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Tierische Newcomer: Diese Arten kennt man erst seit kurzem

Immer wieder stoßen Forscher auf neue - teils skurrile - Tierarten wie "Herr der Ringe"-Fische oder Schildkröten mit Rüssel. Welche Tiere noch neu entdeckt wurden - und warum der Quastenflosser nach 70 Millionen Jahren "auferstanden" ist.

Das Wichtigste zum Thema neu entdeckte Tierarten

  • Die Artenvielfalt, auch Arten-Diversität genannt, bezeichnet die Anzahl der biologischen Arten innerhalb eines bestimmten Lebensraums (wie Wald, Gewässer, Wüste) oder eines geopraphisch begrenzten Gebiets.

  • Differenziert wird häufig nach Flora (Pflanzen) und Fauna (Tiere). Zu den tierischen Großgruppen zählen unter anderem Insekten, Vögel, Säugetiere, Reptilien und Fische.

  • Schätzungen zur globalen Artenvielfalt liegen weit auseinander. 2011 errechneten Forscher aus Hawaii und Kanada dank einer innovativen Analyse-Technik rund 7,8 Millionen Tierarten weltweit.

  • Die Wissenschaftler vermuten, dass 86 Prozent aller an Land und 91 Prozent aller in den Ozeanen lebenden Arten noch unbekannt sind.

  • Jedes Jahr werden zwischen 15.000 und 18.000 neue Pflanzen- und Tierarten entdeckt - oft bei Forschungsexpeditionen. Manchmal helfen Drohnen oder Tauchroboter beim Aufspüren. Mit letzterem wurden zuletzt 30 neue Tierarten in der Tiefsee vor den Galápagos-Inseln entdeckt.

  • In unserer Bildergalerie (unten) stellen wir dir interessante Newcomer vor: darunter die "Herr der Ringe"-Fische und eine Harry-Potter-Schlange.

Meeresforscher entdecken 30 neue Tierarten

Ein internationales Team von Meeresforschern hat jüngst in der Tiefsee vor den Galápagos-Inseln 30 neue Tierarten entdeckt - und das bis in Tiefen von 3.400 Metern.

Unter den Neuentdeckungen seien 14 Korallen, ein Seestern, 11 Schwämme sowie 4 bisher unbekannte Krustentiere, erklärte der Galápagos-Nationalpark.

Blick von der Galapagos-Insel St. Cristobal auf die berühmte Felsennadel "Pinnacle Rock". Seit 1979 gehört die Inselgruppe zum Unesco-Weltnaturerbe.


Blick von der Galapagos-Insel St. Cristobal auf die berühmte Felsennadel "Pinnacle Rock". Seit 1979 gehört die Inselgruppe zum Unesco-Weltnaturerbe.
© picture alliance/imageBROKER

 

Die Galapagos-Inseln gelten mit ihrer unberührten Natur als Eldorado für Wissenschaftler. Sie beherbergen weltweit die größte Zahl an endemischen Arten - also Arten, die nur dort vorkommen.

Ein Besuch der Inseln im Jahr 1835 inspirierte den britischen Wissenschaftler Charles Darwin zu seiner Evolutionstheorie. Seit 1979 gehört die Inselgruppe, die rund tausend Kilometer vor der Küste Ecuadors liegt, zum Unesco-Weltnaturerbe.

Da guckst du! Weitere neu entdeckte Tierarten

Gute Frage: Wie entstehen neue Tierarten?

Am häufigsten bildet sich eine neue Art, wenn ein Teil der Population räumlich vom Rest getrennt wird - etwa durch Wüstenbildung, Waldrodung oder Überflutung.

Die Tiere leben nun in verschiedenen Gebieten, können sich nicht mehr paaren und ihre Gene austauschen. Aufgrund von unterschiedlichen Umweltbedingungen, Selektionsfaktoren und Mutationen entwickeln sie sich unabhängig voneinander weiter, so dass sie zu einer neuen Art werden.

Und auch im selben Lebensraum ist Artbildung möglich. Verändert sich durch eine Genmutation beispielsweise eine phänotypische Eigenschaft wie die Färbung eines Tiers, wirkt sich das auf die Fortpflanzung aus: Oft wird dann bevorzugt ein ähnlich aussehender Partner gewählt. So kann aus einer Ursprungs-Art eine neue hervorgehen.

Lazarus-Effekt: Wenn ausgestorben geglaubte Tiere plötzlich wieder auftauchen

Es war eine Sensation: Am 19. Mai 2018 tappte ein Vietnamesischer Maushirsch in eine Kamera-Falle nahe der vietnamesischen Küstenstadt Nha Trang. Die kleinen Huftiere galten seit 28 Jahren als ausgestorben - die letzten bekannten Exemplare seien 1990 von einem Jäger erschossen worden. Die Forscher, die den Maushirsch blitzten, waren Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen.

Dass Tierarten von der Erde verschwinden und plötzlich wieder auftauchen, kommt häufiger vor. Man nennt das Lazarus-Effekt. Der Begriff geht auf die biblische Geschichte von der Auferweckung des gestorbenen Lazarus durch Jesus Christus zurück.

Bis 2011 wurden laut einer Studie der Universität von Singapur 351 "totgesagte" Tierarten wiederentdeckt. Die Gründe: Manche der Tierbestände erholen sich nach einem Beinahe-Aussterben, andere ziehen sich aufgrund von Bedrohung in abgelegene Gebiete zurück.

Kürzlich "auferstanden" ist auch Chelonoidis phantasticus, eine Unterart der Galápagos-Riesenschildkröte. Nach über 100 Jahren tummelte sich 2019 erstmals wieder ein erwachsenes Weibchen auf der Insel Fernandina.

Das wohl verblüffendste Comeback hatte der Quastenflosser, der sich vor 70 Millionen Jahren verabschiedete. Ihn kannte man nur als Fossil - bis der stahlblaue Knochenfisch 1938 südafrikanischen Fischern ins Netz ging.

 

Good News: Der Vietnamesischer Maushirsch wurde wieder entdeckt

Und hier die allerneueste Spezies: der Faultier-Roboter

Im Botanischen Garten in Atlanta hängt der Faultier-Roboter an einem gespannten Kabel zwischen den Bäumen und bewegt sich nur dann (gemächlich), wenn's sein muss. Seine Aufgabe: Umweltdaten wie Temperatur, Witterung oder CO2-Konzentration sammeln.

Entwickelt wurde der solarbetriebene "SlothBot" am Georgia Institute of Technology. Die Idee dahinter: Der Roboter soll das Verhalten eines echten Faultiers nachahmen, damit er energiesparend arbeiten und für lange Zeit die Natur beobachten kann. Die Informationen möchte man nutzen, um die Interaktion zwischen Pflanzen und Tieren besser verstehen und seltene Arten und bedrohte Ökosysteme nachhaltig schützen zu können.

 

Veröffentlicht: 19.08.2020 / Autor: Heike Predikant