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Von Unfall-Helfer bis Kriegsgerät: Wie Drohnen die Lüfte erobern

Revolution der Lüfte oder Gefahr von oben? Wir zeigen dir, wo Drohnen schon überall zum Einsatz kommen - und was es mit der Debatte über Kampfdrohnen bei der Bundeswehr auf sich hat.
Teaserbild: Von Unfall-Helfer bis Kriegsgerät: Wie Drohnen die Lüfte erobern

Das Wichtigste zum Thema Drohnen

  • Die erste Drohne stieg 1783 in die Luft. Damals ließen die Brüder Mongolfier in Annonay (Frankreich) einen unbemannten Heißluftballon steigen.

  • Den ersten Kampf-Einsatz hatten Drohnen 1849. Damals nutzte das Königreich Österreich-Ungarn mit Bomben ausgestattete Ballons, um Aufstände in Venedig niederzuschlagen.

  • Aktuell wird diskutiert, Kampfdrohnen in der Bundeswehr einzusetzen. Sie sollen mehr Schutz für deutsche Soldaten bieten - gleichzeitig gibt es aber auch Kritik. Mehr dazu weiter unten.

  • In anderen Bereichen sind Drohnen bereits eine unbestrittene Revolution der Lüfte. Wir zeigen dir, wo sie schon überall zum Einsatz kommen.

Setzt die Bundeswehr bald Kampfdrohnen ein?

Kampfdrohne Heron TP


Bald schon könnten diese "Heron TP"-Drohnen Teil von Bundeswehr-Kampfeinsätzen werden.
© Abir Sultan/EPA/dpa

Seit Jahren wird in Deutschland über den Einsatz von Kampfdrohnen diskutiert. Erste Exemplare des von anderen Ländern bereits genutzten Modells "Heron TP" stehen schon für die Bundeswehr bereit - bisher gab es nur noch keinen Startschuss.

Jetzt will Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bereits 2021 Kampfdrohnen über Afghanistan und Mali fliegen lassen. Für den "bestmöglichen Schutz" der Soldaten sei das "unerlässlich", sagte sie im Bundestag. Unbewaffnete Drohnen nutzt die Bundeswehr bereits. Mit Kampfdrohnen könnte man die nächsten Angriffe auf deutsche Soldaten aber nicht nur beobachten, sondern durch gezielte Einsätze auch verhindern.

Doch es gibt Widerstand. Unter anderem der Koalitionspartner SPD befürchtet: Der Einsatz unbemannter Kampfdrohnen könnte die Hemmschwelle für bewaffnete Angriffe sinken lassen - auch seien sie ein Schritt in Richtung automatisierter Waffensysteme.

Vor einer endgültigen Entscheidung muss der Bundestag aber noch über "die völkerrechtliche, verfassungsrechtliche und ethische Bewertung" abstimmen.

Schwebende Helden: Hier werden Drohnen schon eingesetzt - und helfen

  • 👍

    Drohnen gegen Zika, Dengue und Co: Brasilianische Forscher entwickelten eine Technik, bei der Drohnen sterile Mücken-Männchen in betroffenen Gebieten "aussetzen". Paaren sie sich mit Weibchen, bringen deren Eier keine Nachkommen hervor - und das Risiko von Epidemien wird verirngert. Mehr dazu hier.

  • 👨🏼‍🌾

    In der modernen Landwirtschaft helfen Drohnen den Bauern bei der Verteilung von Pflanzenschutzmitteln. Mehr dazu hier.

  • ⛑️

    Der ADAC gelangt mit einer super schnellen XXL-Drohne schneller an Unfallorte. Hier zählen die Sekunden - die Drohne rettet Menschenleben.

  • 🎁

    Drohnen-Post: In China liefern Drohnen Pakete aus. Damit schonen sie den ohnehin schon belasteten Straßenverkehr - und die Nerven der Paketdienste.

Alles im Blick: Die Überwachungs-Drohne von Amazons Tochterfirma Ring

Für Sicherheits-Fanatiker bringt Amazons Tochterfirma Ring bald eine Mini-Drohne auf den Markt. "Always Home" soll als schwebende Sicherheitskamera durch den Haushalt fliegen. Die Videoaufnahmen werden direkt an das Smartphone des Bewohners gesendet.

Die Drohnen-Kamera folgt dabei einer Route, die der Besitzer vorgibt. Sie kann aber auch auf Informationen anderer Sensoren reagieren - und zum Beispiel dort hinfliegen, wo ein "Echo"-Lautsprecher das Geräusch von zerbrechendem Glas registriert hat. Ist der Akku leer, fliegt die Drohne automatisch zu ihrer Aufladestation zurück.

Wenn die Home-Drohne auf dem US-Markt Erfolg hat, soll sie auch nach Deutschland kommen. Der Preis für das Gerät ist bislang noch unbekannt.  

So sieht die "Always Home" Drohne aus

Auch diese Drohnen solltest du kennen

Auf welche Ausstattung du beim Drohnen-Kauf achten solltest

  • 🖐️

    Propellerschutz: Die "Bumper" reduzieren das Risiko von Schäden an den Propellern - und deinen Fingern. Ein Muss für Drohnen-Anfänger.

  • 🚁

    Ersatzpropeller: Hexa- und Octokopter können mit einer oder 2 beschädigten Propellern fliegen, bei Quadrocopter müssen die Teile jedoch sofort ausgetauscht werden.

  • 🔋

    Zusatz-Akkus: Der Spaß am Fliegen ist schnell vorbei. Nach etwa 20 Minuten muss aufgeladen werden, was zwischen 30 und 120 Minuten dauert. Zusatz-Akkus lassen sich leicht mitnehmen und austauschen.

  • 🗺️

    GPS: Drohnen mit GPS können ihren eigenen Standort bestimmen und einer festgelegten Route folgen. Drohnen mit der Funktion "Dynamic return home" kehren dann - oder wenn die Batterie fast leer ist - zurück an den Startpunkt.

  • 📹

    Kamera: Eine Drohne mit Live-Kamera bringt eine Menge Spaß und macht einen großen Teil des Reizes beim Fliegen aus – gerade in Verbindung mit FPV.

  • 👓

    FPV: Erfahrene Piloten setzen auf "First Person Viewing". Dadurch ist es möglich, die Umgebung deiner Drohne mit Hilfe eines tragbaren Monitors zu sehen. Noch intensiver: eine FPV-Videobrille, um die Flugperspektive hautnah zu erleben.

Runter kommen sie alle. Aber wie?

Wer sich von einer Drohne gestört fühlt, kann sie nicht einfach vom Himmel holen. Das dürfen nur Polizei und Militär. Und so machen sie das:

Beim Jamming unterbricht ein Störsignal die Funkverbindung zur Drohne. Die meisten Geräte sind so programmiert, direkt zu landen oder zum Startpunkt zurückzukehren.

Drohnen können auch über das Mobilfunknetz gesteuert werden, also ohne Funksignale. Hier sorgt das Spoofing mit einem starken Störsender dafür, dass programmierte GPS-Koordinaten falsche Signale übermitteln und die Drohne so vom Kurs abbringen.

Und es gibt die Drone Catcher. Hier jagt eine Drohne die andere. Der Catcher schießt ein Netz über das Ziel, wodurch die Rotoren blockieren. Die zu Boden fallende Drohne wird mit einem Netz aufgefangen und abtransportiert.

Game of Drones: Wer ist der König der Lüfte?

Die spaßigste Art abzuheben, ist vermutlich das "Drone Racing". Dabei kann jeder mitmachen und in der "Drone Racing League" zum Champion werden. In unterschiedlichen Rennen wie "Time Trail Race", "Drag Race" oder "Rotocross" zeigen Piloten auf einer dreidimensionalen Rennstrecke, was sie drauf haben.

Du kommst hier nicht rein! Diese Flugverbots-Zonen gibt es

  • 😲

    Unerlaubte Drohnenflüge führen regelmäßig zu Flughafen-Sperrungen. In London Gatwick ging Ende 2018 für 30 Stunden nichts mehr. 1.000 Flüge fielen aus. Schaden: mehrere Millionen.

  • ✈️

    In den An- und Abflugbereichen und Kontrollzonen von Flugplätzen sind Drohnen lebensgefährlich, da sie bei einer Kollision Flugzeuge beschädigen können.

  • 🛣️

    Über Bundes-Autobahnen oder viel befahrenen Verkehrswegen ist der Einsatz von Drohnen ebenfalls untersagt.

  • 🏭

    Drohnen können mit Sprengsätzen ausgestattet werden. Mit einer Drohne über einem Kraftwerk zu fliegen ist in etwa so, wie mit einem Motorradhelm in eine Bank zu gehen. Besser beides lassen!

  • 🚀

    Achtung, Spionage-Gefahr! Das Militär hat selbst Drohnen und weiß, was sich alles damit anstellen lässt. Also lieber nicht über militärisches Gelände fliegen.

  • 🏥

    In Krankenhäusern reagiert man ebenfalls empfindlich auf umherfliegende Drohnen - aus Sicherheitsgründen und auch wegen des Lärms.

  • 🏢

    Sensible Informationen, dazu Besucher und Beamte, die nicht gefilmt werden dürfen: Auch in der Nähe von Behörden ist es nicht erlaubt, Drohnen zu starten.

  • 🏘️

    Beim Nachbarn durchs Schlüsselloch oder direkt durchs Fenster im 8. Stock gucken? Ist verboten.

  • 🏞️

    Vögel dürften wohl eher irritiert sein, wenn sie einer Drohne begegnen. In Naturschutzgebieten dürfen daher nur echte Flattermänner fliegen.

  • 🚨

    Schwere Verkehrsunfälle, Haus-Explosionen: Gaffer könnten auch das überfliegen wollen. Ist aber nicht nur total daneben, sondern auch verboten.

Veröffentlicht: 07.10.2020 / Autor: Bjoern Krause