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CO2: Können neue Kraftwerke den Klimakiller aus der Atmosphäre filtern?

Abseits der Corona-Krise hat die Menschheit noch ein globales Problem zu lösen: Im Kampf gegen Erderwärmung und Klimawandel müssen wir endlich den CO2-Ausstoß ausreichend reduzieren. Und dafür gibt es jetzt eine ungewöhnliche Idee.
Rauchend Industrieschornsteine bei Sonnenuntergang

CO2: Warum ist es so schädlich für das Klima?

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    CO2 (Kohlenstoffdioxid oder auch Kohlendioxid) ist ein elementarer Bestandteil des Lebens. Es ensteht bei der Zellatmung. Wir atmen es ununterbrochen aus. Selbst Fische geben es durch ihre Kiemen ins Wasser ab. Pflanzen benötigen es dagegen für die Photosynthese.

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    Aus unserem täglichen Leben ist CO2 kaum wegzudenken. Es ist in unseren Sprudelgetränken, Kunststoffen und Feuerlöschern enthalten und wir oft in der Industrie eingesetzt.

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    Das Problem: CO2 ist auch ein Nebenprodukt von Verbrennungsmotoren, der Stromerzeugung und vielen weiteren Bereichen des modernen Lebens, weshalb insbesondere die Industriestaaten zu viel davon ausstoßen und die Atmosphäre damit anreichern.

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    Die Folge: Die Wärmestrahlung der Sonne wird normalerweise zu einem Großteil von der Erde reflektiert und zurück in den Weltraum geleitet. Bei erhöhter CO2-Konzentration werden die Sonnenstrahlen aber nicht mehr ausreichend zurückgeworfen, sondern geben ihre Wärme in die Atmosphäre ab.

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    Dieser Treibhaus-Effekt führt langfristig zu einer Erwärmung des Weltklimas - mit drastischen Folgen für das gesamte Ökosystem. Durch das Abschmelzen der Polkappen, Eisfelder und Gletscher erhöht sich der Meeresspiegel weltweit. Für das Jahr 2050 prognostizieren Forscher bereits einen Anstieg von rund 1 Meter.

Das CO2-Kraftwerk der schweizer Firma Climeworks filtert Kohlenstoffdioxid direkt aus der Luft

Kohlenstoffdioxid aus der Luft abbauen? So klappt's

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    Im Kampf gegen den Klimawandel gehen Forscher mittlerweile ungewöhnliche Wege. Eine Idee: CO2 direkt aus der Luft herausfiltern. Dieses Verfahren nennt man auch Direct Air Capture.

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    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es Forschern gelungen, Kohlenstoffdioxid erfolgreich aus der Umgebungsluft zu extrahieren und nutzbar zu machen. Das CO2 wird dafür durch ein mehrstufiges Verfahren in sehr feines Kohlenstoffpulver umgewandelt, das sogenannte „Carbon Black“ - ein wertvoller Rohstoff für Industrie und Technik.

  • Vielversprechend klingt auch das Verfahren des kanadischen Unternehmens Carbon Engineering. Hierbei wird die Umgebungsluft durch große Filteranlagen geleitet und durch mehrere chemische Reaktionen zu rund 75 Prozent extrahiert. Aktuell sind Anlagen in Planung, die rund 1 Million Tonnen CO2 pro Jahr abbauen sollen - so viel wie 40 Millionen Bäume. Das gewonnene Rohmaterial soll zu Treibstoff verarbeitet werden.

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    Auf Island ist es einheimischen Forschern und dem schweizer Unternehmen Climeworks gelungen, CO2 aus Kraftwerken und der Luft mithilfe von Wasser in den Boden zu leiten, wo es zu Kalkspat reagiert - ein Gestein, das als Baustoff oder zur industriellen Nutzung geeignet ist. Weil aber der Raum im Boden begrenzt ist, wird noch nach passenden Lagerstätten gesucht.

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    Die US-Firma Global Thermostat wurde von 2 Professoren der Columbia Universität gegründet und gewinnt das CO2 durch ein komplexes Filtersystem direkt aus der Luft. In den kommenden Jahren sollen mehrere Anlagen entstehen, die bis zu 1 Milliarde Tonnen CO2 herausfiltern können.

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    An der Harvard Universität entwickelte man ein künstliches Blatt, das die natürliche Photosynthese nachahmt und dadurch wie eine echte Pflanze CO2 abbauen kann. Diese Methode könnte auf lange Sicht nicht nur sehr effektiv sein, sondern stellt dank spezieller Bakterien sogar klimafreundlichen Treibstoff her.

Von Energie- bis Landwirtschaft: der CO2-Ausstoß 2019 in Deutschland

Veröffentlicht: 18.08.2020 / Autor: Nanouk Hoepner