urlaubsfotos immer wieder gern genommen. Dein Kumpel hält die Freiheitsstatue zwischen seinen Fingern. Das gilt als "erzwungene Perspektive". Unser Hirn hat gelernt, dass die Person in der Nähe größer sein muss als die Statue in der Ferne. Deshalb passt das Denkmal zwischen die Finger.

  • 🎨

    Farbe: War das Kleid auf Tumblr blau und schwarz oder weiß und golden? Bei Farbtäuschungen filtert unser Hirn je nach Farben im Hintergrund andere Spektren heraus. Hier sollen sogar unterschiedliche Hirnregionen aktiv sein.

  • 🐰

    Kippbild: Ist es ein Hase oder eine Ente? Eine junge oder alte Frau? Bei Kippbildern interpretiert unser Gehirn zuerst die wahrscheinlichste Möglichkeit, bis es sich dann neu einstellt und auch das auf Grund seiner Erfahrung zweitwahrscheinlichste Bild verarbeitet.

  • 🔺

    Objekte: Zu den "unmöglichen Figuren" zählt das Penrose-Dreieck. Unser Gehirn muss die Stellung der drei Balken und deren Position im zweidimensionalen Bild immer wieder neu miteinander kombinieren. Logisch passt das nicht zusammen.

  • 💈

    Bewegung: Die Stange vor den Friseur-Salons, Barber Pole, ist ein Zylinder. Darauf sind blaue und rote Streifen in Schraubenform gemalt. Durch die Drehung wirkt es, als ob die Streifen nach oben wandern. Dem Hirn fehlt hier wegen der "gebogenen" Streifen eine gerade Linienorientierung.

  • Linie: Zwei gleich große Linien wirken unterschiedlich lang, wenn am Ende der einen Pfeilspitzen nach außen zeigen, bei der anderen nach innen zulaufen. Unser Hirn gleicht dies mit Erfahrungen ab, und du siehst einen "engeren" oder "weiteren" Bereich.

Optische Täuschung: Bewegt sich das Bild?

Optische Täuschung: Bewegt sich das Bild?

Optische Täuschung: Bewegt sich das Bild?

Im Netz wird heiß über dieses Bild diskutiert. Sieh mal genau hin. Bewegt es sich oder nicht?

"Opt-Art" - Die optische Täuschung als Kunstrichtung

Schon immer wurden optische Täuschungen auch in der Kunst eingesetzt. Ob es sich nun um perspektivische Tricks in der Antike handelt oder den Tromp l'oeil, der besonders in der Renaissance dazu führte, dass zum Beispiel Schlossdecken gewölbt oder tiefer wirkten. Auch der Niederländer M.C. Escher ist für seine spielerischen Bilder aus den 30er-Jahren bekannt.

Bild von M.C. Escher


Wo geht's hier nochmal lang? Ein berühmtes Bild von M. C. Escher.
© picture-alliance / United Archives/TopFoto

 

Eine ganz eigene Stilrichtung, die "Op-Art", entstand in den 1960er-Jahren. Sie setzt auf abstrakte Form-Muster, geometrische Farbfiguren, Flimmer-Effekte oder täuscht Bewegung vor. Es gibt sowohl Malereien als auch Skulpturen.

Ausstellung Op-Art


Ausstellung von Victor Vasarely, einem der Hauptvertreter der "Op-Art", in Madrid.
© picture alliance / NurPhoto

Veröffentlicht: 09.05.2020 / Autor: Sven Hasselberg

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