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Der Tag, an dem die Niagarafälle verschwanden

Vor 50 Jahren rauschte nichts mehr. Bald könnten die Niagarafälle erneut trockengelegt werden. Falls du davor hin willst, gibt's hier Wissenswertes.

Das Wichtigste zum Thema Niagarafälle

  • Die Niagarafälle befinden sich an der Grenze zwischen dem US-Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario. Gespeist werden sie vom Niagara-Fluss, der den Eriesee mit dem Ontariosee verbindet.

  • Das große Rauschen: Daran sind die American Falls, die Bridal Veil Falls und die Horseshoe Falls beteiligt.

  • Am Tag stürzt etwa die Hälfte des gesamten Wasserdurchflusses die Fälle hinunter (außerhalb der Saison ist es etwa ein Viertel). Das verbleibende Wasser wird über ein Stauwehr zu Kraftwerken geleitet und dient der Stromgewinnung.

  • Nachts wird die Wassermenge um etwa die Hälfte gedrosselt. Und wenn Saison ist, bringt man die Falls morgens per Knopfdruck "auf Touren".

  • Vorsicht, nass! Wer sich das Naturschauspiel von der Cave of the Winds aus angucken möchte, bekommt bei Bedarf rutschfeste Sandalen und einen Plastik-Poncho.

Die Trockenlegung der Niagarafälle

Die Wasserfälle ohne Wasser? Ja, so war es 1969. Damals wurden die Niagarafälle für fünf Monate trockengelegt, damit Forscher das Gelände darunter auf Erosion untersuchen konnten. Zum Vorschein kam nicht nur Geröll. Man fand auch unzählige Münzen, die abergläubische Touristen in die Wassermassen geworfen hatten, sowie zwei Leichen von mutmaßlichen Selbstmördern. Seit 2016 wird erneut über eine Trockenlegung diskutiert. Die beiden über 100 Jahre alten Fußgängerbrücken müssten repariert werden. Bedenken wirft die Frage auf, wie sich das Vorhaben auf die Natur auswirkt. Umweltschützer weisen darauf hin, dass das Ökosystem in Bedrängnis geriete, Fische und Amphibien zumindest vorübergehend ihren Lebensraum verlieren würden.

Wasserfall-Wahnsinn: Menschen, die sich die Niagarafälle hinabstürzten

  • Die erste "erfolgreiche" Befahrung gelang 1901 einer US-Lehrerin. Annie Taylor benutzte ein gepolstertes Eichenfass, das mit einem stützenden Lederharnisch ausgestattet war. Während des "Ritts" wurde sie vorübergehend ohnmächtig, hinterher musste sie wegen eines Schocks behandelt werden. Sie dankte Gott dafür, dass sie die Reise überlebt hatte.

 

  • "Entweder du packst es oder du stirbst": Der Kanadier Dave Munday unternahm fünf Versuche - dreimal vereitelte die Polizei sein Vorhaben. Als der Kfz-Mechaniker und Fallschirmlehrer 1985 in seiner selbst gebastelten Stahltonne auf dem Wasser aufschlug, verlor er kurz das Bewusstsein. 1993 kam er glimpflicher davon. Insgesamt kosteten ihn die verbotenen Manöver über 20.000 Euro Strafe.

 

  • 2003 warf sich Kirk Jones in die Fluten und war damit der erste Mensch, der einen Sprung (ohne Schutz) in die Niagarafälle überlebt hatte. Ob der Amerikaner sich das Leben nehmen oder Aufmerksamkeit bekommen wollte, ist unklar. 2017 hingegen gab es kein Happy End: Der aufblasbare Gummiball, in dem sich der Salesman diesmal hinabstürzte, wurde leer am Fuße der Wasserfälle gefunden.

Wie viele Fische überleben den Sturz? Und wann ...?

Warum die Niagarafälle in 50.000 Jahren verschwunden sein könnten

Es begann vor rund 12.000 Jahren. Am Ende der letzten Eiszeit schmolzen die verbliebenen Gletscher in der Umgebung der Great Lakes. Das Schmelzwasser ließ den Eriesee überlaufen und dadurch bildete sich der Fluss Niagara. Der ergoss sich über die Klippen der Niagara-Schichtstufe in den Ontariosee - allerdings nicht folgenlos.

Das "kraftvolle" Wasser wusch den weichen Schiefer am Fuß der Fälle aus, bis das darüberliegende harte Dolomitgestein einbrach. Und so haben sich die Niagarafälle seit ihrer Entstehung bereits über 11 Kilometer von der Schichtstufe wegbewegt: stromaufwärts in Richtung Eriesee.

Der Rückzug hält an, geht aber inzwischen langsamer vonstatten. Vor allem die teilweise Umleitung des Flusses zu den Wasserkraftwerken hat die Wucht der Fälle und damit die Erosion reduziert. Wissenschaftler schätzen, dass die etwa 28 verbliebenen Kilometer bis zum Eriesee (angesichts der angenommenen Erosionsrate) in 50.000 Jahren unterminiert - und die Niagarafälle im See verschwunden sein könnten.

Veröffentlicht: 04.06.2019 / Autor: Heike Predikant

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