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Wokeness

Wokeness: Warum dieses Schlagwort so umstritten ist

Vor allem in sozialen Medien stößt du in letzter Zeit vermehrt auf das Wort "woke". Die Leute, die es verwenden, verbinden damit jedoch sehr unterschiedliche Bedeutungen. Welche Positionen sich beim Begriff "Wokeness" gegenüberstehen, erfährst du hier. Im Clip: Wie tolerant sind wir wirklich?
Wokeness: Warum dieses Schlagwort so umstritten ist
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Das Wichtigste zu Wokeness

  • Die einen befürworten den Begriff, um für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Die anderen stempeln ihn als moralische Besserwisserei ab.

  • Die Stimmung in der Debatte ist aufgeheizt. Mehr noch als bei dem verwandten Begriff Political Correctness.

  • Aufgrund der Spaltung ist umstritten, ob der Ausdruck im öffentlichen Diskurs förderlich ist oder aber selbst zu einem verschärften Ton beiträgt.

Woher kommt der Begriff "Wokeness"?

Ursprünglich entstanden ist der Ausdruck während der Bürgerrechtsbewegung in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung seit 2013 und insbesondere nach dem Mord an George Floyd im Jahr 2020 rückt der Begriff wieder stärker ins öffentliche Blickfeld, auch in Deutschland.

In der letzten Zeit findet er vor allem in den sozialen Medien wie Twitter und Facebook häufig Verwendung, beispielsweise unter den Hashtags #woke und #staywoke.

Von der eigentlichen Bedeutung "aufgeweckt, aufgewacht" ist "woke" in seiner aktuellen Verwendung längst entfernt. Vielmehr ist daraus ein umkämpftes Schlagwort geworden: auf der einen Seite als positive Selbstbezeichnung, auf der anderen Seite als abwertende Fremdbezeichnung.

"Wokeness" als gesteigertes Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten

  • 🧐

    Für Befürworter:innen des Begriffs bedeutet "Wokeness" oder "woke" zu sein, eine erhöhte Wachsamkeit für Themen wie Rassismus, Sexismus und andere Diskriminierungen zu beweisen.

  • Übergeordnet sehen sich woke Menschen dementsprechend als eine progressive Gruppe, die sich der prekären Zustände in der Welt bewusst ist und diese zum Besseren verändern will.

  • Als woke gilt beispielsweise, wer sich gegen die strukturell bedingte Benachteiligung von gesellschaftlichen Minderheiten erhebt oder sich durch das eigene Verhalten gegen den Klimawandel einsetzt.

  • 🤝

    Wer woke ist, befürwortet in der Regel auch Political Correctness. Das heißt: einen Sprachgebrauch, der niemanden diskriminiert.

  • 🙈

    Umgekehrt gilt jemand nicht als woke, wenn die Person soziale Missstände nicht wahrnimmt (oder wahrhaben will) und diese stillschweigend akzeptiert, anstatt sich dagegen zur Wehr zu setzen.

"Wokeness" als Kampfwort für übersteigerte Identitätspolitik

  • Gegner:innen des Begriffs sehen in der Wokeness-Bewegung militante Gutmenschen, die der Mehrheitsgesellschaft Verhaltens- und Sprachregeln einer Minderheit vorschreiben wollen.

  • 📲

    Wokeness ist für sie ein Mittel zur Selbstdarstellung von moralischer Überlegenheit, meist anonym ausgedrückt in sozialen Medien.

  • 🤬

    In enger Verbindung zu Wokeness steht daher auch der Ausdruck "Cancel Culture". Damit ist gemeint, mehr oder weniger bekannte Personen wegen (angeblichen oder tatsächlichen) diskriminierenden Verhaltens öffentlich zu ächten.

  • 🤯

    Radikale Wokeness, die strikt in entweder ethisch richtiges oder falsches Handeln unterteilt und Fehlverhalten mit Ächtung bestraft, beinhaltet für Kritiker:innen einen Widerspruch in sich selbst. Dadurch führt Wokeness wiederum zu Ausgrenzung.

  • 🤠

    Wokeness und Cancel Culture gelten somit als eine übermäßige Form von politischer Korrektheit. Bereits politische Korrektheit lehnen Gegner:innen allerdings wegen vermeintlicher Beschränkung der Meinungsfreiheit und teilweise als Zensur ab.

Deine Meinung zu Wokeness ist gefragt

Veröffentlicht: 21.04.2022 / Autor: Alexander Duebbert