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Die Nutrias machen sich breit: Hast du schon eins gesehen?

An vielen Gewässern in Europa tummeln sich die südamerikanischen Riesen-Nager bereits. Und es werden immer mehr. Warum sich die Nutrias auch bei uns ausbreiten - und was das für Folgen hat.
Nutrias

Das Wichtigste zum Thema Nutrias

  • Die Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika. Dort leben sie in subtropischen und gemäßigten Klimazonen an Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen.

  • Mittlerweile haben sich die Nagetiere auch in Europa angesiedelt. In Deutschland sind sie in allen Bundesländern zu finden.

  • Die überwiegend rötlich-braunen XL-Nager werden bis zu 65 Zentimeter lang und bis zu 10 Kilo schwer. Ihr runder, schuppenbedeckter Schwanz misst zwischen 30 und 45 Zentimetern.

  • Auf den ersten Blick ähneln die Tiere dem Biber, allerdings fehlt ihnen der abgeflachte Ruderschwanz. Stattdessen haben sie Schwimmhäute an den Hinterfüßen, mit denen sie sich gut im Wasser fortbewegen können.

  • Die Fast-Vegetarier verspeisen hauptsächlich Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen. Es dürfen aber auch mal Schnecken, Würmer und Süßwasser-Muscheln sein.

  • Nach einer Tragzeit von 19 Wochen bringen die Weibchen 6 bis 8 vollbehaarte Junge zur Welt, die mit 5 Monaten geschlechtsreif sind. Pro Jahr sind 2 bis 3 Würfe möglich.

  • In freier Wildbahn werden die Tiere etwa 3 Jahre alt, in Gefangenschaft können es mehr als 10 Jahre werden.

Die Nutrias erobern Europa

Nach Europa kamen die südamerikanischen Nager bereits Ende des 19. Jahrhunderts: Weil ihr Fell begehrt war, wurden sie auf Peltzierfarmen gezüchtet.

Im 20. Jahrhundert nahm der Bestand an Nutrias in Europa stark zu. Freigesetzte oder entkommene Tiere konnten vielerorts Kolonien bilden.

Laut einer Studie der Universität Wien werden sie sich weiter ausbreiten. Demnach gibt es in Europa noch etliche potentielle Lebensräume für die Exoten.

Auch der Norden würde aufgrund der globalen Erwärmung und milderer Winter zunehmend zu einem geeigneten Terrain.

Die Nutrias stehen schon jetzt auf der EU-Liste der invasiven Arten - mit dem Ziel, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Zwar sehen die Tiere niedlich aus, doch sie richten Schäden an (siehe unten) .

Allein in Deutschland wurden in der Jagd-Saison 2018/2019 (1. April bis 31. März) über 60.000 Nutrias erlegt. Das sind knapp 18 Prozent mehr als im Jahr davor und über 260 Prozent mehr als vor 10 Jahren.

Gefährliche Invasion: Welche Schäden die Nutrias anrichten

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    Nutrias graben Löcher und Gänge in Deiche und Uferböschungen. Dadurch kann es zu Einstürzen kommen. Auch für Menschen und Fahrzeuge ist das unterhöhlte Erdreich gefährlich.

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    Zudem verputzen Nutrias reichlich Wasserpflanzen, so dass sich der Pflanzenbewuchs in sogenannten Uferröhrichten oft stark verändert. Die Folge: Die Lebensräume seltener Arten werden eingeschränkt.

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    Da Nutrias wenig menschenscheu sind, lassen sie sich auch in städtischen Gebieten nieder - und verwüsten Gärten oder Parks. Deswegen gilt: Die Tiere nicht füttern.

Nutria, Biber oder Bisam? Wie sich die Wassernager unterscheiden

Falls du ein Nutria siehst, kannst du es melden - per App

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    Sollte dir bei einem Spaziergang ein Nutria begegnen, kannst du einen Beitrag zur weiteren Erforschung der Nagetiere in Europa leisten: Über die Smartphone-App "NaturaList" lässt sich eine Sichtung schnell und simpel festhalten - inklusive entsprechender Orts-Informationen. Das geht auch ohne Internetverbindung. Du kannst Karten (deiner Region) vorab herunterladen und dann offline nutzen.

So funktioniert die App "NaturaList"

Veröffentlicht: 20.10.2020 / Autor: Heike Predikant