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Das "Bienensterben" ist in aller Munde - was ist dran

Auch Facebook, Instagram und Co. nutzen Imker, um gegen das Bienensterben zu kämpfen. Doch summt bei uns bald wirklich nichts mehr?

Das Wichtigste zum Thema Bienensterben

  • Bedroht sind vor allem Wildbienen. Ihnen schwinden Lebensräume und Nahrung. Honigbienen stehen nicht auf der Roten Liste, leiden aber unter der Varroa-Milbe.

  • Schluss mit Schoki und Erdbeerkuchen?! Wie war das noch mit den Bienchen und den Blümchen? Ohne die Bestäuber gäbe es viele Sorten Beeren, Obst und Gemüse nicht. Auch die Kakaopflanze wäre betroffen. Es blieben Lebensmittel wie Kartoffeln, Mais und Getreide.

  • Bienen sehen Farben gut, sofern sie nicht schneller als 5 km/h fliegen (die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 30 km/h). Für Raser wirken alle Blüten schwarz-weiß.

  • Gibt’s noch was zu holen? Ob eine Blüte ausgelutscht ist, markieren Arbeiterbienen mit chemischen Botschaften. Das erspart Kolleginnen unnötige Landungen und erhöht die Effektivität beim Nektarsammeln.

Alle reden davon - aber gibt es das "große Bienensterben" wirklich?

Die Regale im Supermarkt sind leer. Die Rose ist auf ewig verwelkt. Ohne Bienen ist unsere Nahrungsversorgung und letztlich unser (Über)leben gefährdet: ein Horror-Szenario. Aber wie real ist es? In den sozialen Medien, in den Zeitungen – überall ist vom "großen Bienensterben" die Rede. Aber: Honigbienen gibt es, solange es Imker gibt. Laut der "Food and Agriculture Organisation" der Vereinten Nationen hat sich die Anzahl der Bienenstöcke seit den 1960er-Jahren weltweit fast verdoppelt. Der Honig wird uns auch künftig nicht vom Brot genommen.

 

 

Vom Aussterben bedroht sind die wilden Verwandten der Honigbiene. Von den über 550 Wildbienen-Arten in Deutschland steht rund die Hälfte auf der Roten Liste, über 30 Arten könnten bald ausgesummt haben. Gefährdet sind auch Käfer, Schmetterlinge, Fliegen und Mücken. Es geht also vielmehr ums Insektensterben. Hast du auch schon bemerkt, dass auf deiner Windschutzscheibe nach der Fahrt ins Grüne kaum noch Tierchen kleben? 75 Prozent der fliegenden Insekten verschwanden hierzulande innerhalb der vergangenen 27 Jahre. Anders ausgedrückt: Biene Maja ist "nur" eine Stellvertreterin. Und als Sympathieträgerin beliebt für PR-Kampagnen zum Naturschutz.

Was den Bienen schadet

  • ☠️

    Der hohe Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln in Landwirtschaft, Obst- und Gemüsebau macht Bienen massiv zu schaffen.

  • 🌽

    Monokulturen schränken das Nahrungsangebot für Bienen ein.

  • 🏢

    Städte und Verkehrsflächen wachsen und "fressen" den Lebensraum der Bienen.

  • 🌡️

    Die Erderwärmung verändert die Blütezeiten von Pflanzen, dadurch kommen Bienen aus dem Rhythmus.

Bee Stops: Hier sollen auch Bienen halten

Im holländischen Utrecht machen Bienen Halt am Bus-Stop. Die Stadt bepflanzte hunderte Dächer von Bushaltestellen, um einen Beitrag zum Schutz der Tiere zu leisten. Die Idee summte sich bis nach Deutschland durch. In Ludwigshafen diskutieren Politiker über bienenfreundliche Haltestellen, in Leipzig stehen bereits die ersten.

 

© Clear Channel

Was du tun kannst? Baue den Bienen ein Hotel!

Bienenhotel als Nistplatz

Das brauchst du dafür: 1 Dose (mind. 12 cm tief), Gartenschere, hohle Bambusstängel, Schmirgelpapier, Schnur

So gehst du vor: Schneide die Bambusstängel mit einer Gartenschere auf die Länge der Dose zu. Schmirgle die Schnittflächen danach schön glatt. Stecke den Bambus in die Dose. Nutze so viele Stängel wie nötig, damit das Bündel fest sitzt. Schnüre das Band mehrfach mittig um die Dose und knote es fest. Lege die Dose an einen sonnigen, wind- und regengeschützten Platz im Garten oder binde sie an einen Baumstamm. Wichtig: Nicht senkrecht platzieren, immer waagerecht.

 

© Getty Images

 

Bienen-Wissen zum Staunen

  • 💃🏽

    Die Nachrichtenkette, wo Nahrung zu finden ist, beginnt mit Tänzen. Je temperamentvoller die Bewegungen, desto mehr Futter ist in Aussicht. Bienen können Rund- und Schwänzeltänze. Kreiselt die Biene auf der Wabe links und rechts herum, sind Futterquellen weniger als 100 Meter entfernt. Wackelt die Biene mit dem Po und tanzt im Halbkreis, ist das Futter weiter weg.

  • 🍯

    Süße Reise: Für ein 500-Gramm-Glas Honig umrunden Bienen etwa 2,5 Mal die Welt - zumindest streckenmäßig.

  • 💘

    Lebensaufgabe der männlichen Drohnen ist es, eine Königin auf deren Hochzeitsflug zu begatten. Wer erfolgreich ist, spendiert all seine Samen - und stirbt. Von wegen Blümchensex!

  • 🐝

    Wildbienen sind meist Einzelgänger. Sie bauen ihr eigenes Nest. Ein soziales Gefüge ist das Kennzeichen von Honigbienen. Diese organisieren sich zu tausenden Bürgern im Bienenstock.

"Bei Bienen gibt's keine Fake-News"

Was Menschen von den Meistern der sozialen Organisation lernen können, erklärt Jürgen Tautz. Er ist emeritierter Biologieprofessor, Bienenforscher und Gründer der Online-Lernplattform "we4bee".

 

  • Bienen lügen nicht. Ihre Kommunikation ist hoch entwickelt. Bienen könnten Fehlinfos über wunderbare Nist- und Futterplätze verbreiten - tun es aber nicht. Sich interessant zu machen, hatte für sie keinen evolutionären Vorteil. Bei ihnen gibt es keine Fake-News.

 

  • Bienen genießen Kündigungsschutz. Das Klischee der fleißigen Biene entsteht durch das Gewusel im Bienenstock. Dabei ist die einzelne Biene ziemlich faul. Viele Tiere unternehmen nur 1 bis 2 Ausflüge pro Tag. Sie hocken eher rum und beobachten ihre Umgebung. Wenn sie für Arbeiten wie Nestbauen und Wasserholen gebraucht werden, sind sie aber sofort zur Stelle.

 

  • Bienen teilen Essen immer gerecht auf. Dass einer verhungert, kommt bei Bienen nicht vor. Entweder sind alle satt oder das ganze Volk verhungert. Die Insekten sind zudem nicht gierig. Sie legen Vorräte nach Bedarf an. Sinnloser Verbrauch ist ihnen fremd.

 

  • Bienen entscheiden basisdemokratisch. Wer ist die Dümmste im ganzen Staat? Die Königin. Schlau sein, ist aber auch nicht ihr Job. Sie legt im Sommer tausende Eier täglich und sorgt für Nachwuchs. Entscheidungen trifft das Volk selbst, als Gruppe.

Insekten wie aus einem Science-Fiction-Film

Tanzen, brüten, töten: Videos aus dem Bienenstock

Barrett Klein filmte in einem Forschungs-Bienenstock der Universität Würzburg

Veröffentlicht: 03.09.2019 / Autor: Alena Brandt

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